ALLGEMEINE BILDUNGSMITTEL.
DER DEUTSCHE UND OESTERREICHISCH- UNGARISCHE
VERLAGS- BUCHHANDEL.
( Gruppe XXVI, Section 6.)
Bericht von
RUDOLF
LECHNER.
Der Verlags- Buchhandel des deutfchen Reiches.
Der Verlags- Buchhandel des deutfchen Reiches war auf der Wiener Weltausftellung verhältnifsmäfsig gering vertreten. Der Grund davon liegt wohl vorerft in dem officiellen Programm felbft, welches für den Buchhandel im Allgemeinen keine Abtheilung enthält und nur in der Gruppe XXVI von Werken, Zeitfchriften, Lehrmitteln und Leiftungen der Literatur fpricht, welche Unterrichtszwecken dienen. Es fcheint, als wäre man der Anficht gewefen, es eigne fich die literarifche Production nicht für eine Weltausftellung, vielleicht weil der innere Werth der Erzeugniffe nicht wohl einer eingehenden Beurtheilung unterzogen werden könne und die äufsere Form doch nicht die Hauptfache fei. Diefe Anficht fand man auch in buchhändlerifchen Fachblättern ausgefprochen.
Dennoch glaube ich, dafs die buchhändlerifche Verlagsthätigkeit fich ganz gut zur Ausstellung eigne, ja dafs die Darftellung der literarifchen Production eines Volkes von grofsem Intereffe für die Befucher und gewifs auch von praktifchem Nutzen für die Fachgenoffen fein würde, und es käme nur darauf an, die Sache richtig anzufaffen. Nach meiner Anficht müfsten folche Ausstellungen nach Fächern wiffenfchaftlich geordnet werden und gewiffermafsen eine Bibliothek aller beften, in den letzten fünf bis fechs Jahren erfchienenen Werke darftellen. Dazu ein vollständiger in erfter Abtheilung nach Wiffenfchaften, in zweiter Abtheilung nach Ver' egern geordneter Katalog, und der Nutzen, fowohl für Verleger wie für das Publicum, wäre in die Augen fpringend.
Die Schwierigkeit der Unterordnung des Einzelausftellers dürfte wohl zu überwinden fein, denn die Leiftung des Einzelnen wäre ja leicht aus der zweiten Abtheilung des Kataloges zu erfehen, und die Herbeifchaffung der möglichft vollftändigen Literaturen liefse fich durch die beftehenden buchhändlerifchen Vereine gewifs leicht erreichen.
Diefs als frommer Wunfch für eine nächfte Weltausftellung vorangefchickt. muss ich, wie bereits erwähnt, conftatiren, dafs die Betheiligung des deutfchen Verlags- Buchhandels an der Weltausftellung eine verhältnifsmäfsig geringe war, und dafs diefe dem Befchauer, der fonft keine Kenntnifs von den Leiftungen des deutfchen Buchhandels hatte, nur ein unvollständiges Bild geben konnte.
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