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Objecte der Kunst und Gewerbe früherer Zeiten : (Exposition des Amateurs ; Gruppe XXIV) ; Bericht / von Carl Lind
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Dr. Carl Lind.

endlich ein Officium mit zehn miniirten Pergamentblättern( Grau in Grau mit Gold und Silber), ein befonders fchönes Werk der italienifchen Renaiffance.

Für Sphragiftiker und Heraldiker ftellte Ungarn einen kleinen Schatz aus. Da fanden fich Urkunden auf Pergamentblättern mit anhängenden Wachs­fiegeln oft von koloffalen Dimenfionen, Typare, mitunter von Silber, auch eines von Stein, auf zwei Seiten gravirt, von König Geifa II.( 1141 bis 1161) herftammend; Bela III. führte das Kreuzwappen ohne Dreiberg und Krone, fein Sohn Andreas II. nahm die acht Balken auf. Zuweilen kommen unter demfelben König auf den Silberbalken einherfchreitende Löwen in unbeftimmter Anzahl vor; nachdem der Löwe das urfprüngliche Wappen des Arpad'fchen Haufes ift, fcheinen die Balken wahrfcheinlich durch Bela III. Gemahlin aus Frankreich gebracht worden zu fein, worauf die Löwen ganz und gar aus dem Wappen und aus den Münzen verfchwan den. Wir fahen ferner Goldbullen Bela IV.( 1235 bis 1270) und Carl IV. des deutfchen Kaifers und Königs von Böhmen aus dem Haufe Luxenburg, ein Silber­tipar der philofophifchen Facultät in Wien aus dem XIV. Jahrhundert, ein Statut des Georgs- Ritterordens mit anhängendem intereffantem Siegel von 1436, Wappen­briefe des Königs Sigismund aus den Jahren 1431 und 1437 mit in Farben aus­geführten Wappen für Josza Farkafics und Michael Paroh.

Noch erübrigt über die Münz- und Medaillen Sammlungen zu berichten, die theils complet, theils in Hauptrepräfentanten zur Ausftellung gebracht wurden. Da war vor Allem die lehrreiche Sammlung von Denaren und Goldmünzen mit den Arpaden beginnend und bis ins XVI. Jahrhundert reichend. Erft mit Bela III. nimmt das Münzenftempel- Schneiden einen künftlerifchen Charakter an. Diefe Sammlung follte auch eine Ueberficht geben über die Form, den Gehalt und die fonftigen Eigenthümlichkeiten der ungarifchen Münzen während der verfchiedenen Epochen. Beginnend mit Stephan den Heiligen um das Jahr 1000 zeigte fich bereits hundert Jahre fpäter die erfte Wandlung des Münzwefens. Anfänglich lagen die ungarifchen Münzen hinfichtlich ihres Aeufsern im Argen. Goldmünzen erfchienen zuerft mit König Carl Robert( 1308 bis 1342), der die florentinifche Präge zum Mufter nahm, thalerartige Münzen erft mit Mathias Corvinus( 1458 bis 1490), dem berühmten, fchlimmen Zeitgen offen Kaifer Friedrich IV.

Diefer Sammlung und fie gewiffermafsen ergänzend fchlofs fich jene des Klaufenburger Muſeums an. Sie enthielt hauptfächlich Münzen nationaler Fürften vom XVI. Jahrhunderte an. Ungarifche Münzen und Medaillen in feltenen Exemplaren und von hohem Werthe, darunter viele Stücke von zehn bis dreifsig Ducaten im Werthe, enthielt die complet ausgeftellt gewefene Collection des Fürften Montenuovo. Es fanden fich darunter grofse Raritäten, ftern- und halbmondförmige Medaillen. Auch die Sammlung von Porträtsmünzen der Gebrüder Egger enthielt manch' Bedeutendes.

Obwohl wir im Verlaufe unferes Berichtes fchon fo manche Perlen und Kleinodien diefer Abtheilung erwähnt haben, fo erübrigt doch noch über einen Schatz derfelben, über eine Koftbarkeit erften Ranges zu berichten. Es ift diefs eine ganz befondere Auswahl von Original- Handzeichnungen und Kupferftichen der ehemals fürftlich Efterhazy'fchen Sammlung, nunmehr ungarifchen National gallerie. Unter den erfteren fanden wir die bedeutungsvollen Namen A. Altdorfer, Hans Burkmayr, Albrecht Dürer, Auguft Hirfchvogl, Wohlgemuth, Rembrandt, Rubens, unter den Letzteren Marc Anton, Mantegna, Peregrini de Cefina vertreten. Auch die aus der Franz v. Pulsky' fche Sammlung ausgeftellten vielen Rembrandt's ftanden der eben erwähnten Sammlung nicht nach.

Deutſchland.

Für die antiquarische Ausftellung Deutfchlands war ebenfalls im füdlichen Pavillon des amateurs ein geräumiger Saal beftimmt worden. Es ist jedoch höchft bedauerlich, dafs man von einer Betheiligung Deutfchlands an diefer Partie der Weltausstellung nur Weniges berichten kann. Der geräumige Saal fah recht nüchtern