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Armand Freiherr von Dumreicher.
nannten Schule zeigten fo ziemlich denfelben vorwiegend naturaliftifchen Charakter, welcher nördlich der Alpen in der Holzfchnitzerei, infoferne fie nicht der Kunftfchreinerei dient, noch überall hervortritt.
Diefe Thatfache erwies auch die Expofition einer anderen baierifchen Schule, welche nicht im deutfchen Unterrichtspavillon, fondern in der Hauptgallerie des Induſtriepalaftes eine bedeutende Menge von Schülerarbeiten auf demfelben Tifche mit den Waaren einiger Metallartikel- Fabrikanten nicht eben leicht auffindbar ausgebreitet hatte. Es war diefs die Schnitzfchule zu Werdenfels im Bezirke Partenkirchen. Die Technik in den Arbeiten diefer Schule zeigte fich als eine ganz gut ausgebildete und einigen Thierftücken mufste grofse Lebenswahrheit nachgerühmt werden; aber alle Freude an dem täufchenden Spiele diefer Lebenswahrheit und an der Sicherheit und Sauberkeit jener Technik konnte mit dem platten Naturalismus nicht verföhnen, der die Erzeugniffe einer fchrankenlofen und doch ideenarmen Phantafie beherrfchte. Eine läuternde Einwirkung auf den Unterricht an diefen kleinen Schnitzfchulen würde den beiden Kunftgewerbe- Schulen Baierns gar wohl anftehen und ihre mannigfachen Verdienfte um ein Neues und wahrlich nicht Geringftes vermehren.
Die Münchner königlich baierifche Kunft gewerbe- Schule hatte auf der Wiener Weltausftellung fich nicht ganz glücklich vertreten laffen. Eine hohe, grell und plump decorirte Wand bildete den unruhigen Hintergrund des von den Arbeiten der genannten Schule occupirten Tifches. Schlimm genug, dafs diefe Arbeiten, ftatt unbefangene Beobachter zu finden, vorerft die ungünftige Meinung widerlegen mufsten, welche die rothen und gelben Felder der Wandflächen von dem Farbenfinne und die neben plaftifch hervortretende Gypspilafter in falfcher Stellung gemalten Confolen von den architektonifchen Begriffen und der Conftructionsmethode der Schulleiter bei jedem gebildeten Befchauer erzeugen mochten.
Da genauere Angaben bei den Schülerarbeiten fehlten, war leider ein Einblick in den, den einzelnen Schüler betreffenden Unterrichtsgang ausgefchloffen. Solche Vernachläffigung fchädigt die Ausftellung einer wirklich tüchtigen Lehranftalt, da manche fchöne Leiftung eines Schülers erft dann in ihrem vollen Werthe gewürdigt werden kann, wenn man die Dauer der Unterrichtszeit kennt, innerhalb welcher folche Leiftungsfähigkeit erzielt wurde. Der an der Anſtalt im Allgemeinen eingehaltene Lehrgang war jedoch durch die Anordnung der Arbeiten veranfchaulicht. Diefe ausgeftellten Arbeiten beftanden aufser den bereits erwähnten fchweren und roh behandelten Wandmalereien in Gypsmodellen, Schnitzwerken, Cifelirarbeiten, Zeichnungen und Flachornamenten. Die Mehrzahl der in Gyps ausgeführten Objecte waren gut gemacht, alle ftilifirt und von befriedigendem Gefchmacke. Unter den Holzfchnitzereien fanden fich einige treffliche Sachen; fo ein hübfches Wandfchränkchen, zwei in ebenmässigen Verhältniffen aufserordentlich graziös aufgebaute Candelaber und mehrere kleinere Geräthe mit befcheiden angewandter Polychromie. Alle diefe Gegenftände gehörten dem beften Renaiffanceftile an, einige, namentlich die hölzernen, braunen Candelaber machten den Eindruck edler Vornehmheit. Ein Urtheil über den vollen Werth diefer Ausftellungsobjecte läfst fich leider nicht fällen, da nicht zu erfehen war, ob diefelben von den Schülern nach ihren eigenen Entwürfen ausgeführt worden. Guter Gefchmack und gewandte Technik müffen ferner auch den Metallarbeiten und der überwiegenden Zahl der in mehreren Mappen enthaltenen Zeichnungen nachgerühmt werden. Der griechifche, römifche und Renaiffanceftil theilten fich in diefen in die Herrfchaft.
Eine ähnliche Richtung verfolgten die von der Münchner HandwerkerFortbildungsfchule ausgeftellten technifchen Linear- und kunftgewerblichen Zeichnungen, Cifelirarbeiten und Wachsboffirungen. Diefe kunftinduftriellen Arbeiten legten trotz des Mangels an Leichtigkeit in der Behandlung des Ornamentes doch im Ganzen von den in München in den Kunstgewerben empor