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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Objecte der Kunft und Gewerbe früherer Zeiten.

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Heilandes von der Verkündigung bis zur Himmelfahrt. Die Gefäfse fo wie die Kronen der Figuren find aus vergoldetem Silber gearbeit, mit Steinen gefchmückt und enthalten eine Infchrift, welche erzählt, dafs Erzbifchof Friedrich III.( 1315 -1338) diefen fchönen Altarbehang befchaffen liefs. Ein kleines Antipendium mit Flachftickerei aus dem XV. Jahrhunderte ift beachtenswerth durch die darauf ange­brachten Wappen der Familie Walfee und Rofenberg( Franz Koch in Wien). Ein Gegenftand grofser Seltenheit ift die an dem fchon befprochenen romanifchen Pedum von Sct. Peter angebrachte und aus dem XIV. Jahrhunderte ftammende, mit Perlen und Silberfäden geftickte Burfa, welche dazu diente, um daran das Sudarium zu befeftigen.

Die Mitren des XIV. und XV. Jahrhundertes zeigen in ihrer Form eine bedeutende Gröfsenzunahme gegenüber der älteren, ohne dafs defshalb eine gewiffe Zierlichkeit aufgegeben worden wäre. Wir fanden auf der öfterreichifchen Amateur­ausftellung zwei Mitren aus diefer Zeit, die eine ift die Prunkmitra, die fich im Stifte Admont befindet und aus dem zu Ende gehenden XV. Jahrhunderte ftammt. Die Schilder find durch breite Borten von fchwarzer Farbe mit Goldftickerei in zwei Felder getheilt, die mit je einem in Stickerei ausgeführten Figürchen gefchmückt find. Der Abfchlufsrand der Schilder ift mit metallenen Krabbenblättern und Perlen, die Spitze mit Agraffen befetzt. Zu den Stolen find ebenfalls koftbare Goldborten verwendet und deren Enden mit vergoldeten Silberplatten befetzt, darauf auf carrirtem Tiefgrunde fchwungvoll gezeichnete Thierbilder eingravirt find. Eine vom Stifte Sct. Peter ausgeftellte Prachtinfel, aus dem Ende des XV. Jahr­hundertes ift ganz mit Perlenftickerei überzogen und mit zahlreichen mitunter fehr grofsen Steinen belaftet. Sie zeigt uns fo recht eigentlich, wie man gegen den Aus­gang des Mittelalters und noch weiter herein, in die fogenannte Neuzeit die kirch­lich- liturgifchen Kunftgegenftände mit fchwerem Metall- und Steinbefatze zu fchmüc ken fuchte als Erfatz der um diefe Zeit fchon fehr verfallenen Kunftftickerei. Wo ehedem die fchönen ftilgerechten Borten und Stickereien angebracht waren, da fun­keln nun unverhältnifsmäfsig grofse Steine. Im Ganzen prangen an diefer Infel weit über 500 Steine und viele Hunderte von grofsen und kleinen Perlen. Die Kanten der Schilde find mit zierlichem vergoldetem Silberbefchläge eingefafst und den Abfchlufs der Schilde bildet eine knorrenblättrige Metallfpitze mit blauem Steine befetzt. Ebenfo, wie die Mütze felbft find auch die Bänder reich mit Steinen befetzt.

Andere Kunft gegenstände im gothifchen Stile. Als folche haben wir zu verzeichnen: die fehr zierliche Laterne von gothifcher Form mit vielen Thürmchen und ftatt Gläfern mit Hornplatten verfchloffen. Sie befand fich urfprünglich im Sterbezimmer Kaifer Max I.( 1521) in Wels und gehört jetzt dem Mufeum zu Linz.

Ein Mufter der im Mittelalter fo beliebten Kronleuchter, zufammengefetzt aus Geweihen und irgend einer aus Holz gefchnitzten Figur, gibt uns der von dem heutigen Befitzer des Schloffes Velthurns, Ritter von Goldegg ausgeftellte Kronleuchter in Geftalt einer Jungfrau mit dem Wappen der Madruzzi aus Holz gefchnitzt und bemalt, daran zwei Steinbock- Hörner, an denen die Lichter­reifen angehängt waren. Der Kopfputz der Figur deutet ebenfalls auf das Madruzzo'fche Wappen. Urfprünglich befand fich diefe Lichterkrone in dem der Familie Madruzzo gehörigen Schloffe Nonsberg.

Aus dem Muſeum zu Linz fand fich auf der Ausftellung ein dem XV. Jahr­hunderte angehöriges Trinkhorn, wozu ein Auerochshorn benützt wurde, das man in vergoldetes Meffing fafste und mit zwei Füfschen verfah, am oberen Ringe das Hohenloh'fche Wappen zur Erinnerung an den Spender des Gefäfses, Georg I. von Hohenlohe, Bifchofs von Paffau( 1388), der im Schloffe zu Ebelsberg bei Linz refidirte. Ein zweites derartiges, aber bedeutend reicher gefafstes Horn gehört dem Baron Rudolf Mandell in Graz, es ift in vergoldetem Silber gefafst und dürfte um mehr als ein halbes Jahrhundert älter fein.