Buchhandel und Literatur des Auslandes.
19 endlich beftimmte Qualität eines Buches beweift nicht das Geringfte für die Qualität eines zweiten, das aus demfelben Verlagsgefchäfte hervorgegangen ift. Die höchften geiftigen Errungenfchaften einer Literatur können auf einem einzigen verfteckten Blatte ihren Platz finden, das, fo wenig es in's Auge fällt, in feinem bleibenden Werthe ganze Bibliotheken verdunkelt. Dazu kommt noch ein weiterer Umstand; wenn fchon ein Exemplar eines Buches fchwer zu beurtheilen ist, fo gewährt überdiefs die Ausstellung fämmtlicher Verlagswerke einer grofsen Unternehmung noch immer kein Bild der geiftigen und induftriellen Bedeutung, da diefe fich wefentlich nach der Verbreitung und dem Preife richtet, und über diefe Factoren auf den Ausstellungen bisher keine überfichtliche Aufklärung gegeben wurde. Die factifchen Ausstellungen für Buchhandel und Literatur des Auslandes werden jederzeit die ftändigen. Bibliotheken bleiben, deren Vermehrung unter der Controle eines wiffenfchaftlichen Urtheils fteht und die Jury für die Leiſtungen diefes Induftriezweiges wird alle Zeit die literarifche öffentliche Meinung bilden, welche allmälig das Material zu einer Literaturgefchichte herbeifchafft. Was auf den Weltausftellungen in diefer Hinficht exponirt, betrachtet und beurtheilt werden kann, verhält fich zu den factifchen Leiftungen, wie eine Reihe zugekorkter Flafchen ohne Etiquette zu der Weinproduction eines Landes.
So fchwer nun aber die Objecte des Buchhandels überhaupt zu exponiren find und fo fchwer der Standpunkt für die Beurtheilung einer derartigen Expofition zu gewinnen ift, liefse fich doch, wie ich zum Schluffe meines Berichtes ausführlicher darzuthun gedenke, auch auf diefem Gebiete ungleich mehr für die Zwecke der Weltausftellung leiften, als thatfächlich durch die Anzahl und Art der Einzelausstellungen gefchehen ift. Den Verfuch einer felbftftändigen Darftellung des Buchhandels hat von allen hier in Betracht kommenden Staaten eigentlich nur Frankreich gemacht. In den Ausftellungen der übrigen Staaten begegnete man entweder nur der Vertretung einzelner Firmen oder die Objecte des Buchhandels erfchienen nicht als folche, fondern in ihrer Beziehung zu Buchdruckereien, Buchbindereien, Lithographien etc.
In einzelnen Abtheilungen endlich konnte man vergebens nach einem Buche fahnden. Es fcheint fich eben in den Kreifen der Buchhändler das Bewufstfein feftgefetzt zu haben, dafs bisher der richtige Modus für eine erfolgreiche Ausstellung ihrer Objecte nicht gefunden ift, und daraus mag fich die fchwache Betheiligung im Gegenfatze zu der grofsen von Jahr zu Jahr fteigenden Bedeutung der Buchhändler- Induftrie erklären. Verfuchen wir nun, das wenige Gebotene zu überblicken und im Geifte zu ordnen, fo drängen fich zunächft folgende allgemeine Bemerkungen auf. Immer erfolgreicher bricht fich in fämmtlichen Culturftaaten das Beftreben Bahn, die Erzeugniffe der Literatur einer möglichft grofsen Menge zugänglich zu machen. Die Hebung der Schulen erweckt ein gefteigertes Bedürfnifs nach Büchern und zwar unmittelbar, indem fie diefelben als Hilfsmittel des Unterrichtes nothwendig macht und mittelbar, indem ein gewiffes immer mehr verbreitetes Durchschnittsmafs der Bildung zum felbftftändigen Studium herausfordert. Diefem Bedürfniffe kommt der Buchhandel durch billige Ausgaben guter Bücher entgegen, indem er feinen Gewinn nicht in der Höhe der Preife, fondern in der Maffenhaftigkeit des Abfatzes fucht. Neben diefem Auffchwunge des Buch handels, der fich in der möglichft billigen Vervielfältigung der Bücher ausprägt und der von einem unermefslichen Werthe für die Gefammtfortfchritte der Cultur eines jeden Staates ift, gibt fich ein bemerkenswerther Fortfchritt in anderer Richtung, nämlich in der Herftellung fchwieriger Druckobjecte kund. Die Verbefferungen der Preffe, die Erleichterung der Typenerzeugung, die Erfindungen auf dem Gebiete der Lithographie und der Photographie ermöglichen die Herftellung von Büchern, deren Ausftattung den vereinzelten, mühfam hergeſtellten Kunftwerken von ehemals gleichkommt. Ein drittes Moment ift die in den Verlagsgefchäften immer deutlicher zu Tage tretende Theilung der Arbeit. Mit den Fortfchritten der Specialwiffenfchaften, der unferer Zeit fo eigenthümlichen Detail
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