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J. Löwenthal.
entftanden in dem letzten Decennium meiftens in Stockholm, aufser zwei anderen Seminarien, das Staatsfeminarium zur Bildung von Lehrerinen, die Normalfchule des Staates für Mädchen, höhere Elementarfchulen für das weibliche Gefchlecht, der Lehrcurfus für die weibliche Jugend, die muſikaliſche Akademie nebft Confervatorium, die weibliche Volksfchule in Samuelsberg. Ueberdies wurden die königliche Akademie der freien Künfte und die Gewerbefchule in Stockholm den weiblichen Zöglingen geöffnet. Wenn von Bildungsmitteln die Rede ift, dürfen auch die vielen Arbeits-, Sonntags- und Abendſchulen nicht unerwähnt bleiben. Unter den Buchdruckerei- Erzeugniffen nehmen in Schweden wie überall die Journale einen hervorragenden Platz ein. Im Jahre 1871 erfchienen deren 216, davon 52 in Stockholm. Im Jahre 1870 wurden allein durch die Poft 6,432.870 inländifche und 317.430 ausländifche Exemplare expedirt. Seitdem hat jedoch das Journalwefen bedeutend zugenommen.
Dänemark.
Wie in anderen nördlichen Gegenden, deren Bevölkerung auf dem Lande vereinzelt und zu entfernt von einander lebt, um die Schulkinder eines Diftrictes an einem Platze zu vereinen, gibt es auch in Dänemark ambulatorifche Schulen, deren Lehrer den Unterricht in verfchiedenen Ortſchaften ertheilt. Die Befoldung der Volksfchul- Lehrer geht von den Communen aus, welche auch für die Herbeifchaffung der Lehrmittel und die Erhaltung der Schulhäufer Sorge tragen. Zur Vorbereitung für die Univerfität beſtehen in Dänemark 14 Staatsgymnafien. Aufser einer Staats- Realfchule auf Bornholm gibt es in verfchiedenen Städten gut organifirte Realfchulen und zur Heranbildung zu fpeciellen Fächern beftehen polytechniſche, dann landwirthfchaftliche, thierärztliche, forftliche Schulen, das techniſche Inftitut für Handwerker, die Kunftakademie in Kopenhagen, und nach dem Mufter des techniſchen Inftitutes in den Städten gegen 40 HandwerkerSchulen. Faft überall gibt es Uebungsanftalten für Bauern, welche zu mündlichen und fchriftlichen Vorträgen angeleitet werden und aus denen grofsentheils die Kammermitglieder hervorgehen. Zur Belehrung der Landbewohner tragen auch die Volksbibliotheken bei. Die periodifche Preffe ift in ungefähr 200 Blättern vertreten, von denen etwa die Hälfte, darunter 10 politifche Zeitungen, in Kopenhagen erfcheint. Die in den Provinzen veröffentlichten hundert Zeitungen find faft durchgehends politifchen Inhaltes. Die Fachjournale erftrecken sich über Theologie( 10) Rechtswiffenfchaft, Phyfik, Medicin, Pharmaceutik, Chemie, Naturwiffenfchaft, Botanik, Archäologie, Gefchichte, Geographie, die einzelnen Induſtriezweige u. f. w. Es fehlt auch nicht an illuftrirten Blättern. Das Vereinswefen findet eine gute Pflege. Kopenhagen und einige Städte haben verfchiedene wiffenfchaftliche Vereine aufzuweifen. Der Induftrieverein in Kopenhagen hat gegen 5000 Mitglieder und veranſtaltet jeden Freitag kleine Ausftellungen, über welche Vorträge gehalten werden. Er hat die Induftrieausftellung im Jahre 1852 und die fkandinavifche im Jahre 1872 in Kopenhagen auf feine Koften veranſtaltet, und ihm verdankt man auch Dänemarks Betheiligung an der Parifer Ausftellung im Jahre 1867 und an der jetzigen Wiener Weltausftellung. Sehr erfpriefslich wirkt ferner der gegen 4000 Mitglieder zählende Handwerker- Verein in Kopenhagen, welcher auch als Vorbild der in anderen Städten entstandenen HandwerkerVereine betrachtet werden darf. Zu den verbreiteften Volksfchriften in Dänemark gehören die Almanaks" von Flinch in Kopenhagen und Visbok in Koldingen. Beide Almanache haben gute Illuftrationen und ftets neue Erzählungen und Gedichte der anerkannteften dänifchen Schriftfteller aufzuweifen. Von erfterem werden jährlich 150.000, von letzterem 100.000 Exemplare abgefetzt. Diefe Zahlen erfcheinen um fo bedeutender, wenn man erwägt, dafs Dänemark nur 1,845.000 Einwohner zählt.
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