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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
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Die Malerei.

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Es thut der deutfchen Kunft gut, dafs fie ganz entfchloffen auf die Wurzeln unferer Volksexiftenz zurückgeht. Sie gewinnt dadurch an Kern, was ihr an idealer Hoheit, an grofsem Compofitionsfinn einmal fchon abgegangen ift. Die deutfche Kunft kann nur da etwas leiften, wo fie gründlich vorgeht: fei es nun in gründlicher realiftifcher Beobachtung oder in gründlicher Durchbildung eines idealiftifchen Compofitionsgedankens. Auf dem letzteren Wege geht es nicht mehr; diefe Richtung hat mit Kaulbach's Tode für lange ausgeredet. Auch kön nen nur die genialen, die grofsgefinnten Naturen fich in diefem höheren Sinne künftlerisch äufsern; die Beobachtung des Lebens, die malerifch und pfycho­logifch getreue Wiedergabe desfelben ift eine ins Breite gehende Arbeit, in welche fich die gröfsere Schaar der Talente, die mehr Tüchtigkeit als Schwung­kraft befitzen, mit Erfolg zu theilen vermag. Ludwig Knaus, der allerdings mit feinem geiftvoll charakterifirenden Pinfel fein Beftes auf dem Boden der Volksmalerei leiftet, fowie der Waadtländer Benjamin Vautier, der mit der Illuftration zu Immermann's Oberhof die literarifche Dorfgefchichte zuerft mit der malerifchen vermittelte, find und bleiben noch immer die genialen Chorführer und Chormeifter diefer Gattung, auf der auch die mittleren Talente bei offenem Auge und redlichem Eifer mit- und nachgehen können. Die directe Schuleinwirkung diefer Meifter ift vielleicht nicht fo grofs; defto weiter reichend aber gewifs ihr mittelbarer, richtung beftimmender Einflufs.

Da die Bilder von Knaus und Vautier auf der Weltausftellung zur gröfsten Popularität gelangten, fo braucht diefer Bericht, deffen Aufgabe eine Charak­teriftik der Richtungen, nicht blose Bilderbefchreibung ift, bei ihnen nicht weiter zu verweilen; auch was zur Vergleichung der beiden Leichenbegängniffe im Dorfe" zu bemerken wäre, ift ein bereits erfchöpftes feuilletoniftifches Thema. Sonft theilen fich die Volksmaler zunächst in die Münchener und Düffeldorfer Gruppe. In der erfteren hatte D efregger, der feiner Landsmannfchaft nach ent­fchieden in die öfterreichifche Ausftellung gehört hätte, eine weitaus überragende, völlig felbftftändige Stellung. Seine Welt ift die heimifche Alm und die Tiroler Bauernftube; nur ausnahmsweife begibt er fich mit feinem Preispferd" unter baierifche Bauern. Er ift ein Volksmaler in dem Sinne, in welchem man von Volksfängern in der beften Bedeutung des Wortes fpricht. Das Individualifiren feiner Geftalten ift für ihn kaum eine überlegte künftlerifche Aufgabe, fondern eine ganz natürliche Aeufserung deffen, was von den Eindrücken feiner Heimat in feinem Gemüth und feinem Auge lebt. Er gibt uns die Wahrheit aus erfter Hand; in jeder Bauernftube ſpricht er felbft vor, deren Bewohner er uns im Bilde zeigt; er beobachtet nicht blos diefe kleine, mit dem gefundeſten Blick erfafste Volkswelt, er lebt in ihr und fie in ihm. Während feiner künftlerifchen Wander­jahre blieb fein Blick ftets nach der Heimat geheftet; fremder Stoff und fremde Manier verfing bei ihm nicht. In den Parifer Ateliers wie in der Schule Piloty's eignete er fich eine fichere malerifche Ausdrucksweife für den Inhalt an, der ihn von vornan erfüllte; er lernte da ficher und beftimmt malen, aber nicht coloriftifch experimentiren, was ihm auch feine Bauern malerifch verdorben, die reine über­zeugende Kraft feiner Schilderung und feines Vortrags im Kerne beeinträchtigt. hätte. Defregger ift ein feltenes Beiſpiel dafür, wie man fich die Vortheile moderner Technik aneignen und dabei doch innerlich fchlicht und naiv, im rein­ften Sinne volksmäfsig bleiben kann.

Neben Defregger ift die Tiroler Landsmannfchaft in der Münchner Schule -wenn diefer vage Begriff weiter gelten darf noch durch Mathias Schmidt und Alois Gabl vertreten. Sie haben manche verwandte Züge miteinander gemein, obgleich fie doch wieder durch gewiffe individuelle Eigenthümlichkeiten und Grund­ftimmungen fich voneinander fondern. Schmidt gehört zu den fchneidigen Tirolern; er hat es fcharf auf die Pfaffen, die in den Verftand, den Gemüthsfrieden und wohl auch den Geldbeutel feiner bäuerlichen Landsleute fo manchen ftörenden Eingriff thun. Gegen ein folches polemifches Element im Bilde ift nichts einzuwenden, wenn