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Anlage, Einrichtung und Lehrmittel der Volks- und Mittelschule (Gruppe XXVI, Section 2/3) : Bericht / von Erasmus Schwab ..
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Schulbauten und Einrichtungen.

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Leicht läfst fich ausfprechen, was nicht da war. Das waren vor Allem gute Lehrmittel für das, was die europäifchen Germanen bisher am beften eingerichtet haben und wovon aller weitere Unterricht, alle weitere Erziehung in Schule und Leben fo fehr abhängt, für das erfte Schuljahr und für den elementarften Unterricht, Lehrmittel für den Anfchauungsunterricht. Für den natur- und erd­kundlichen Unterricht ift bisher noch nicht in halbwegs genügender Weife vor geforgt. Ein Curiofum, angeblich ein mnemotechnifches Mittel für den gefchicht­lichen Unterricht, das an der Wand auffiel, mag der Ausfteller doch wohl nicht für Volksfchulen geplant haben.

Von den weiblichen Handarbeiten, die in grofser Anzahl da waren. zeigten viele grofse Handfertigkeit und waren mitunter das, was man Kunftstücke nennt. Doch machten fich leider die Luxusarbeiten auf Koften der für den bürger­lichen Haushalt wünſchenswerthen und nothwendigen Arbeiten breit und bildeten damit den polaren Gegenfatz zu den von der Schweiz, von Schweden und Däne­mark ausgeftellten Handarbeiten der Schülerinen. Diefe Arbeiten werfen ein fchlagendes Streiflicht auf jenen Theil der Volkserziehung, welcher für die Gegen­wart und Zukunft eines Volkes von fo einfchneidender Wichtigkeit ift, auf die bei den Germanen und bei den Nichtgermanen fo grundverfchiedene Mädchen­erziehung. Bei den Germanen erzieht das Elternhaus und die auf die Forde­rungen des wirklichen Lebens gerichtete öffentliche Gemeindefchule, bei den Romanen die Klofterfchule. Darum bei den genannten Germanen zunächst das was zum fchlichten Hausbedarf gehört, auch das Unfcheinbare und von dem Oberflächlichen Geringgefchätze, fodann das Schöne mit dem beften Gefchmacke Ausgeführte( die Arbeiten dänifcher Schulmädchen gehörten zu dem Vollendetften, was die Wiener Ausftellung bot; bei den Portugiefen Luxusgegenstände, welche die kindifche Mutter ihr Töchterlein vergöttern machen, und glänzender Flitter­kram, gerade fo wie in Belgien, in polnifchen Landen und wo fonft die Klofter­fchulen blühen.

Pläne von Schulbauten.

Nicht minder intereffant und belehrend als das Studium der Schulhäufer war die Mufterung der von den verfchiedenen, die Ausftellung befchickenden Völkern ausgeftellten Pläne von Schulbauten.

Gute und fchöne Pläne und Modelle hatte Schweden ausgeftellt, welches bekanntlich dem Unterrichtswefen eine folche Sorgfalt zuwendet, dafs fchon die Pläne jener Schulen, welche dem Range von Gymnafien entſprechen, vom Könige felbft approbirt werden müffen. Schweden verfteht auch der Schulhygiene Rechnung zu tragen.

Deutfchland war mit ähnlichen Plänen reich vertreten. Württem­berg, das zuerft eine mufterhafte Verordnung über Schulbauten erlaffen hat, fchickte ein Portefeuille mit fehr guten Schulanlagen ein, zum Theil mit, zum Theil ohne Lehrerwohnungen, ein- und mehrclaffig Die Dimenfionen waren gut, die normirte Schülerzahl mäfsig( 40 bis 56), die Beleuchtung entſprechend, die Aborte fehr zweckmäfsig angebracht oft aufser dem Haufe und mit diefem durch Gänge verbunden, oder nur ebenerdig untergebracht( neue Realfchule in Stuttgart). Einzelne Schulen waren noch in Verbindung mit Rathhäufern und Spritzenräumen. Manche Schulhäufer wiefen eine ebenfo einfache als zweckmässige und nette Anlage auf( z. B. eine Mädchenfchule in Stuttgart.) Nicht allein Fach­fchulen mancher Art gefielen durch die zweckmäfsige Eintheilung, fondern auch Bauten von Seminarien. Sehr gefällig waren endlich die im amtlichen Auftrage gearbeiteten Entwürfe von Turnhallen von Jäger und Bock.

So viele Volksfchulhäufer Württemberg ausftellte, fo wenige brachte die preufsifche Unterrichtsverwaltung. Auffallend war gegen Württemberg die