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Dr. Carl Lind.
Murad IV. und den reichtaufchirten Armfchienen Tamerlan's. Wir nennen von den Gegenftänden das gerade Schwert Mohamed II., die ftark gekrümmte Damas cenerklinge des vorletzten egyptifchen Mamelukenfultans Eh Ghui und die Klinge Skanderbeg's, jenes Epiroten, von welchem die Ambrafer- Sammlung und das kaiferliche Waffenmufeum ebenfalls Denkmale befitzen. Als eigenthümliche Waffe müffen wir auch feinen Säbel mit der gefpaltenen Spitze bezeichnen. Die Satteldecke und goldenen Steigbügel mit dem Juwelen-, Corallen und Lapislazzali- Befatz Achmed III. erregten durch den Reichthum ihrer Ausstattung allge. meine Bewunderung. Wir verzeichnen noch die ftählerne eiferne Streitkeule mit reicher Goldtaufchirung Selim II., den Säbel Murad III., deffen Scheide mit Rubinen und Diamanten bedeckt, fowie deffen Pfeilköcher aus getriebenem Golde mit Edelgeftein beftreut, den Prachtdolch Suleiman I. Die Kleinodien: Parfum- Ei, Opiumkapfel, Schreibfchatulle und Sackuhr Ibrahims, das albanifche Gewehr mit filbereingelegtem Schaft aus Rofenholz Achmed I., die zwar nicht fchönen Zinngefäfse, aber eigenthümlich durch den Steinbefatz und folche aus Rhinozeroshorn und Porcellan. Ausserdem waren noch viele perfifche Waffen, ein goldbefchlagenes Koran- Pult, aber auch manche Gegenftände ausgeftellt, die offenbar franzöfifchen Urfprunges find.
Wir kommen nun zum Schluffe unferes Berichtes. Obwohl wir überzeugt find, dafs fich noch fo Manches in den Ausftellungen von Frankreich, Portugal, Oftindien u. f. w. vereinzelt vorfand, was wir zu befprechen hätten, wollen wir nur noch der Expofition der anthropologiſchen Geſellſchaft in Wien gedenken, welche die durch die ungenügende Ausftellung von Gegenftänden der prähiftorifchen Zeit entstandene Lücke in der öfterreichifchen antiquarifchen Ausftellung beftens deckte. Wir können zwar auf die Ausftellung von Funden menfchlicher Gebeine nicht eingehen, allein das ausgeftellte grofse Lendengehänge, beftehend aus einer verzierten Scheibe mit Plättchen und Ringen aus Bronce, Armknochen mit Bronce verzierungen, Thongefäfs- Fragmente, hauptfächlich in Böhmen gefunden, Pfahlbauten- Funde aus dem Atterfee, verdienten alle Beachtung.
Faffen wir noch zum Schluffe die Bedeutung und den Nutzen diefer antiqua rifchen Ausstellung ins Auge, wobei wir nicht vergeffen dürfen, dafs diefelbe für faft jedes Land nur eine fragmentarifche war, fo kommen dabei mehrere Gefichtspunkte in Betracht. Der eine, aber leider nur für Oefterreich und Ungarn allein, und felbft da nur annähernd mafsgebende, ift die damit erzielte Ueberficht des reichen Materiales an Denkmalen der Kleinkunft, Kunftinduftrie und handwerks mäfsiger, wie auch hausgewerblicher Thätigkeit von den älteften Zeiten an bis zur jüngften Vergangenheit, der Andere die Aufforderung und Anregung der Fachgelehrten zum tieferen Eingehen auf den geiftigen Inhalt der alten Kunftproducte, wie auch die Belehrung der Sammler, nicht jeden alten Gegenftand feines Alters und verfallenen Ausfehens wegen der Aufbewahrung würdig zu halten, fondern mit feinem Gefühle unterfcheiden und erkennen lernen, was einer forgfältigen Erhal tung werth ift; endlich foll diefe Expofition auch in praktifcher Beziehung nutz bringend werden und der Kunftinduftrie, wenn auch nicht Vorbilder zur unmittel baren Nachahmung liefern, fo doch zum Studium jener Principien und Eigenthüm lichkeiten anregen, welche die Producte jeder Zeit und jeden Stiles charakte rifirten, zur Erforschung der an denfelben angewendeten Kunftweifen, zu einem Studium, das für die Läuterung des Gefchmackes und für das Aufblühen der Kunft der Gegenwart und Zukunft als deffen Fundament unentbehrlich ift. Mag mancher der Befucher ein oder das andere ausgeftellte Object nur leichthin beurtheilt, ja belächelt und darin nur eine Rarität gefehen haben, fo bilden doch alle Gegenftände zufammen eine wohl gegliederte Reihe von Denkmalen, aus der nicht ein Gegenftand entbehrt werden kann, und an deren Hand gründliche Kunft und culturgefchichtliche Studien gemacht werden können.
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