Dokument 
Das Bauernhaus mit seiner Einrichtung und seinem Geräthe : (Gruppe XX) ; Bericht / von K. J. Schröer
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen

Das Bauernhaus mit feiner Einrichtung und feinem Geräthe.

27

find Anfiedler, Coloniften von den ungrifchen Königen an die öftlichen Grenzen Siebenbürgens zum Zwecke der Landesvertheidigung hin gepflanzt, wie die Nation der Magyaren" in den Norden und die ,, Nation der Sachfen" in den Süden. Székler, magyarifch Székely*, bedeutet nichts Anderes, als Anfiedler. Magyarifch szék, heifst der Stuhl, die Niederlaffung; daher das Zeitwort szé­kel- ni, das ift fiedeln, fich zur Wohnung niederlaffen. Székely ift der Anfiedler, Saffe. So wie der Name des Elfaffes entstanden ift aus eli- sâzonô lant, ein Land der Elfaffen, fowie Holftein aus holt saten, Holzfaffen, entftanden ift, hiefsen die Székler fchlechtweg Siedler, Saffen, Coloniften. Es find Magyaren, die von den Königen mit befonderen Freiheiten an jene Grenzen gefetzt find.

Sie find alle Edelleute, d. i. von Leibeigenfchaft frei, fowie ja die Sieben­bürger Sachfen auch, leben in einem bergigen Gebiete von etwas Ackerbau, Vieh­zucht und Holzhandel. Zahlreich findet man fie in fächfifchen Ortfchaften als Dienftboten. Auch im Aeufseren find die zwei Repräfentanten des Széklerftammes auf der Ausftellung durchaus nicht verfchieden von den ungrifchen Magyaren. Unter letzteren unterfcheidet man befonders zwei Typen. Der Eine mit dunklem Haar und dunklem Auge, edel gefchnittenem Profil, fchlankem Wuchs; der andere mit breitem Geficht, etwas kalmükifch gedrückt, mit kurzem Hals, zuweilen afch­blondem Haar und bleifarbem Auge. Aehnlich laffen fich auch bei den Türken zweierlei Typen, die von einander ganz verfchieden find, unterfcheiden, fo wie man auch bei dem jüdifchen Volke den fpitznafigen Arabertypus neben dem ftumpfnafigen Negertypus oft in Einer Familie nebeneinander antrifft.

-

Merkwürdiger Weife find die beiden Székler im Széklerhaufe auch Vertreter beider Typen. Der Mann mit breitem Gefichte und ftumpfer Nafe, blondem Haar, die Frau mit dunklem Haar und Auge und regelmäfsigem Profil. Er heifst Farkas, das ift Wolf, ein auch in Ungarn häufiger Name; ihr Name ift Gálfi( das ift des Gallus Sohn). Beide find verheiratet, aber nicht mit einander.

Das Széklerhaus fällt auf durch das ungewöhnlich hohe Dach. Der auf der Abbildung erfichtliche Thurm hinter dem Dache gehört zum Gebäude für ungrifche Forfterzeugniffe. Das ftattliche Einfahrtsthor ift mit bemaltem Schnitz­werk verziert. Ober der Thür, neben dem Thore befindet fich, wie auf der Wand des Siebenbürger fächfifchen Haufes eine Infchrift:

bëke a belëpökre

Friede den Eintretenden, áldás a kimenőkre! Segen den Austretenden.

Isten segedelmi böl epitette ezt a házad Borsodi Demeter

1873- ba.

Mit Gotteshilfe baute diefs Haus Demetrius von Borsod 1873.

In alterthümlicher Weife wird die Länge des Vocals noch mit zwei Punk­ten bezeichnet. Als Name des Erbauers war früher ein anderer angegeben; man fah, dafs derfelbe weggeftemmt und neuerlich durch einen andern erfetzt worden ift. Die Székler find der Schrift kundig; fie find Proteftanten helvetifchen Bekenntniffes.

Neben dem Eingange ift eine Bank mit einem Vordache angebracht. Indem wir in den Hof eintreten, fehen wir recht hoch aufgefchoffenes Welfchkorn, das der Székler hier angebaut hat. Auf der anderen Seite läuft am Haufe hin ein Gang unter dem vorfpringenden Dache, wo Ackergeräth aufbewahrt ift. Darunter bemerken wir eine hölzerne Heugabel, färbig lackirt, aus einem Stück und einen hölzernen, gleichfalls farbigglänzenden Rechen. Diefs find Liebesgaben, die der Burfche vor dem Schnitte feinem Mädchen gibt.

Vom Hofe aus tritt man rechts in das Wohnhaus, zunächft in ein kleines Vorhaus, das rechts in die Wohnftube, links in die kleinere Stube führt. Im Vor­

* Das sz klingt wie deutfches fz, fcharfes f; der Accent bezeichnet die Länge des Selbftlautes, ly ist= lj wie frz. 11 in fille. Alfo Székely Seekelj, beinahe Seekäj.