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Dr Erasmus Schwab.
ebenerdige, mit Schiefer gedeckte Haus führte ein Vorbau, und zwar in das Vorzimmer, aus welchem man links in das Schulzimmer, rechts in die übrigen Räume des Haufes gelangte. Der befuchtefte Theil des Objectes, zugleich der Glanzpunkt desfelben war das Schulzimmer, eine grofse Halle, welche für nur 40 Kinder eingerichtet, nicht blos durch ihre Ausdehnung in Höhe, Breite und Länge, alfo durch ihre Luftigkeit und Behaglichkeit den Befucher gefangen nahm, fondern auch durch ihre Freundlichkeit und durch die Nettigkeit und Zweckmässigkeit der Einrichtung, welche durchwegs hell polirt war. Das Licht fiel durch mächtige Fenfter zur Linken und von rückwärts in Maffen ein. Was auf und hinter dem Podium fich befand, ift ungefähr das, was in einer fchönen Schule Oefterreichs oder Deutfchlands auch gefunden wird, nur eleganter, fo dafs man beiſpielsweife Sitz und Pult des Lehrers anderswo in Wirklichkeit nicht fo luxuriös herrichten würde.
Auffallend waren auf dem Podium ein äufserft netter Kaften zum Unterrichte in der Naturlehre, neben dem Orgelharmonium ein Pfalmodikon( einfaitiges Inftrument) zur Begleitung des Gefanges, die Schuluhr über dem Sitze des Lehrers und dort, wo in der öfterreichifchen Mufterfchule das Bild des Kaifers hing, das Reichswappen und eine Gruppe von Regentenbildern Schwedens.
Die im Schulzimmer aufgeftellten Kaften für Lehrmittel waren, wie in der öfterreichifchen Schule, verglaft; die Objecte felbft, wo es nothwendig war, in Gläfern aufbewahrt, alfo von allen Seiten fichtbar. Die phyſikaliſche Sammlung beftand aus lauter fchönen Inftrumenten. Naturgefchichtliche Abbildungen waren in folcher Menge vorhanden, dafs man erkennen mufste, die fchwediſche Schule lege, zu ihrem Heile, ein Schwergewicht auf diefen Unterricht. Die Bilder bezogen fich, was gleichfalls Schweden zur gröfsten Ehre gereicht, weitaus auf die einheimifche Natur und hatten den weiteren Vorzug, dafs auf jedem einzelnen Blatte nicht ein zerftreuendes Sammelfurium von Abbildungen enthalten war, fondern zunächft Ein Naturgegenftand, und diefer im grofsen Mafsftabe; ringsum, allenfalls in kleinerem Mafsftabe, die übrigen typifchen Repräfentanten der Art. Auch das Herbar war in fachlicher, technifcher und äfthetifcher Hinficht mufterhaft. Mit fo berechneter Einfachheit und Sparfamkeit in der öfterreichischen Mufterfchule und in dem Schweizer Unterrichtspavillon das naturgefchichtliche Materiale untergebracht war, in fo glänzender Schale hatte Schweden diefe Sammlungen ausgeftellt. Die geographifchen Lehrmittel gehörten unftreitig zu dem Beften und Reichhaltigften, was die Schule hierin vorzuführen vermochte. In diefem Lande, wo wegen der Einheit des Volkes und der geographifchen Verhältniffe Heimat und Vaterland zufammenfallen, ift für die Heimatskunde durch Kartenwerke aller Art( für politifche, phyfikalifche Geographie, für Ethnographie) und fpeciell durch Schulkarten in einer Weife geforgt, die man beneiden möchte, weil fie eben nur durch das Zufammentreffen fo vieler günftiger Umstände ermög licht wird, und das Erziehen eines ausgeprägten Nationalcharakters mächtig befördert. Der Rechenapparate waren viele und durchwegs gute vorhanden; doch ftehen die Lehrmittel der deutfchen Schule an innerem Werthe den von Schweden ausgeftellten wohl gleich.
Höchft auffallend waren für Jene, die Jugendwehren und verwandte Inftitute nur in der Schweiz fuchen, die kleinen Gewehre für die Schüler. Wenn auch die militärifchen Uebungen in Schweden doch eigentlich erft für die Schüler der Mittelfchulen beftehen, fo find die Anfänge dafür allerdings bereits in der Volksfchule da. Begehrt auch die deutfche Pädagogik für die Schuljugend harmonifche Ausbildung des ganzen Leibes, fo ift doch andererfeits nicht zu überfehen, dafs man in Schweden vortrefflich verfteht, den Körper der Mädchen auszuturnen, und dafs das Militärturnen der Knaben immerhin einen beachtenswerthen Erfatz für das in anderen Ländern betriebene Schulturnen bieten will. Uebrigens hatte Schweden für das Turnen Modelle, Pläne und Schriften ausgeftellt.
Einen hochachtbaren Theil des fchwedifchen Schulhaufes bildete die fchöne