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Bildende Kunst der Gegenwart : (Gruppe XXV) ; Bericht / von Josef Bayer und Josef Langl
Entstehung
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Die Malerei.

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zum Elfafs. Es iſt eine mehr dumpfe, befangene Exiftenz, ein eingefchränktes, abgefchiedenes Bauernleben gegenüber dem freieren Wefen, den offenen Stirnen und hellen Augen, die uns im Elfafs, in der Wirklichkeit fowohl, als im Bilde, entgentreten. Eugen Leroux ift( fo wie Fortin) in der Häuslichkeit der dürfti­gen bretonifchen Hütten heimifch und weifs uns das Stück Leben, das fich da in engftem Raume abfpielt, malerifch anfchaulich zu machen. Sein Bild ,, Vor der Beerdigung"( Nr. 445) im Innern eines Haufes in der Bretagne zeigt uns die Ausstellung der Leiche eines breton'fchen Bauern. Es hat die richtige Stimmung des Momentes und jenen brütenden Zug der Trauer, der fich freilich nicht zu der ergreifenden Kraft der Bauernbegräbniffe von Knaus und Vautier erhebt. Einen gelegentlichen Blick in die Bretagne läfst uns auch Charles Giraud thun; in den Bildern: Die Rückkehr vom Markte"( Nr. 289) und Fifcherin von der Küfte der Bretagne"( Nr. 290). Nicolas Berthon ift wieder der Maler des Landvolkes aus der Auvergne und beobachtet diefe kleine locale Welt mit fcharfem, realiſti­fchem Blicke. Sein, Tanz aus der Auvergne"( Nr. 47), das frifchbelebte Bild Die Barbierin von Chatel Guyon"( Nr. 50) und noch zwei andere Localbilder diefer Art( Nr. 48 und 49) zeugen ebenfo von feiner grofsen malerifchen Begabung, wie von feinen realiftifchen Neigungen. Alexander Collette gehört mit feinen, Erd­arbeitern"( Nr. 145), der favoyifchen Bäuerin"( Nr. 146) und einer andern von Cernay la Ville( Nr. 147) der vollſtändigen Aufzählung wegen auch in diefe Gruppe.

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Die Schlachtenmaler haben fich diefsmal von der franzöfifchen Aus­ftellung fern gehalten, und zwar aus begreiflichen Gründen, die in der Stimmung der Zeit liegen. Die Erinnerungen an den Krieg von 1870 tauchten hie und da, aber ziemlich kleinlaut auf. Nur die Kriegsepifode, das militärifche Genrebild fanden wir vertreten; von der Hauptfache, den Angriffsactionen und den Schlach­ten felbft brachten die Bilder keine Kunde. Alexander Protais, ein genialer Vertreter des Soldatenbildes, ftellte fich wohl auch diefsmal ein. Er führt uns mit Vorliebe den Krieger als Individuum, nicht als Maffe vor. Das tragifche Einzelgefchick auf dem Schlachtfelde intereffirt ihn; er weifs es ergreifend zu fchildern und in feinen meiftens tiefen Localfarben in der entsprechenden düftern Tonart zu ftimmen. Auf jenem Bilde( Nr. 540), welches kurzweg nach der ver­hängnifsvollen Jahreszahl 1870" benannt ift, ift es auch wieder der einzelne Soldat, auf den er den Blick des Befchauers lenkt aber feine Darftellung hat hier eine weitere tragifche Perfpective. Auf dem todesöden, mit Leichen bedeck­ten Felde fehen wir einen verwundeten Soldaten, der fich fpähend erhebt, ob er die Fahne in Sicherheit bringen könne, die er feinem gefallenen Cameraden ab­genommen. Im Hintergrunde zuckt ein Feuerfchein auf über das Bild breitet fich wie ein Trauerflor eine tiefe, fchmerzvolle Stimmung aus. Ganz objectiv gefafst ift der ,, Kanonenfchufs"( Nr. 39) von Et. Berne- Bellecour, ein Bild, das mit Recht in der Ausstellung fehr populär wurde. Die Situation ift mit einem fo fcharfen Beobachtungstalent fixirt und wiedergegeben, die Typen der Officiere und der Mannfchaft, die fich über die Böfchung lehnen, um die Wirkung des Schuffes zu verfolgen, find von fo überzeugender Charakteriſtik, dafs das meiſter­liche Bild, wie alles Wahre in der Kunft, fofort feffelt und dauernd intereffirt. Ein vorzügliches Epifodenbild aus dem Kriegsleben ift auch Die internationale Ambulance im Schneegeftöber" von Ed. Caftres( Nr. 120); die Figuren aber­mals fehr bezeichnend, das Ganze in die Naturftimmung der Winterlandfchaft trefflich mit hineingenommen. Der fonft friedliche Elfaffer Genremaler Guftave Jundt gerieth einmal durch den Krieg auch in den tendentiöfen Militarismus hinein. Er zeigt uns internirte Soldaten, wie fie unter dem Rufe, Vive la France!" die Schweiz verlaffen( Nr. 378). Der Mobilifirte( Nr. 528) von Léon Perault gehört ebenfalls unter die gemalten Reminifcenzen von 1870. Das hiftorifche Kriegsgenre, das in vergangene Zeiten zurückreicht, war mehrfach und glücklich vertreten; fo in einer Scene aus dem dreifsigjährigen Kriege von Lucien Gros

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