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Musikalische Instrumente : (Gruppe XV) ; Bericht / von Eduard Schelle
Entstehung
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Mufikalifche Inftrumente.

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Jahr 1867. Aus diefer Zeit ftammen auch die Verbefferungen der Armeepofaunen für Alt, Tenor und Contrabafs her, bei welchen Červený zugleich einer bequemen und leichten Handhabung Rechnung trug. Seine Pofaunen fprechen in der tiefften, wie in den hohen Tonlagen mit gleicher Kraft und Schärfe an.

Im Weiteren berühren wir noch die Erfindung des fchönen Obligat- Althorns und die vielen Verdienfte, welche fich der Meifter um die Trompeten, Cornets, Turner- und Signalhörner erworben. Zu der Ausstellung brachte er noch als neue Originalfchöpfung fein Primhorn. Červený nennt es fcherzhaft Gigfer- Befei­tungshorn", weil es um eine Octave höher fteht, als das K- Horn und mithin die hohen, nicht leicht anſprechenden Töne fich in der Mittellage befinden, fomit die Herztöne des Inftrumentes bilden, und als folche leicht wiederzugeben find. Červený erreichte diefs, indem er die Röhre weiter als gewöhnlich bohrte und die Form des Inftrumentes verkleinerte. Allein diefes Horn ift von dem Uebel­ftande begleitet, dafs deffen Umfang nach der Tiefe hin nicht gehörig ausreicht und am allerwenigften für Militärmufik bequem fein dürfte. Sämmtliche von Červený ausgeftellte Inftrumente zeichnen fich durch einen feinen und ebenfo foliden Bau aus. Auf die Prämiirung mufste der Ausfteller als Mitglied der Jury Verzicht leiften.

Ueberhaupt war die öfterreichische Abtheilung, zu der auch Červený zählt, im Ganzen fehr reichlich und gut befchickt worden. Unter den Wiener Firmen fteht im Vordergrund Ignaz Stowaffer. Diefe Fabrik wurde im Jahre 1838 gegründet und hat fich während ihres langen Beftehens die Förderung diefes Induſtriezweiges fehr angelegen fein laffen und namentlich für die Verbefferung der Cylindermafchine Bedeutendes geleiftet. Unter ihren vielen und verfchiedenen Inftrumenten zeichneten fich befonders zwei Flügelhörner in B und C, ein Cornet in B, zwei Trompeten in B und F, endlich ein Horn in F durch einen vorzüglich fchönen Ton aus. Auch eine Tenortrompete in B, zwei Bombardons in Fund B, der Pofaunen nicht zu gedenken, vertraten den Ruf der Fabrik in würdiger Weife. Die Inftrumente find theils aus Meffing, theils aus Alpacca. Als das Neuefte find anzuführen die Jericho- Pofaunen, welche einen überaus ftarken Ton befitzen, namentlich die in B, leider aber für den Bläfer unbequem find. Nächft Stowaffer ift die Firma Fuchs Daniel in Wien zu erwähnen. Von ihr fanden fich vor: Zwei Piftons, eine Trompete in G oder F, eine Trompete Baffo in C oder B, zwei Solo- Flügelhörner, eines von Alpacca, ein Solo- Euphonion, ein Waldhorn in Coder F, Tenortrompone in B, Bafstrompone in B, Bombardon in F, Helikon in F, Helikon in B, Signalhorn, Traverfon. Das Traverfon, eine neue Verbefferung der Pofaune, ift leichter zu tragen als die gewöhnliche Pofaune und fo gebaut, dafs fie mehr auf dem Körper liegt und die linke Hand nicht befchwert. Der Schallbecher kann nach Belieben abgenommen werden. Der Ton ift voll und rein. Die Inftrumente ftehen in der Naturftimmung B und F. Das Rohr läuft in einer Windung über das Mundftück in den Schallbecher, der alfo nach der entgegengefetzten Seite hin, nach vorn gerichtet ift und hat einen durchaus regel­mässigen conifchen Verlauf in der Menfur. Diefe Traverfons find aufserordentlich handlich und dürften bald grofse Verbreitung finden, da namentlich der Preis fehr billig ift, von 58 bis 75 fl.; auch die übrigen Inftrumente find billig, 7 bis 175 fl. Die Firma Leopold Uhlmann in Wien befchickte die Ausstellung mit einem Cornet in B, zwei Trompeten in F, zwei Waldhörnern in F, zwei Pofaunen in B, zwei Bafspofaunen in F, einem Flügelhorn in C, einer Trompete in B, einem Alt­horn in Es, zwei Tenorhörnern in B. Diefe letzteren fünf Inftrumente find mit einer Hand zu halten und zu fpielen; ferner mit einem Bafs- Flügelhorn oder Tenorhorn in C, einem Euphonion in C, einem in B und C, einem Bombardon in C, einem Helikon in B. Die Fabrik wurde im Jahre 1800 vom Vater des jetzigen Chefs gegründet und befchäftigte fich nur mit Anfertigung von Holz- Blasinstrumenten. Erft feit 1830, bereits unter dem jetzigen Befitzer, wurde die Fabrication auch auf Metall­Blasinftrumente ausgedehnt und hat fich das Gefchäft jetzt zum gröfsten derartigen