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Dr. Jofef Bayer.
nachträglich gemachten Naturftudien in Unteritalien in der Farbe ſehr aufge holfen haben macht das grofse Gemälde durch den Adel der landfchaftlichen Compofition einen durchaus imponirenden, ja hohen Eindruck.
In der Thiermalerei bewährte fich wieder, wie immer feither, die Münchener Kunft. Friedrich Voltz verfteht es ganz befonders, dem„ fchwer hinwandelnden Rind" eine idyllifche Stimmung abzugewinnen und das Thierftück mit der Poefie des landfchaftlichen Eindruckes harmonifch zu vereinen. Seine Viehweide im Herbft" und vielleicht noch mehr ein zweites kleineres Bild,„ Kühe am See", find neue, fchöne Proben feiner uns fchon wohlbekannten Meiſterſchaft. Das mehr dem Genre verwandte Thierftück, gleichfam die erzählende und charakterifirende Behandlung desfelben, war nach der humoriftifchen Seite aufs vorzüglichfte durch ein grofses Schafbild von Otto Gebler vertreten, während das. Thierleben in Situationen der Aufregung von Braith in feiner Heerde, die auf der Alm an einem hochangefchwollenen Bache inne hält, auf grandios- ernfte Weife, von C. Roux in den Schafen, die von preufsifchen Uhlanen in Frank reich hergetrieben werden auf mehr draftifche Art dargestellt ift. Das Hochwild ift zunächst von Guido v. Maffei in München, dann auch Ed. Ockel in Berlin vortrefflich erfafst; dazu kommen dann noch des Berliners C. Steffeck Pferde ftall- Scenen und des Müncheners Benno Adam Parforcehunde.
Das Architekturbild und die Stadtvedute war nicht allzu zahlreich, aber dafür bedeutfam repräfentirt. Carl Gra e b's Intérieur aus dem Dom von Halberstadt( Eigenthum der Nationalgallerie in Berlin) zeigt die Meifterfchaft des Künftlers im günftigften Licht. G. Schönleber's aus München, Strafse in Genua" ift von ernfter und eigenthümlicher Wirkung; die ganz landfchaftlich behandelten Krakauer Veduten königliches Schlofs und Vorftadt von Krakau - von den in München gefchulten Polen W. Malecki find von fehr anfprechender, lichter und ftimmungsvoller Haltung. Louis Mecklenburg's S. Giorgio maggiore in Venedig bei Abendbeleuchtung" braucht man nur einfach zu erwäh nen, um eine alte Bekanntfchaft von fo manchen Kunftausftellungen her in Erinne rung zu bringen.
Die Ereigniffe des Jahres 1870 haben neben dem Kriegsbild auch die Por träts der militärifchen Berühmtheiten in den Vordergrund geftelit. Da wäre zunächft Lenbach's Kaifer Wilhelm, von ebenfo virtuofer Farbe als keck nachläffiger Zeichnung, ein Bismarck und ein Moltke von Otto Heyden in Berlin, dann wieder ein Moltke in feinem Arbeitszimmer zu Verfailles von A. v. Werner. Der vornehme Militär- wohl von königlichem Geblüt- den Profeffor C. Steffeck zu Pferde gemalt, fitzt wahrfcheinlich nur dem Letzteren zulieb im Sattel, da ja Pferde die nächfte Specialität des Künftlers find.
Immer häufiger werden in Deutfchland auch die fogenannten eleganten Porträts, die uns gleichfam die gefellſchaftliche Stellung der Perfon notificiren, den zunächft für eine diftinguirte Aufsenwelt exiftirenden Menfchen zeigen; wie bei Guftav Graef in Berlin( Porträt des Minifterpräfidenten Grafen von Roon, ferner zwei vornehme Damenbildniffe); Ernft Hildebrand in Berlin( drei Damenporträts); Profeffor A. Weber ebendafelbft( ein Frauenbildnifs) u. f. w. Profeffor Julius Schrader erfreute uns durch einige fein charakterifirte Bildniffe grofser Gelehrten, in deren Zügen wir zunächft die tief gezogenen Spuren der Gedankenarbeit, weniger die äufseren Beziehungen der Repräsentation fanden; er ftellte ein Porträt Humboldt's, dann zwei weitere von Profeffor A. Wolf und Ranke aus, neben denen fein Moltke auch faft wie ein Kriegsgelehrter, was er denn auch it, ausfah. Die bezeichnenden, gut individualifirten Porträts von Profeffor Fr. Reiff in Aachen.verdienen gleichfalls eine ehrenvolle Nennung. A. Hörter in Carlsruhe brachte ein treffliches Bildnifs von Ed. Devrient; Charles Verlat ein belgifch archaifirendes von Profeffor Preller. Neben den fchärfer gefafsten Porträts felbftſtändiger und bedeutender Perfönlichkeiten, die fich ihren Charakterkopf durch ihre Gedankenarbeit oder praktiſche Thätigkeit felbft ausgearbeitet haben,