Dokument 
Allgemeine Bildungsmittel : (Gruppe XXVI, Section 6) ; Bericht / von Rudolf Lechner, Alfred Klaar, Carl Th. Richter
Entstehung
Seite
32
Einzelbild herunterladen

32

Alfred Klaar.

Zeugnifs höchft gründlicher Quellenftudien über die fchweizerifche Vorzeit gab die Allgemeine fchweizerifche gefchichtsforfchende Gefellſchaft" durch den Einblick, den fie in ihr Archiv und in ihre Publikationen( Anzeiger für fchweizerifche Gefchichte) gewährte. Die ,, Schweizerifche Naturforfcher- Gefellſchaft" erwarb fich gerechte Anerkennung durch das umfangreiche, mühfam gefammelte Material zur Verbreitung naturwiffenfchaftlicher Kenntniffe. Der Schweizerifche Alpenklub" gab in den Jahrbüchern, Panoramen, Excurfionskarten, Inftructionen für Gletscher­reifende und verfchiedene Monographien gleichfalls ein Bild fehr reger, literarifcher Thätigkeit.

99

Eine eigenthümlich intereffante Erfcheinung bilden die fchweizerifchen Journale in deren Zahl, Inhalt und Wirkungskreis der cantonale Geift der Schweiz ein lebendiges Spiegelbild erhält. Der eigenfinnig föderaliftifche Sinn der Schweizer, ihre Kirchthurm- Politik auf der einen, ihr ftarkes Heimathsgefühl, ihre tüchtige Selbſtverwaltung, ihr Intereffe für Schul-, Vereins- und Familienwefen auf der anderen Seite, ſpricht fich in einer Unzahl von kleinen Journalen aus, die wenige Meilen aufserhalb des Cantons kaum irgend ein Intereffe zu erregen im Stande find. Eine ftarke politifche Richtung, der Bedeutung über die Grenze der Schweiz hinaus zugefprochen werden könnte, tritt eigentlich nur in den ultramon­tanen Zeitungen hervor. Diefe haben einen einheitlichen Charakter in den ver­fchiedenen Cantonen und einigen fich zuweilen auch, um gegen die Einigung zu Felde zu ziehen. Im Ganzen jedoch tragen die Journale mit Ausnahme etwa der Basler Zeitung", des Bund" in Bern, der ,, Berner Volkszeitung" und des Jour­nal de Genève" wefentlich nicht das politifche Gepräge und befchränken fich auf häusliche Angelegenheiten des Cantons, als ob fie nicht für die Welt und die Gegenstände in der Welt da draufsen nicht für fie beftänden.

29

Die Zahl der Zeitungen beläuft fich nach den Mittheilungen der eidgenöffi­fchen ftatiftifchen Commiffion auf 412 und es nehmen daran, der Menge nach geordnet, die verfchiedenen Cantone folgendermafsen theil: Bern 64, Zürich und Waadt 47, Aargau 40, Genf 25, St. Gallen 24, Neuenburg 18, Bafel- Stadt und Thur­gau 16, Graubünden 15, Teffin 14, Solothurn 13, Freiburg 12, Luzern II, Schwyz und Schaffhaufen 10, Bafelland 6, Appenzell A. Rh. und Wallis 5, Glarus 4, Obwal­den und Zug 3, Nidwalden 2, Uri und Appenzell I. Rh. 1. Anders ift die Reihen­folge, wenn die Zahl der Zeitungen mit der der Bevölkerungen zufammengehalten wird; es ftehen dann über dem Gefammtdurchſchnitt von 6479 Einwohnern auf je 1 Zeitung 13 Cantone, voran Bafel- Stadt( 2985), hierauf kommen Genf( 3730), Schaffhaufen( 3772), Schwyz( 4770), Obwalden( 4805), Waadt( 4930), Argau( 4972), Neuenburg( 5405), Solothurn( 5747), Thurgau( 5831), Nidwal den( 5850), Zürich( 6059) und Graubünden( 6119); von dem Durchschnitt ent­fernen fich in abfteigender Linie Zug( 6998), Bern( 7914), St. Gallen( 7959), Teffin( 8544), Glarus( 8788), Bafel- Land( 9021), Freiburg( 9236), Appenzell A. Rh.( 9745), Appenzell I.Rh.( 11.909), Luzern( 12.031), Uri( 16.107) und Wallis( 19.377), fo dafs der letztgenannte Canton um volle fünf Sechstheile gegen den erftgenann­ten zurückbleibt. Die 412 Zeitungen vertheilen fich der Sprache nach fo, dafs 266 deutfch, 118 franzöfich, 16 italienifch, 5 romanifch und I englifch heraus­gegeben werden; 6 Zeitungen, die Bibliographie der Schweiz, die Zeitfchrift für Schweizer Statiſtik, die Fremdenblätter von Interlaken und Luzern, das Central­blatt des Zofingervereines und das Amtsblatt von Wallis enthalten theilweife doppelten Titel und Auffätze oder Anzeigen in deutfcher oder franzöfifcher Sprache; die volle Zweifprachigkeit ift aber in keinem Blatte durchgeführt.

Belgien gab in den Schulausftellungen ein überfichtliches Bild der Unterrichtsliteratur und ebenfo in den amtlichen Berichten des Minifteriums des Innern eine impofante Darftellung des in diefem Königreiche fo hoch entwickelten Schulwefens. Als eine bedeutende literarifche Leiftung mufs die von der Central­gefellſchaft der belgifchen Lehrer in Brüffel herausgegebene Zeitfchrift ,, Le Pogrès"