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Dr. Carl Th. Richter.
folches Viertel ift eine gemeinfame Schule, und für das Kleingewerbe eine gemeinfame Werkstätte beigegeben.
Auch die Schweiz hat in Zeichnungen einzelne Arbeiterhäufer ausgeftellt, wie fie in den induftriereichen Städten in Winterthur, Zürich und Bafel beftehen, und auch in Genf durch die Sociéte corporative immobilière errichtet find. Die Häufer find durchwegs den befchränkten Bedürfniffen des Arbeiters entfpre chend, aber überaus wohnlich, nach ihrer inneren Ordnung und äusseren Ausfchmückung.
Wir brauchen übrigens, wie lieblich die Häufer im Bilde auch ausfahen, keineswegs die Schweiz als Mufter hinzuftellen, als Mufter für die Verbindung des Guten mit dem Schönen. Oefterreich hat dergleichen Mufterhäufer fowohl bei Privatetabliffements, wie bei Actiengeſellſchaften. Die ältefte Inftitution und Mufteranſtalt vertritt jedenfalls die Kohlenbergwerks Colonie von Fünfkirchen. Wir werden darauf zu fprechen kommen und erwähnen nur noch, dafs wir aufser den oben angeführten Modellen photographifche Anfichten der von Heinrich Ad. Meyer, Elfenbein- Händler in Hamburg, errichteten Arbeiterwohnungen ausgeftellt fahen, welche durch die Schönheit des Baues, ebenfo wie die äufsere Ausfchmückung fehr wohlthätig wirkten. Es find dabei zwei Arten von Arbeiterwohnungen benützt. Erftens Arbeiterwohnungen für Verheiratete, in denen je zwei Familien unter einem Dache wohnen, und Arbeiterwohnungen, wo je vier Familien zufammen wohnen und manchmal auch Unverheiratete.
Bei diefen Arbeiterwohnungen hat jedoch jede Familie ihren eigenen Eingang und einen eigenen Garten, fowohl vor als hinter dem Haufe. Die beiden Eckwohnungen jedes Complexes enthalten Parterre; drei Zimmer, Küche, Speifekammer und Wafferclofet. Die beiden Mittelwohnungen ein Zimmer weniger, doch kann hier der Hausflur während der wärmeren Jahreszeit das dritte Zimmer erfetzen. Alle Wohnungen haben ferner eine Treppe hoch ein Zimmer und Bodenraum, der die Abtheilung einer Kammer geftattet, aufserdem einen kleinen Keller, eine bedeckte Veranda an der Hinterfeite des Haufes und endlich Wafferleitung. Sie find im Jahre 1866 erbaut und ein Complex von vier Wohnungen koftete damals 5200 Reichsthaler. Der 900 Fufs tiefe Platz dazu 550 Reichsthaler. Die Miethe der Eckwohnungen ift 60 Reichsthaler preufsifch Courant, die der Mittelwohnungen 48 Reichsthaler. Das Anlagecapital verzinft fich alfo nur mit 34 Percent.
Die anderen Arbeiterwohnungen find von den vorigen dadurch verfchieden; dafs nur zwei Familien unter einem Dache wohnen, und dafs fie zwei Stockwerke, alfo weniger Grundfläche, haben. Sie liegen etwas weiter von bebauten Strafsen entfernt und konnten defshalb nicht mit Wafferclofets und Wafferleitung ver forgt werden. Sie kofteten, obgleich fie ebenfo geräumig, wie die vorhin befchriebenen Eckwohnungen find, ohne Hinzurechnung des Grundes, nur taufend Reichsthaler preufsifch Courant per Wohnung, und tragen eine Miethe von 44 Reichsthaler. Der Ertrag ift alfo weniger günftig als bei den vorigen.
Wir kommen nun zu jener Thätigkeit, welche Oefterreich auf der Ausftellung entfaltete und können von Vorneherein fagen, dafs das Land, wie nie früher, mit vielen feiner Errungenfchaften auf dem focial- ökonomifchen Gebiete hervorgetreten ift. In Paris 1867 waren blofs zwei Typen von Arbeiterhäufern zur Ausftellung gekommen. Auf der Wiener Ausftellung dagegen betheiligte fich Böhmen, Niederöfterreich, Steiermark und auch das Küftenland; in diefen Ländern wieder haben an erfter Stelle unfere grofsen Verkehrsanftalten beiläufig 50 Typen, in Modellen und Zeichnungen zum Ausdruck gebracht. An der Spitze ftand die Collectivaus ftellung des deutfch- polytechnifchen Vereines in Prag mit 26 Ausftellern von Arbeiterwohnungen, wie fie von den Induftriellen Böhmens, in erfter Richtung von der Actiengeſellſchaft für chemifche und metallurgifche Producte in Auffig, von einzelnen Induftriellen im induftriereichen Gebiete von Tetfchen bis hinauf nach Rumburg und W arnsdorf, dann von der