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Das gewerbliche Unterrichtswesen : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von Armand von Dumreicher
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Armand Freiherr von Dumreicher.

paares, dem Reichs-, dem böhmifchen Landes- und dem Afcher Stadtwappen aus­geftellt hatte.

Was fonft von diefer wie von den Schulen in Rochlitz in Böhmen, in Zwittau in Mähren und von den Lehr- Werkstätten in Auffig und in Lands­kron in Böhmen eingefendet worden war, blieb innerhalb der Grenzen anftändiger Mittelmäfsigkeit.

Die Fachfchule der Pofamentirergen offenfchaft in Wien, im Jahre 1870 eröffnet und vom k. k. Handelsminifterium, wie auch alle vorge­nannten Inftitute, fubventionirt, hatte das Modell eines Pofamentir- Handftuhles mit Wellen, ein Gimpenrad, ein Gold- Spinnrad, ferner praktifche Schülerarbeiten und Zeichnungen ausgeftellt. Die letzteren, forgfältig ausgeführten Arbeiten hielten fich fo ziemlich auf der Höhe, welche das Pofamentirgewerbe gegenwärtig in Wien einnimmt.

Auszeichnende Hervorhebung verdient die mit Subvention des Handelsmini fteriums erft feit Beginn des Jahres 1872 beftehende Zeichen und Webe­fchule in Rumburg. Die Ausftellung diefer Schule fiel unter allen Concur rentinen durch mufterhafte, den Lehrgang offen darlegende Arbeiten auf. Diefe Arbeiten umfafsten den gefammten Zeichenunterricht. Tüchtige Linearzeich­nungen, gut gewählte Ornamente nach Herdle's Vorlagewerk, endlich reiche farbige Compofitionen von ftrenger Stilrichtung füllten die Mappen und bedeckten die Wandfläche. Eine ebenfo gefchmackvolle, als ftilgerechte, fich dem Motiv entfprechend entwickelnde Zeichnung überrafchte nicht minder in der angenehm­ften Weife als das feine Gefühl für Farbe, welches fich in den als Schülerarbeiten bezeichneten Entwürfen ausfprach. Merkwürdig genug war diefer Leiftungen, welche zu den beften ihrer Art gehörten, im Kataloge gar keine Erwähnung gethan worden.

Wenn man die Ausftellung der öfterreichifchen Webe- Lehranftalten im Ganzen überblickte und die Jugend der Mehrzahl diefer Inftitute in Anfchlag brachte, fo durfte das Gefammturtheil immerhin weit günftiger ausfallen, als der vielen Einzelheiten gegenüber unvermeidliche Tadel zuzulaffen fcheint.

Fachschulen für Bau- und mechanifche Gewerbe.

Oefterreich befafs bisher nur wenige Schulen für die Bau- und mechanifchen Gewerbe. Die k. k. Bau- und Mafchinen- Gewerbefchule in Wien, die Fachcurfe an den Gewerbefchulen in Prag und Graz, die Baugewerkfchule von F. Märtens in Wien, endlich die mechanifchen Lehr- Werkstätten in Klagenfurt und Graz( an der Aka demie für Handel und Induftrie) waren bis vor Kurzem die einzigen Anftalten ihrer Art auf öfterreichifchem Boden. Seit dem Herbfte des Jahres 1873 find die vom Unter­richtsminifterium errichteten Gewerbefchulen in Brünn und Czernowitz hinzuge­kommen. Demnächft wird von dem genannten Minifterium eine Gewerbefchule für bauliche, mechanifche und chemifche Induftrie in Bielitz- Biala eröffnet werden; der Landesausfchufs von Niederöfterreich hat mit dem Winterfemefter 1873 eine Fachschule für Mafchinenwefen in Wiener- Neuftadt ins Leben gerufen. Eine Reihe anderer Lehranstalten gleicher Richtung foll nach der Abficht der Regierung in allen hervorragenden Induftrieplätzen der Monarchie fucceffive gegründet werden. Die in Rede ftehende Art von Schulen gehört in den Reffort des k. k. Minifteriums für Cultus und Unterricht.

In der vom k. k. Handelsminifterium veranſtalteten Expofition waren defs­halb nur die mechanifche Lehr- Werkstätte in Klagenfurt und die Märtens'fche Bau­gewerkschule in Wien durch Ausftellungsobjecte vertreten, da blofs diefe Anftalten von der bezeichneten Centralftelle Subventionen beziehen.

Die Märtens'fche

Schule hatte fich aufserdem auch an der Collectivausftellung des Unterrichtsmini­fteriums betheiligt.

Die von Fridrich Märtens im Jahre 1864 in Wien errichtete, vom Unter­richts- und Handelsminifterium, von der Stadtgemeinde Wien und dem Lande