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Dr. Wilhelm Hartel.
Oefterreich.
Die Einleitung zum zweiten Bande des Berichtes des öfterreichifchen Unterrichtswefens aus Anlafs der Weltausftellung, herausgegeben von der Commiffion für die Collectivausftellung des öfterreichifchen Unterrichtsminifteriums, fagt über die Vertretung der Hochfchulen auf der Ausstellung:„ Die Natur der Verhältniffe bringt es mit fich, dafs Hochſchulen fich an Ausftellungen nur in geringem Mafse betheiligen, und dafs die Leiftungen der Schulinduftrie für diefelben nicht jenen entfcheidenden Werth haben, wie für Volks- und Mittelfchulen. Die Freiheit des Lehrens und Lernens ift unverträglich mit den feften Normen des übrigen Unterrichtes, welche hier den Gegenftand der Darstellung bilden. Nur die gefchichtliche Einleitung durfte die Hochfchulen nicht ausfchliefsen."
Diefe gefchichtliche Einleitung, von Herrn Dr. Adolf Ficker gearbeitet, welche der erfte Band des„ Berichtes" enthält, hat die Entwicklung der Univerfitäten nicht irgend erfchöpfend behandeln wollen oder können, indem mit Recht - den anderen Zweigen des Unterrichtswefens ein gröfserer Raum gewidmet wurde Es werden nur eine Reihe von auf die Univerfitäten bezüglichen Verordnungen, die feit der Mitte des vorigen Jahrhundertes erfloffen find, excerpirt und zum Schluffe die neueften Gefetze und Erläffe ziemlich in extenso mitgetheilt. Das innere Leben derfelben wird kaum mit einigen Worten berührt, des langjährigen erbitterten Kampfes zwifchen Doctoren- und Profefforencollegien, welcher die wiffenfchaftlichen und freiheitlichen Fortfchritte hemmte, nicht gedacht, fo dafs dadurch allerdings Gehalt und Tragweite der neueften Univerfitätsreform der verdienten Beleuchtung entbehren. Uebrigens, um billig zu urtheilen, verdient die materielle Leiftung, die Herſtellung diefes dicken Gefchichtsbandes innerhalb weniger Wochen, anerkennend bemerkt zu werden.
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Der von dem Unterrichtsminifterium herausgegebene Specialkatalog der ,, Collectivausftellung von Schul- und Unterrichtsgegenständen" begnügt fich nicht blos, die auf Univerfitäten bezüglichen Objecte kurz zu verzeichnen, fondern begleitet diefelben zum Theile mit eingehendem Commentar. Der gröfste und wichtigfte Theil derfelben, welcher die naturwiffenfchaftlichen Disciplinen betrifft, findet an anderer Stelle des Berichtes feine Würdigung. Wir haben nur zu erwähnen Profeffor Sickl's Monumenta graphica medii ævi, die als werthvollftes Hilfsmittel paläographifcher Studien fich allgemeiner Anerkennung erfreuen, neben welchen die im Kataloge genau befchriebenen 32 Tafeln für arabifche Paläographie, welche von einem ftrebfamen jungen Gelehrten, Dr. Karabáček, herrühren, genannt zu werden verdienen. Die von dem Architekten Horky entworfenen Pläne, Anfichten, Grundriffe der Univerfität Graz"( Nr. 394) legen Zeugnifs ab von dem rühmlichen Bemühen der Regierung, der Wiffenfchaft, welche bis jetzt allenthalb eine klägliche Unterkunft in Oefterreich gefunden, würdige Hallen zu eröffnen. Aber wir bedauern nur, dafs nicht die grofsartigfte Leiftung diefer Art, der nicht leicht eine andere Nation etwas Aehnliches an die Seite zu ftellen vermöchte, im Mittelpunkte der Unterrichtsausftellung einen Platz erhalten. Wir meinen das nach den Entwürfen des genialen Architekten Heinrich v. Ferftel gearbeitete Modell des im Werden begriffenen Wiener Univerſitätsgebäudes, welches in der Kunfthalle zu fehen war. Das Modell, welches uns mühelos die Schönheit einer grofsen Conception geniefsen läfst, läfst kaum ahnen die Schwierigkeiten, welche diefes bedeutendfte architektonifche Unternehmen der Gegenwart bewältigen mufs. Möge die nächfte Ausstellung die glückliche Realifirung des Entwurfes mit dem verdienten Preife krönen.
Eine nähere Befprechung verlangen und verdienen jene Lehrmittel der geographifchen Disciplin, welche Profeffor Simony, Vertreter diefes Faches an der Wiener Univerfität, ausgeftellt hat. Graphifche Darftellungen verfchiedener