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Anton Steinhaufer.
fchaftliches geographifches Mufeum errichten, das nicht blofs den Schülern aller Anftalten, fondern auch den blofsen Dilettanten der Wiffenfchaft, felbft dem Fachgelehrten, reichlichften Stoff zur Belehrung bieten könnte. Ein folches Mufeum ift nicht als eine fchöne Phantafie zu betrachten, deren Verwirklichung aufser dem Bereiche des menfchlichen Wollens liegt, es kann jede Stunde gegründet werden, fobald das Verftändnifs der Nützlichkeit und Zweckmäfsigkeit eines folchen Unternehmens in die leitenden Körperfchaften gedrungen ift, und zum Willen fich die Thatkraft findet.
II. Geographifche Lehrmittel für die Mittelfchulen.
In den Mittelfchulen wiederholt und erweitert fich der geographifche Unterricht, in Folge davon wachfen auch die Unterrichtsmittel an Qualität und Quantität. Wenn in der Volksfchule aufser der Heimatkarte ein halbes Dutzend Wandkarten und ein Schulatlas von doppelt fo viel Blättern ausreichte, plaftifche Karten nur zur Erklärung der Bergzeichnung und als Mufter in Anwendung kamen, der Globus nur als Ueberficht der Land- und Waffermaffen u. f. w., fo treten nun Wand- und Schulkarten in gröfserer Zahl und mit reicherem Detail auf, Schichtenkarten und plaftifche Karten als hypfometrifches Materiale, der Globus zur Löfung mathematifcher Aufgaben. Viele der bei der Volksfchule erwähnten kartographifchen Unterrichtsmittel find auch in den unteren Claffen dei Mittelfchulen noch zu brauchen; um zu viele Wiederholungen zu vermeiden, werden nur jene, in der Weltausftellung befindlich gewefenen Hilfsmittel vorzugsweife erwähnt werden, welche durch Umfang und Inhalt entfchieden für die Mittelfchulen fich eignen.
Im Bereiche der reicher ausgeftatteten Hand- und Wandkarten( kleineren und gröfseren Umfanges) fand man in der Ausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums drei Karten öfterreichifcher Kronländer( Böhmen 2 Blätter, Mähren, Oefterreich mit Salzburg 2 Blätter), redigirt von A. Steinhaufer( Wien bei Artaria 1870-1872), mit Nebenkarten( Umgebung von Prag und Brünn) im Mafse von 1: 432.000 der Natur und die Karte von Europa von Oberft Ritter v. Scheda( Neue Ausgabe. Wien bei Artaria, 25 Blätter, im Mafse 1: 2,000.000 der Natur), die, in Farbendruck ausgeführt, fich zu einer detaillirten orohydrographi fchen Karte umgeftalten läfst. Die Ausftellung des deutfchen Reiches zierten: H. Kiepert's Wandkarten von Europa( 9 Blätter, Berlin bei D. Reimer 1873 in I: 3,000.000), von Rufsland( 6 Blätter 2. Auflage 1873) und von der europäiſchen Türkei( 4 Blätter, 2. Ausgabe 1872).*
Eine zweite Wandkarte der Türkei in 18 Blättern von Handtke( Glogau bei Flemming) lag ebenfalls auf. Ungern vermifste man die fleifsig bearbeitete Wandkarte des deutfchen Reiches von Ravenftein( Hildburghaufen, bibliographifches Inftitut), die auch Weftöfterreich umfafst.
Zu den Wandkarten kann man auch jene vortrefflichen Karten rechnen, die fich aus Blättern des Stieler'fchen Atlanten zufammenfetzen laffen, als: die Karte von Spanien von C. Vogel( 4 Blätter), die Karte der Vereinigten Staaten von Nordamerika von A. Petermann( 6 Blätter), die von H. Berghaus überarbeitete Mayer'fche Karte der Alpen( 8 Blätter). Ebenfo jene aus 8 Blättern beftehende Karte von Auftralien von A. Petermann aus den geographifchen Mittheilungen. Zur Claffe der Wandkarten gehört auch die noch unübertroffene Chart of the World von H. Berghaus( 8 Blätter Gotha bei J. Perthes), die fchon in 6. Ausgabe
*) Mit Zugrundelegung diefer Karte und mit Benützung der Aufnahmen von Preffel und anderer Materialien ift die grofse Generalkarte der Türkei im Mafse von 1: 400.000 der Natur hervorgegangen, die unter der Leitung des Generalconfuls R. v. Schwegel auf Koften des Baron Hirfch von Gereuth von Hauptmann Stuchlik und Oberlieutenant Moretti gezeichnet wurde. Die Namen der Länder, Meere und andere Hauptnamen find von Ali Efendi in türkischer Schönfchrift neben beigefetzt