Der Blinden- und Taubftummen- Unterricht.
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Spiele und Turnen der Blinden.
Der Blinde durch fein Schickfal fehr zur Schwermuth geneigt und in feinen Bewegungen aus Furcht mehr oder weniger unbehilflich, bedarf um fo mehr jener künftlichen Mittel, welche Gefundheitspflege und Erziehung dem erfahrenen Lehrer bieten, um die angeborne Scheu, Angft und Traurigkeit feiner Schüler zu verfcheuchen.
Spiele und Turnen nebft Arbeit, Mufik, Vorlefungen und Spaziergängen find hier geeignete Mittel zur Erreichung diefes Zweckes.
Wenn fchon aus verfchiedenen Gründen es wünfchenswerth ift, dafs jede Schule ihren Garten haben foll, fo ift derfelbe ganz gewifs für Blindenfchulen ein unabweisbares Bedürfnifs.
Ein kleines Plätzchen, das den Blinden überlaffen wird, wird von ihnen, fowohl von Knaben als Mädchen, forgfältig bearbeitet und bebaut, und wenn die jungen Pflänzchen aus der Erde fpriefsen, dann werden fie mit grofser Freude Tag für Tag mit aller Sorgfalt betaftet, begoffen und gepflegt. So wird nebft dem Vergnügen zugleich Liebe zur Natur in das Herz der unglücklichen Blinden gepflanzt.
Aber der Garten ift ihnen auch der Ort der Erholung. Hier wandeln fie einzeln oder zufammen herum, meffen mit ihren Schritten jeden Weg ab, kennen genau jedes Plätzchen, auf dem etwas fteht, gehen auf jeden etwa Entgegenkommenden horchend unbehindert ihres Weges, und gewinnen allmälig in ihrer Haltung und Bewegung eine Sicherheit, wie fie den Sehenden eigen ift.
Der Garten enthält aber auch abgefondert für Knaben und Mädchen die nöthigen Spielplätze, für die Knaben auch eine Kegelbahn, eine Schaukel u. f. f. Ebenfo wird im Garten der Sommer- Turnplatz eingerichtet.
Auch im Winter, wenn es die Witterung geftattet, wird der Garten zu Spaziergängen benützt. Im Zimmer unterhalten fich die Zöglinge mit Domino, mit Würfelfpiel( die Augen find natürlich fühlbar angebracht), mit Damenziehen und felbft mit Schachfpiel und noch anderen Spielen, die im Zimmer ausgeführt werden können. Wir fahen auch Damenbret, Domino und Schachfpiel ausgeftellt.
Jene, welche gerade an dem Spiele nicht theilnehmen, unterhalten fich mit Lefen, Schreiben, Rechnen oder mit irgend einer Arbeit oder mit Mufik.
So gehen den Blinden die freien Stunden in Luft und Freude hin. Unter den Ausftellungsgegenständen des Wiener Blindeninftitutes befand fich auch unter Glas und Rahmen von dem Turnlehrer diefer Anftalt Herrn Franz Woftry eine Darftellung fämmtlicher Turngeräthe des Inftitutes gezeichnet.
Der Blindenlehrer- Congreſs
in Wien.
Bei der Entfernung der einzelnen Blindeninftitute von einander ift die Verftändigung des Unterrichtsperfonales eine fehr fchwierige oder faft unmögliche. Um einen einheitlichen Vorgang, einen Austaufch der Anfichten und Erfahrungen in das Blinden Unterrichtswefen zu bringen, erging durch die Herren Paul Hübner und E. Kaltner fchon im Jahre 1870 bei Gelegenheit der neunzehnten allgemeinen deutfchen Lehrerverfammlung in Wien eine Einladung an die Blindenund Taubftummen- Lehrer zu einer Verfammlung. Diefe wurde damals unter dem Vorfitze Kaltner's im k. k. akademifchen Gymnafium in Wien abgehalten, und der Befchlufs gefafst, dahin zu wirken, dafs baldmöglichft ein allgemeiner Congreſs von Blinden- und Taubftummen- Lehrern zufammentrete.