Die Malerei.
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und allgemeine Stimmung. Wenn unfere perfönliche Bekanntfchaft mit den Dorffchulzen, den Grofs- und Kleinbauern der Bretagne und Normandie auch nie fo eingehend und intim wird, wie mit den Bauern unferes Schwarzwaldes oder der oberbaierifchen und Tiroler Alpenthäler, fo empfangen wir dort doch auch den vollen Eindruck der ländlichen Exiftenz und fühlen uns durch fie geftimmt und bald freundlich, bald ernft angemuthet, felbft wenn wir uns nicht veranlafst fühlen, jedem Einzelnen diefer biederen Landleute fo fcharf ins Geficht zu fehen. Neben dem porträtirten und haarklein erzählten Bauernleben in unferen deutfchen Bildern hat jene Schilderung desfelben im Allgemeineren gleichfalls ihre Berechtigung. Wir hatten Gelegenheit, die beiden bedeutendften Meifter des bäuerlichen Sittenbildes auf der Weltausftellung nebeneinander zu fehen: Jean François Millet und Jules Adolphe Breton. Von dem Erfteren war fein ,, Sämann" ausgeftellt und jenes merkwürdige Bild, welches das ländliche Genre ins PhantaftifchTragifche hinüberführt und von der Ausstellung 1859 einftmals zurückgewiefen worden war:„ Der Tod und der Holzhacker." Der Letztere brachte aufser den längftbekannten Bildern, Die Segnung der Felder" und„ Die Einberufung der Aehrenleferinen" aus der Sammlung im Luxembourg, zwei vorzügliche Gemälde, die fich im Privatbefitz befinden:„ Die Freundinen"( Nr. 87) und die„ Brunnenfcene"( Nr. 89). Millet ift herber und fchroffer als Breton; obgleich Naturalift, hat er einen gewiffen Stil in der Art, die Form breit und feft zu umfchreiben, das Colorit auf wenige entfchieden hingefetzte Töne zu befchränken, die aber doch die volle Wirkung der Naturwahrheit wiedergeben. Es ift ein rüftiger Bauernftil in der Malerei, den er fich gefchaffen, feinem Gegenftande und feiner Auffaffung des Landlebens durchaus gemäfs, derb und markig, ohne doch niedrig zu werden; und fowie der Landmann während feiner fchweren Arbeit nicht leicht ein überflüffiges Wort verliert, fo ift auch die Pinfelführung Millet's zufammengefasst, ernft und fchweigfam, ohne alle Farbenplauderei. Er fchildert den Bauerncharakter, wie er in feiner Befchäftigung aufgeht, meift freudlos, ernft und verfchloffen; fo ift fein Sämann", der diefsmal ausgeftellt war, fo auch feine anderen zum Theil wohl bedeutenderen Bilder, die fich in Frankreich befinden: die, Heubinder", die ,, Schnitter beim Mittagsmahl", der Bauer, der ein Bäumchen gepfropft hat oder auf feine Hacke geftützt ausruht u. dgl. Breton ift farbenfreudiger als Millet; fein Auge ift heller und hält weitere Umfchau, fein Horizont, auch in buchstäblich malerifchem Sinne genommen, ift gröfser. Man athmet bei ihm den Hauch der Flur und des Getreidefeldes ein und fieht die blauen Kornblumen zwifchen den Halmen hervorleuchten. Er ift fo recht ein Maler der Feldarbeit, der Mühen um die Ernte und des heifsverdienten Segens, den fie den Landleuten bringt. Die Mädchengeftalten überwiegen bei feinen Darftellungen des bäuerlichen Lebens, fie bringen einen mildernden, anmuthenden Zug in die Schilderung der ländlichen Arbeit. Die Tageszeiten derfelben weifs er im Einklang der Naturftimmung vortrefflich zu fchildern, und wenn man bei Millet zunächft an die harte Plackerei des Bauernftandes gemahnt wird, fo fühlt man bei Breton fo recht mit, was denn auch ein ländlicher Feierabend nach den Mühen des Tages bedeutet. Seine„ Aehrenleferinen", die beim einbrechenden Abend zur Heimkehr gerufen werden, find ein Mufterbild diefer Art. Ich erinnere hier an ein treffendes Wort aus Julius Mayer's Gefchichte der modernen franzöfifchen Malerei, das nicht nur diefs Bild, fondern die Auffaffungsweife Breton's überhaupt kennzeichnet:" Was über diefe harte Realität einen poetifchen Hauch und Schimmer ausgiefst," das ift die feine über das ganze Bild gleichmässig ausgebreitete Lichtftimmung. Darin ift Breton Meifter. Er weifs die Landfchaft wie die Menfchen in das feelenvolle Element des Tons, hier in die fanfte dämmerige Stimmung des fpäten Abends hereinzunehmen und doch den Figuren Deutlichkeit der Formen und die Klarheit der Localfarbe zu laffen." Derfelbe Vorzug tritt bei dem neueſten der Bilder Breton's, den beiden lebensgrofsen Mädchen am Brunnen" hervor. Ein mildes Helldunkel bei klarem Luftton webt
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