Mufikalifche Inftrumente.
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Bittner ift bekanntlich ein fehr feiner Kenner des alten italienifchen Stils und der Conftruction der Geigen, wie fchon feine bereits erwähnte ausgeftellte hiftorifche Sammlung darthut. Seine Inftrumente laffen an Solidität der Bauart nichts zu wünfchen übrig und feine Violinen heben fich durch einen zwar weichen, aber etwas kleinen und mitunter geprefsten Ton hervor; die Celli könnten etwas freier anfprechen. Dagegen zeichnen fich feine Violen durch eine edle und anmuthige Klangfarbe aus; die Viola d'amore hat einen fchönen, fanften Ton.
Die Viola d'amore unterfcheidet fich im Bau wefentlich von der Violine; während ihre Oberdecke gewölbt ift, ift die Unterdecke flach, die Zargeneinbiegungen bilden zwei regelmäfsige Halbkreife und verlaufen nicht ausgefchweift und fo fpitzig wie bei der Violine. Die Löcher haben die Geftalt von denen, wie man fie bei den alten Contrabäffen, der Gamba und dem Baryton findet; der Wirbelkaften, welcher bei der Violine in einen zierlichen Schneckenkopf verlauft, endet hier mit einem oft recht künftleriſch gefchnitzten Amorkopf; der Saitenhalter ift fo gefchnitten, dafs die tieferen Saiten eine längere Spannung haben. Viele älteren Violen d'amore haben zwifchen dem Griffbrete und dem Stege ein zierlich ausgelegtes Schallloch. Sie ift mit fieben Darmfaiten und fieben Metallfaiten bezogen. Die fieben erfteren, wovon die drei tiefften mit Silberdraht überfponnen find, werden wie bei der Violine über den Steg und das Griffbret aufgezogen, die anderen fieben Metallfaiten find unter dem Saitenhalter an Stiften befeftigt und laufen von hier aus durch den Steg, welcher zu diefem Zwecke mit kleinen Löchern verfehen ift, unter dem Griffbret bis zu ihren Wirbeln. Die drei tiefften Metallfaiten find ebenfalls mit feinem Drahte überfponnen. Durch den Nachklang der Metallfaiten ift ihr Ton ein fehr fympathifcher. Matheffon fagt in feinem Werke Orcheftre I. Theil, S. 282:„ Die verliebte Viola d'amore führt den Namen mit der That, und will viel Languiffantes und Tendres ausdrücken. Ihr Klang ift argantin oder filbern, dabei überaus angenehm und lieblich." Sie pafst befonders für den gebundenen Stil, für träumerifche Melodien, für den Ausdruck des Entzückens und religiöfer Empfindung; fie eignet fich für den Vortrag in einfachen und in Doppeltönen, für Accorde von 3, 4 oder mehreren Tönen. Ein befonderer Reiz liegt in dem Arpeggio. Das fo lange verfchollen gewefene Inftrument, deffen Verfall Hektor Berlioz und andere Mufik- Schriftfteller lebhaft bedauerten, hat erft Meyerbeer für eine Romanze in den„ Hugenotten" wieder zu Ehren gebracht und deffen häufigere Anwendung im Orchefter wäre um fo wünſchenswerther, als es fich für gewiffe Stimmungsbilder nach dem oben Gefagten vortrefflich eignen würde. Wien befitzt an Herrn Kràl einen bedeutenden Virtuofen auf der Viola d'amore, welcher auch eine Schule für diefes Inftrument gefchrieben hat, um dasfelbe den Violinfpielern zugänglich zu machen.
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Eine wahre Meifterleiftung bot uns Zach Thomas in Wien mit einer Geige nach Giuſeppe Guarneri, welche dem Aeufseren nach aus der Fabrik des berühmten Meifters herrühren könnte, fo täufchend ift an ihr auch in Stil und Farbe das Gepräge des Alters ausgedrückt, und ebenfo entspricht fie in Anbelang ihres gefangvollen, warmen Tones dem Originale, dem fie nachgebildet ift. Den wunderfchönen, altitalienifchen Klang verdankt fie zum grofsen Theil dem Materiale, einem fehr alten Holz, aus dem fie der Meifter gefertigt hat, und damit auch ihren dauernden Werth. Diefe Geige kann fich in der That mit Stolz neben der Amerikanerin zeigen, obwohl fie nicht wie diefe 10.000 Dollars, fondern nur ganz befcheiden 300 fl. öfterreichifcher Währung als Preis beansprucht. Aufser diefer Violine hatte Zach noch ausgeftellt: Eine Violine, neu formirt nach A. Stradivari, eine Violine, copirt nach A. Stradivari, eine Violine, amatifirt nach eben demfelben, dann eine Violine nach Jofef Guarneri und eine nach Kasper Duiffopruggar, ferner ein Violoncello nach A. Stradivari. Unter diefen genannten Inftrumenten hebt fich das Cello durch feinen Ton hervor, in welchem der echte Cello charakter fich abfpiegelt. Noch ift das von diefer Firma vorgeführte Quartett Stourdza zu erwähnen, deffen bereits oben gedacht wurde.