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Apparate- und Anlagen von Wasserleitungen : (Gruppe XVIII, Section 1) ; Bericht / von C. Frischauf, Obering.
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C. Frifchauf.

Die Hochrefervoire dienen dazu, etwaige Störungen in der regelmäfsigen Mafchinenarbeit, fowie die Schwankungen im täglichen Wafferverbrauche auszu gleichen, indem diefelben während der Stunden des geringeren Wafferverbrauches. am Abend und in der Nacht von dem durch die Mafchinen gelieferten, nur zum Theile confumirten Waffer in fich aufzunehmen und von ihren Vorräthen zu den Tagesftunden, wo der Confum die Zuführung durch die Matchinen zeitweilig überfteigt, wieder für die Verforgung abgeben. Das Refervoir am Berliner Thor befteht aus einem gufseifernen überdachten Behälter, auf einem 12 Meter hohen Unterbau ruhend. Die beiden anderen Hochrefervoire liegen im Erdreiche ver­tieft; fie find in Mauerwerk hergeftellt, überwölbt und durch eine übergebreitete 14 Meter ftarke Schicht Erde gegen die wechfelnden Temperatureinflüffe gefchützt. Auf die Leitungen der Stadt- Wafferkunft vertheilt, befinden fich in Ent­fernungen von 40 Meter in Stadt und Vorftadt, bis zu 150 Meter auf dem Land­gebiete an 2500 Hydranten, welche, einerfeits von den Mafchinen, andererfeits durch die Hochrefervoire gefpeift, ein fehr wirkfames Mittel zur Feuerlöfchung find. Die Stadt- Wafferkunft verforgt die Häufer bis unter das Dach und beläuft fich die gefammte Wafferverforgung in den Zeiten des ftärksten Verbrauches im Sommer bereits auf 60.000 Cubikmeter täglich.

Der Lieferungspreis des Waffers beträgt 24 Silbergrofchen per annum für jedes bewohnbare Zimmer, Badezimmer, Water- Clofet und jede Küche; für die Wohnungen der unbemittelten bis zu 60 Thaler Jahresmiethe defsgleichen 12 Sil­bergrofchen und für Wohnungen zwifchen 60 und 80 Thaler Miethe, 18 Silber­grofchen.

Das zu anderen als häuslichen Zwecken, für Fabriken, Gefchäftsbetriebe etc. gelieferte Waffer wird mit I Silbergrofchen für jeden Cubikmeter berechnet und find für die Controle von folchem Wafferconfum Waffermeffer in Anwendung. Die Stadt- Wafferkunft wurde in den Jahren 1845 bis 1849 erbaut und im Jahre 1849 in Betrieb genommen.

In den Jahren 1851 und 1853 kaufte und übernahm die Anftalt zwei ältere Privat Wafferwerke, deren Pumpftationen dann eingingen.

Die bereits vorhandenen Röhrennetze diefer älteren Wafferwerke wurden benützt und in möglichft geeigneter Weife mit den neueren Leitungen verbunden. Es find 15 Dampfkeffel vorhanden und 5 Dampfmafchinen, laut obiger Angabe zufammen bis zu 850 Pferdekraft.

Die Alb Waffer verforgung des Königreiches Württem­berg. Diefe Wafferverforgung war für die Ausstellung mittelft Karten und Reliefs dargestellt. Ausserdem war noch eine Broschüre aufgelegt, welche eine genaue hiftorifche und technifche Befchreibung des Entftehens und Baues der ganzen Anlage enthielt.

Wir können uns natürlich nur darauf befchränken, das Wefentlichfte hervor­zuheben und verweifen im Uebrigen auf das erwähnteHeft, welches vom Profeffor Oskar Fraas in Stuttgart als Denkfchrift für die Weltausftellung verfafst ift.

Das in Ausführung begriffene Project einer rationellen und allgemeinen Wafferverforgung eines über mehr als zwanzig Quadratmeilen fich ausdehnenden. wafferlofen Landftriches, der fogenannten Rauhen Alb, umfafst zunächft 70 würt­tembergifche Ortfchaften mit gegen 30.000 Bewohnern. Unter Berücksichtigung ihrer geographifchen Lage fowohl, als entſprechend den vorhandenen Waffer­Triebkräften der verfchiedenen Albthäler find die betheiligten Ortfchaften in acht von einander unabhängige Gruppen eingetheilt worden, von denen nunmehr zwei Sectionen fchon vollſtändig fertig find.

Eine davon befindet fich fchon feit 2 Jahren in regelmäfsigem Betriebe und in der ungeftörten Benützung der dortigen Bevölkerung. Die Bevölkerung der Alb hatte anfangs dem Projecte der Alb- Wafferverforgung mit begreiflichem Starrfinn alle möglichen Hinderniffe in den Weg gelegt, obgleich fie bisher