Dokument 
Landwirthschaftliche Lehre und Forschung : (Gruppe XXVI, Section 4) ; Bericht / von C. Theodor von Gohren, Director der landwirth. Lehranst. "Francisco Josephinum" in Mödling bei Wien
Entstehung
Seite
47
Einzelbild herunterladen

Landwirthfchaftliche Lehre und Forfchung.

47

und vier vom König ernannten Mitgliedern. Der theoretifche Unterricht umfafst: unorganifche, organifche, technifche und Agriculturchemie, Geologie und Mine­ralogie, Anatomie und Phyfiologie, Thierheilkunde, Forft- und Gartenwirthschaft Ackerbaulehre, Viehzuchtlehre, Milchwirthschaft, Baukunde, Betriebslehre, landwirthschaftliche Buchhaltung, Botanik, Zoologie, Phyfik und Rechtskunde. Die praktiſchen Uebungen find chemifch analytifche, Zeichen- Uebungen und Arbeiten auf dem Felde. Der Studienplan vertheilt fich auf zwei Jahre. In Ultuna find II Lehrer angeftellt. Der Curfus beginnt am I. November. Die Bedingungen für die Aufnahme find: ein Alter von wenigftens, 18 Jahren, Maturitätszeugnifs aus einer höheren Lehranftalt, Examen als Officier oder Examen beim Eintritt. An der Anftalt befteht ein Internat. Das Honorar für das erfte Jahr beträgt 750 Reichs­thaler, für das zweite Jahr 600 Reichsthaler, wofür Wohnzimmer mit Pflege und Feuerung, Koft, Arzenei bei Krankheiten und der ganze Unterricht gegeben wird. Die Anzahl der Studenten ift in Ultuna 50, darunter vier Stipendiften. Die üblichen Sammlungen, Laboratorien etc. fehlen felbftverſtändlich nicht. Zuni Dominium von Ultuna gehören 600 Tonnen Acker, 200 Tonnen Wiefen, mit 50 Tonnen Weide, 200 Tonnen und 4 Frohnftellen mit zufammen 64 Tonnen. Die Oekonomie ift vertheilt in eine Hauptökonomie mit 256 Tonnen, welche ganz mit den Zöglingen und zwei Nebenwirthschaften, die durch Taglöhner beftellt werden.

Das Dominium hat einen Viehftand von 40 Pferden, 100 Kühen, 3 Stieren, 50 Jungthieren, 150 Schafen und 10 bis 50 Schweinen.

Der niederen Ackerbaufchulen( Landtbruks- Skolorna), deren Organiſation. 1863 gefetzlich feftgeftellt wurde, find 27 an Zahl, von denen 3 in Småland, 2 im Gouvernement Skaraborg, 2 im Gouvernement Elfsborg und eine in jedem der übrigen Gouvernements fich befinden. Mit den beiden höheren Lehranstalten zu Ultuna und Alnarp find gleichfalls Ackerbaufchulen verbunden. Die dirigirenden Commiffionen für die Ackerbaufchulen werden von den landwirthfchaftlichen Provinzialgefellſchaften oder durch die landwirthschaftlichen Affociationen, die die Anftalt gegründet haben, ernannt. Diefe Commiffion erwählt den Director. Der Unter­richt wird von zwei Lehrern ertheilt und durch eine Anzahl Hilfslehrer und Unter­weifer je nach Bedürfnifs. Der theoretifche Unterricht umfafst: Kalligraphie, Orthographie, Arithmetik, Zeichnen, Berechnung von Linien, Flächen und Körpern, Nivelliren und Aufnahme landwirthschaftlicher Pläne, die allgemeinen wiffenfchaftlichen Principien des Ackerbaues und der Viehzucht, die Elemente der Botanik und des Gartenbaues, Wagnerei und Schmiedekunft, die Accord­arbeiten und die Taglöhnerarbeiten und landwirthfchaftliche Buch­führung. Der praktifche Unterricht umfafst alle Arbeiten im Feld und Stall.

Der Curfus beginnt am I. November jeden Jahres und ift ein zweijähriger. Der theoretifche Unterricht wird in wöchentlich fechs Stunden des Abends ertheilt. 24 Zöglinge erhalten Wohnung, Koft und Unterricht ohne Abgaben, 4 bezahlen für das erfte Jahr 150 und für das zweite Jahr 50 R.- Thlr. Die Bedingungen für die Aufnahme find: ein Alter von 22 Jahren, Tauglichkeit zum Arbeiten und Kenntnifs des Lefens, Schreibens und Rechnens.

Die höheren und niederen landwirthfchaftlichen Lehranftalten find in das Budget mit jährlich 147.100 R.- Thlr.( 205.960 Francs) eingeftellt; aufserdem geben die landwirthfchaftlichen Gefellſchaften den Ackerbaufchulen noch Jahres­fubventionen.

An Specialfchulen befitzt Schweden zwei Molkereifchulen( Mejeris­kolorna), die eine zu Ultuna und die zweite zu Bergquara in Småland. An jeder dieser Schulen erhalten fechs Staatspenfionäre Unterricht über alles, was auf Molkereiwefen und Kuhhaltung Bezug hat. Die Schulen beftehen feit 1856 und erhalten einen jährlichen Beitrag von 3000 R.- Thlr. In Ultuna wurden auch fechs weibliche Zöglinge unentgeltlich aufgenommen. Der Curfus befteht in Vorlefungen und Uebungen im Kuhftall und in der Meierei, beginnt mit

4