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Kirchliche Kunst : (Gruppe XXIII) ; Bericht / von Hans Petschnig
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Hans Petfchnig.

gewefen und von einer Reinheit in Flufs, wie felbe kaum fchöner gemacht werden können. Das Email wird in Wien erft feit dem feften Auftreten der Gothik bei kirchlichen Werken cultivirt, und Chadt war es, der nach vielen angeftrengten Verfuchen endlich das Email zu einer folchen Vollkommenheit brachte, dafs er in Mitte der grofsen Concurrenz auf der Weltausftellung unbedingt den erften Platz einnahm. Ueberhaupt waren die fechs Reliquiare, fowohl was Zeichnung als Ausführung betrifft, ganz vorzüglich und gereichen der Wiener Kunftinduftrie zur hohen Ehre.

Diefen Arbeiten zunächft ftanden die vom Linzer Dombau- Vereine ausge ftellten Kirchenutenfilien aus dem Atelier der Herren Brix& Anders, ein fchönes Partikelkreuz mit den vier Evangeliften in Email translucide, Chriftus aus Elfenbein, dann Leuchter und verfchiedene andere Kirchengeräthfchaften.

Brix& Anders hatten übrigens auch in der öfterreichifchen Abtheilung. felbftftändig eine bedeutende Collection ausgeftellt. Monftranzen, Kelche, Ciborien, Lampen, Leuchter, Weihrauch- Fäfschen, Kännchen, aus edlem und unedlem Metall, meift vergoldet, find nach Entwürfen der erften Wiener Architekten, welche fich der kirchlichen Richtung gewidmet haben, ausgeführt worden.

Stilftrenge und Ernft zeichnete diefelben aus; auch die techniſche Arbeit, der Gufs, die Cifelirung, das Email etc. verdienen alle Anerkennung.

Franz Ludwig Adler aus Wien hatte ebenfalls eine ganz gute Expofition von Paramenten gebracht, jedoch ftehen diefe Erzeugniffe weit hinter jenen von Brix und Anders.

Der von den Wiener Kunftinduftriellen noch immer wenig beachtete Fun­damentalfatz, dafs der gute Entwurf, d. h. die Zeichnung die Hauptfache iſt, zeigte fich leider nur zu häufig in diefer und mancher anderen Branche und drückte den Werth der Kunfterzeugniffe trotz guter technifcher Ausführung gar fehr herab.

Aus den Provinzen hatten Albert Samaffa und N. Schreiner( Laibach) Kirchenutensilien gebracht. Die Arbeiten des Erfteren zeichneten fich durch gute Technik, fchöne, ftiliftifche Form aus, während die Schreiner's fowohl in deffen eigenem Intereffe, als auch in dem des guten Gefchmackes beffer weggeblieben

wären.

Matzenauer aus Wien hatte einige fchön gearbeitete Gefäfse für katho­lifchen Cultus zur Anficht gebracht.

Eine Filigranmonftranze aus Silber, mit Edelſteinen befetzt, von Stefan Jeftovitz, verdiente die volle Aufmerkfamkeit, die ihr entgegen gebracht wurde, wegen der fchönen und mühevollen Arbeit, wie auch der Präcifion in der Detail­ausführung.

Wenn man dabei noch berücksichtigt, dafs der Ausfteller felbft nur Arbeiter ift und nur in den freien Stunden an diefem Werke arbeiten konnte, fo verdient die Liebe zu feinem Metier, die Ausdauer und Selbſtverleugnung, das Opfer aller freien Stunden durch mehr als ein Jahr, um diefes aus vielen Hundert zufammen­gefetzten Theilen beftehende Werk zu vollenden, alle Anerkennung. Es zeigt fich dabei, dafs, wenn der Arbeiter unmittelbar Intereffe an feinen Ausführumgen hat, das Kunft- Handwerk rafch wieder fo aufblüht, wie es im Mittelalter und der Früh­renaiffance der Fall war.

Rufsland hat in Paftinkoff und Klebnikoff zwei fehr ftrebfame Firmen, die fpeciell in der ruffifch- byzantinifchen Kunft Vorzügliches leiften.

J. Willmatte Sohn aus Lüttich hatte fonderbarer Weife feine Reliquiare in der Kunsthalle ausgeftellt. Es waren diefs vorzügliche Werke der höheren Kunftinduftrie mit ausgezeichneten Emails, reicher, fchöner Detaildurchführung.

Von A. Bourdon de Bruque aus Gent ftand in der Rotunde eine vor­zügliche Collection von Kelchen, Monftranzen, Reliquiaren, Partikelkreuzen etc. aus edlem Metalle, reich mit Email und Edelgeftein gefchmückt, durchwegs gothifchen Stile.

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