Dokument 
Landwirthschaftliche Lehre und Forschung : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von C. Theodor von Gohren, Director der landwirth. Lehranst. "Francisco Josephinum" in Mödling bei Wien
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen

44

Dr. C. Theodor von Gohren.

Erläffe des Minifters über die Organiſation und alle weiteren Beftimmungen datiren vom 31. Juli 1868.

Von landwirthfchaftlichen Verfuchsftationen ift die nach deutfchem Mufter in Nancy von Dr. Grandeau eingerichtete zu nennen.

Von Firmen, welche landwirthfchaftliche Lehrmittel ausftellten, waren ver­treten die Buchhandlungen von Hachette& Comp. und Ducrogu in Paris. Recht inftructiv und dabei fehr gefchmackvoll waren die von Deyrolle Sohn in Paris exponirten 19 Tabellen für den Anfangsunterricht in den Naturwiffen­fchaften. Erwähnt fei fchliefslich noch die Sammlung von Ackerbau Werk­zeugen für Landfchulen von Didelot in Nancy, die trefflichen Mikrofkope von Nachet und die ausgezeichnete Collection meteorologifcher Inftrumente der Infpection générale des ftations météorologiques de France.

Spanien.

Spaniens landwirthschaftliche Lehranftalten waren vertreten durch die Escuela general de agricultura in La Monclava bei Madrid, welche diverfe landwirthfchaftliche Producte, Seide, Wolle und zum Oel- und Weinbau gehörige Inftrumente, dann durch die Granja escuela de la provincia de Gerone, welche Getreide und Leguminofen; das Inftituto agricola Catalan de S. Ifidro, welches eine Collection von Holzarten, das Inftituto Agricola zu Barcelona, welches feine feit 20 Jahren erfcheinende Revue und die Escuela veterinaria zu Cor­doba, welche ein anatomifches Präparat ausgeftellt hatte.

Belgien.

Der landwirthschaftliche Unterricht wurde definitiv organifirt durch ein Gefetz vom 18. Juli 1860. Er umfafst: eine Thierarznei- Schule, ein landwirth­fchaftliches Inftitut, zwei Gartenfchulen und öffentliche Conferenzen. Das königliche belgifche Minifterium des Innern, zu deffen Reffort diefe Inftitu­tionen gehören, hatte die Berichte und Statuten vorgenannter Anftalten, denen die Pläne von Gembloux und Vilvorde beigegeben waren, auf der Weltausftel­lung exponirt und nur dadurch war Belgiens landwirthschaftlicher Unterricht ver­

treten.

Die Staats- Thierarzneifchule wurde von einer Anzahl von Veterinär­ärzten gegründet, im Jahre 1835 vom Staate übernommen und 1836 nach Cureghem übertragen. 1860 wurde die Schule reorganifirt. Der Unterricht umfafst: Phyfik, Chemie, Botanik, befchreibende und vergleichende Anatomie der landwirthschaft­lichen Hausthiere, allgemeine Anatomie, Phyfiologie, Arzneimittel- Lehre, Phar­makologie, allgemeine Therapeutik, allgemeine Pathologie, pathologiſche Ana­tomie, fpecielle Pathologie und Therapie, chirurgifche Pathologie, Zootechnik, Gefundheitspolizei, gerichtliche Medicin, Pferdezucht, Operationslehre, Geburts­hilfe, Klinik. Der Unterricht ift theoretifch und praktiſch und dauert 4 Jahre. Kein Eleve darf öfter als zweimal einen Jahrgang wiederholen, auch darf keiner länger als fechs Jahre die Schule frequentiren. Um zu dem dritten oder vier­jährigen Curfe zugelaffen zu werden, mufs man den Grad eines Veterinärcandi­daten" erlangt haben. Die Zahl der Eleven belief fich 1872 bis 1873 auf 84. Nur jene Veterinärärzte, welche ein Diplom erlangt haben, dürfen in Belgien practi­ciren und nur Veterinärcandidaten werden zur Diplomprüfung zugelaffen. Die Prüfungscommiffion wird vom König ernannt und theilt fich in zwei Sectionen, die eine für die Candidatur- und die andere für die Arztprüfung.

-

Das landwirthfchaftliche Staatsinftitut wurde 1860 zu Gem­bloux errichtet. Die Lage Gembloux's ift eine fehr günftige, inmitten der aus­gedehnten Culturen Belgiens, nicht weit von Brüffel und Namur, verbunden durch Eifenbahnen mit allen Theilen des Landes. Die Anlage ift eine ausgedehnte,