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Die Universitäten : (Gruppe XXVI, Section 5) ; Bericht / von Wilhelm Hartel
Entstehung
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Dr. Wilhelm Hartel.

Grade erreicht, überhaupt Jedermann ift der Eintritt geftattet. Diefe Liberalität ift befonders in der naturwiffenfchaftlichen Section von wohlthätigem Einfluffe, da jene, welche eigene Mittel zu koftfpieligen Unterfuchungen nicht befitzen, hier reichliche Unterſtützung finden. Im Unterfchiede zu den Aufnahmsbedingungen der École normale ift diefelbe nicht durch ein beftimmtes Alter, noch durch die Nationalität limitirt. Nur einer Aufnahmsprüfung( un ftage) und einer mehrmonat­lichen Probezeit haben fich diejenigen, welche wirkliche Mitglieder werden wollen ( élèves titulaires), zu unterziehen. Diefelben verbleiben dann durch drei Jahre in dem Inftitute und erlangen beim Austritte auf Grund einer Originalarbeit ein Diplom, fowie fie auch in Folge trefflicher Leiftungen von dem Licentiat befreit werden können, und fogleich zum Doctorat zugelaffen werden. Sie follen eine Pflanzfchule fein für die Lehrftühle der höheren Unterrichtsanftalten und wenn fie diefe Carrière nicht einfchlagen, fondern fich dem Mittelfchul- Unterrichte widmen, die errungenen wiffenfchaftlichen Qualitäten zu Nutz und Frommen der Schule geltend machen.

Die École pratique ftellt eigentlich keine Schule dar; fie hat kein Haus. Allenthalben verftreut find ihre Werkftätten. Ihre Zöglinge gehören ihr nicht ausfchliefslich, fondern mit ihr zugleich anderen Anftalten, deren Vorlefungen fie zu hören verpflichtet find. Nur ein Haupt verbindet die weit aus einander liegen­den Theile, le confeil fupérieur, welches die Belohnungen der Directoren und Zöglinge zu beftimmen, die Dispenfen vom Licentiat zu verleihen, die den Zög­lingen zu übertragenden wiffenfchaftlichen Miffionen anzuordnen und über ihre Verwendung zu entfcheiden hat. Diefes Confeil befteht aus den Secretären der Académie des fciences und des infcriptions et belles letters, den Directoren des Collége de France, des Muſeums, des Obfervatoire, der École normale, der Archive, der École des chartes und den Spitzen der übrigen höheren Anftalten.

Es ift alfo die École pratique ihrem Wefen nach nichts als die Organiſation eines praktifchen, höhere wiffenfchaftliche Ziele verfolgenden Unterrichtes. Ihr Schwerpunkt liegt in den einzelnen Sectionen, in welche fie zerfällt, deren Zög linge unter eine Commiffion permanente aus fünf, den Leitern der einzelnen Abtheilungen entnommenen, auf drei Jahre ernannten Mitgliedern befteht, geftellt find.

Gegenwärtig zerfällt die École pratique in fünf Sectionen, jede diefer Sectionen in Unterabtheilungen mit einem Directeur d'études oder de laboratoires an der Spitze, denen Hilfslehrer oder Affiftenten beigegeben find.

Die Section für Mathematik, an welcher fich Zöglinge des Obfervatoire, des Collège de France und der Faculté des fciences betheiligen, erhielt zwei Unterabtheilungen, eine première divifion unter Hermite und die deuxième unter Serret und Bouquet.

Die Section des fciences phyfico- chimiques erhielt ein Laboratorium für Phyfik unter Defains, ein zweites laboratoire de recherches für Phyfik unter Jamin, eines für Chemie unter Fremy am Mufeum, für Chemie unter Schutzenberger an der Faculté, für Chemie an der École normale unter H. Sainte- Claire Deville, für organifche Chemie unter Berthelot, für Chemie an der École de médecine unter Wurtz, für Chemie am Collége unter Balard, für phyfiologifche Chemie an der École normale unter Pafteur, für Mineralogie an der Sorbonne unter Delafoffe, für chemifche und agronomifche Unterfuchungen an der Faculté unter Ifidor Pierre. Die Mitglieder diefer Section haben eine jährliche Prüfung abzulegen, auf Grund welcher ihnen der Eintritt in den nächften Jahrgang geftattet ift. Das nach dem dritten Jahre für tüchtige Leiftungen verliehene Diplom hat diefelbe Bedeutung wie das Examen de licence ès fciences phyfiques.

Die Section d'hiftoire naturelle et de phyfiologie ver­anftaltet Uebungen für Anfänger in ihren laboratoires d'enfeignement und für Vorgefchrittene in den laboratoires de recherches, beide können natürlich in