Das gewerbliche Unterrichtswefen.
39
Werkstätte machte überhaupt im Ganzen unter den Expofitionen der gleichartigen Schulen bei Weitem den beften Eindruck.
Eine aufserordentliche Gewandtheit der Technik zeichnete die von der Lehr- Werkftätte Sebaftian Steiner's in Innsbruck ausgeftellten Arbeiten aus. Zwar find die von Steiner mit Vorliebe gepflegten Reliefbilder in Holz, welche übrigens im Handel hohe Preife erzielen, künftlerifch ganz verfehlt, die Mache an denfelben aber verdient unbedingtes Lob. Namentlich der von Alphons Walcher gefchnitzte Zitherſpieler in einer Tiroler Bauernftube mufs aus folchem Gefichtspunkte als gefchickt angefertigtes Kunftftück hervorgehoben werden. Einige Figuren, wie Andreas Hofer, Kaifer Max I., waren nach den in Innsbruck befindlichen Originalen vortrefflich ausgeführt. Die Thierftücke und ornamentalen Objecte wichen in keiner Weife von der hergebrachten naturaliftifchen Manier ab. Allen Arbeiten aber fah man den Einflufs an, welchen ein erfahrener und hochbegabter Bildfchnitzer auf diefelben genommen hatte. Die Leiftungsfähigkeit diefes Leiters der Innsbrucker Lehr- Werkstätte wurde durch eine im Induftriepalafte ausgeftellte Schnitzerei nach einem der berühmten M. Colin'fchen Marmorreliefs vom Grabdenkmale Kaifer Maximilians glänzend dargethan. In falfcher Kunftrichtung mit vollendeterer Technik zu arbeiten, fchien kaum mehr möglich.
Die Holzfchnitzerei- Schule in St. Ulrich im Grödener Thale hatte Thiergeftalten, Crucifixe, Bilderrahmen und dergl. zur Ausstellung gebracht. Die Körperformen eines gekreuzigten Heilandes waren anatomifch richtig dargestellt, einige Thiere nicht ohne Lebenswahrheit ausgeführt, die ornamentalen Arbeiten wiefen dagegen eine Gefchmacksrichtung auf, unter deren Herrfchaft diefer Induftrie eine bedeutendere Zukunft niemals erblühen kann.
Da die Fachfchule für Holzinduftrie zu Tachau in Böhmen erft am 1. Jänner 1873 eröffnet worden war, konnte fie wohl auf der Ausftellung mit hervorragenden Unterrichtsrefultaten unmöglich glänzen. Die ausgeftellten ornamentalen und Blumenzeichnungen, wie auch einige Modelle von Holzverbindungen waren übrigens ganz anftändige Leiftungen.
Die zur felben Zeit wie die vorige eröffnete Schule zu Wallern in Böhmen hatte fich auffallend ftark an der Ausftellung betheiligt. Leider ftärker als ihrem erft zu begründenden Rufe nützlich fein konnte. Denn während man die Zeichnungen im Ganzen und Grofsen gelten laffen durfte, konnte eine gleiche Duldung den ausgeführten Arbeiten gegenüber kaum geübt werden. Befondere Erfolge darf man von einer fo jungen Schöpfung allerdings nicht fordern, die Tendenz zum Richtigen und Guten jedoch kann bemerkbar fein. Und leider war folche Tendenz durchaus zu vermiffen. Eine ganze Reihe von Zeichnungen und Arbeiten in Holz wies das fonderbare Motiv eines verlotterten Bretterzaunes, in welchen ein Loch zur Aufbewahrung der Uhr oder von dergleichen eingefchnitten war, auf. Drei Stück halbaufgefchlitzter Maiskolben(?) konnten aufgeklappt werden, und überraschten dann durch ein in ihnen verborgenes Tintenzeug. Geflochtene Körbe, fteif in Holz gefchnitzt, follten als Behälter für allerlei kleine Gegenftände dienen kurz, ein erfindungsarmer Naturalismus vernichtete mit feiner ganzen gemeinen Plumpheit jeden Reiz in diefen kläglichften Ausgeburten moderner Holzplaftik.
Von Gmünd in Kärnten wie von Mondfee und Hallftadt im Salzkammergute waren nur unbedeutende elementare Zeichnungen ausgeftellt. Die erftgenannte Schule, welche auch einige wenige, fchwierigere Schülerarbeiten exponirt hatte, machte es durch Unterlaffung aller Nachweifungen unmöglich, über den Gang des Unterrichtes zu urtheilen.
Fachfchulen für Frauenerwerb.
Während die Agitation in der fogenannten Frauenfrage in Nordamerika. und England eine vorwiegend politifche und in Frankreich eine revolutionär