74
Eduard Schelle.
Werkstätten zu Paris, zu Château- Thierry( Aisne) und zu Mericourt( Vogefen) mehr als 700 Arbeiter. Die ausgeftellt gewefenen, in das Bereich des Bleches fallenden Inftrumente find gut gearbeitet und zeichnen fich durch einen fchönen Ton aus; von vorzüglicher Schönheit ift der Ton einer Bafspofaune in B. Auch die Leiftungen von Thibouville- Lamy auf diefem Gebiete find im Ganzen und Grofsen anerkennungswerth. An einzelnen Inftrumenten indefs, fo an der Pofaune in C, wäre nur der Mangel an einem beftimmten Charakter des Tones auszufetzen, welcher eine Mifchung von Trompeten- und Hornton bildet.
Die italienifche Abtheilung ift mit den Blech- Blasinftrumenten beffer beftellt, als mit den Ton- Werkzeugen anderer Art. Giuſeppe Pelitti in Mailand hat im Ganzen Preiswürdiges geliefert, unter Anderem eine Ordonnanztrompete in D, auf der man die ganze Scala fpielen kann, eine Erfindung, die für das Militär von grofsem Werthe ift. Diefe Erweiterung des Inftrumentes wird durch eine Klappe erzielt. Ausgezeichnete Inftrumente führte auch die Firma Antonio Santucci aus Verona vor. Unter ihnen ift befonders hervorzuheben ein Bombardon in F, in Form eines Helikon, wegen des kräftigen und dabei runden Tones; auch eine Pofaune in B ift wegen ihres glanzvollen Klang charakters anzuführen. Weniger gelungen waren ein F- Horn und ein Bariton. Recht empfehlenswerthes Mittelgut brachte Antonio Palmieri aus Forli. Von Gaëtano Spada in Bologna fanden wir aufser jenem fchon erwähnten Metallfagot von neuer Conftruction ein Flügelhorn in Es mit Quermechanismus, genannt Genis. Dagegen will eine doppelte Trompete von Mafuffi gar nichts befagen. Zu den neueften Erfindungen, welche die Ausstellung vorführte, gehört das Bimbonitono des Profeffors Giachino Bimbani aus Florenz. Es bildet eine Trompone, welche durch einen Mechanismus Trompete, Clarinette und das Fagot vereinigt. Es hat einen Umfang von vier Octaven, vom Contra- F. Das Inftrument leiht fich in Folge des Mechanismus, mit Leichtigkeit allen Figuren her, Triller in Dur und Moll find bequem ausführbar. Der Ton ift ftark, weich und fanft, für Cantilenen geeignet; er entbehrt aber jeglichen beftimmten Charakters. Das Inftrument kann nur als Curiofität gelten und Aufmerkſamkeit beanfpruchen, aber für die Kunft ift es kein Gewinn. Die von Fedorow aus Moskau eingefendeten Inftrumente, ein Saxophon ohne Mundftück und eine Trompete, überfchreiten nicht das Mafs des Gewöhnlichen. Endlich fahen wir noch Rumänien auf diefem Gebiete vertreten in, der Firma W. Staffek in Bukareft, welche Blech- Blasinftrumente aller Gattungen brachte, darunter ein Flügelhorn in C, von fchöner äufserlicher Arbeit und anftändig in Ton und zwei Tenor- Euphonions in C und B, zwei gute, aber leider mit fchlechten Mundftücken verfehene Inftrumente. Im Ganzen und Grofsen find die Leiftungen diefer Firma recht anftändig.
Hiermit wäre das Bild erfchöpft, welches die Weltausftellung auf dem Gebiete der eigentlichen Kunftinftrumente entrollt hat. Wenn wir auf dem Terrain des Clavierbaues die unangenehme Erfahrung machten, dafs uns das deutſche Reich in diefem Zweige der Induftrie überholt hat, find wir demfelben in der Fabrication der Streichinftrumente überlegen und ftehen ihm in den Blas- Inftrumenten zum mindeften ebenbürtig, gegenüber. Ein Beleg dafür ift, dafs einzelne öfterreichifche Fabrikanten, z. B. Cervený, einen bedeutenden Gefchäftsverkehr mit dem Auslande haben.
So haben nur Oefterreich, Frankreich, und wenn fich das Inftrument des Herrn Gemünder in New- York für die Dauer bewähren follte, Amerika Muftergeigen geliefert. Ueberhaupt haben fich, im Durchfchnitt genommen, die öfterreichifchen Streichinftrumente an Qualität des Tones den von Deutfchland geftellten, dem einzigen Lande, das mit Oefterreich numerifch in Concurrenz trat, als überlegen erwiefen. In Betreff der Blasinftrumente reichen fich Oefterreich- Ungarn, Deutfchland und Frankreich die Hand, und bezüglich der BlechBlasinftrumente darf fich ihnen auch Italien anreihen. Auf dem Gebiete der Holz