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Beiträge zur Geschichte der Preise : (Additionelle Ausstellung Nr. 5) ; Bericht / von Carl Theodor von Inama-Sternegg
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Dr. Carl Theodor von Inama- Sternegg.

forfchung, welche in unferen Tagen mit Recht ihr Hauptaugenmerk der Cultur­gefchichte zuzuwenden beginnt, mit der Preisgefchichte um ein ganz namhaftes Gebiet und mit ihrer Hilfe wird es nicht blofs erft möglich, die ökonomische Ent­wicklung eines Volkes zu verftehen und zu fchreiben, fondern es ift geradezu die Gefchichte des focialen Lebens, für welche in der Preisgefchichte das werth­vollfte Material vorliegt. Es hiefse aber Eulen nach Athen tragen, wollten wir über die allgemein bildende Kraft der Gefchichte nur ein Wort verlieren. Keine Rechts- und Sittengefchichte, keine Gefchichte der Induftrie und der literarifchen Entwicklung gibt uns ein fo ficheres Urtheil über die focialen Zuftände eines Volkes und die Bedingung ihrer fortdauernden Gefundheit an die Hand als die Gefchichte des Arbeitslohnes, der Lebensmittelpreife und des Geldes; denn von nachhaltiger ökonomifcher Kraft und guter Vertheilung der wirthfchaftlichen Güter ift noch bei allen Völkern endgiltig ihr ganzer Culturzuftand, ihre gefellſchaftliche und politifche Thatkraft abhängig gewefen. Nicht die Technik die Oekonomik entfcheidet das Mafs der materiellen Machtmittel eines Volkes, mit denen es fich feinen Vorrang vor anderen erftreiten und behaupten kann.

Bei einem Gegenftande von fo hohem Intereffe und fo allgemeiner Bedeu­tung könnte wohl die Frage als müfsig erfcheinen, mit welchem Rechte die Preis­gefchichte zum felbftftändigen Ausftellungsobjecte gemacht und ihr fogar eine eigene additionelle Ausftellung gewidmet wurde? Freilich ift eine Aus­ftellung nicht der Ort felbftftändiger preisgefchichtlicher Forfchung, fo wenig als der Ort einer mehr als blofs probeweifen technifchen Production; aber nicht blofs wird durch die internationale Concurrenz auf der Weltausftellung das vergleichende Studium der preisgefchichtlichen Refultate und der dabei angewandten Methode wefentlich gefördert, ja es ift in diefem Mafse wohl nirgends fo wie hier möglich; die volle Bedeutung erhält diefe additionelle Ausftellung erft im Lichte der gefchichtlichen Entwicklung des ganzen Ausftellungswefens. Ift es ja doch nicht blofs eine immer grofsartige, ins Unbegrenzte gehende Anhäufung von Maffen technifch vollkommener Producte, was das Wefen der Entwicklung der Ausftel­lungen ausmacht; der Grundzug, welchem die innere Gefchichte der Weltausftel­lungen in ihrer ganzen Entwicklung treu bleibt, ift vielmehr die allmälige, Durchbildung ihrer nationalökonomifchen Miffion. Darin liegt der fteigende Werth diefer Ausftellungen, darin ihre wachfende Bedeutung für das Leben der Völker, darin ruht auch die Bürgfchaft für die gedeihliche Weiter­entwicklung des Ausftellungswefens. Während die Anfänge des Ausftellungs­wefens und die grofse Menge nationaler Induftrieausftellungen während der erften Hälfte unferes Jahrhunderts vorwiegend nur den Fortfchritten der induftriellen Technik gewidmet waren, entwickelte fich in den Weltausftellungen ein neuer Grundgedanke, welcher zugleich den fundamentalen Unterfchied nationaler und internationaler Ausstellungen bezeichnet, in der Betonung des Verkehrsmoments. Die nationalen Ausftellungen legen den Ton auf die Vervollkommnung der ein­heimifchen Induftrie, die internationalen auf die Ausbreitung des Marktes für die heimifche Induftrie. Jene cultiviren alfo mehr das Gewerbe, diefe den Handel. Jene berücksichtigen den einheimifchen, diefe den Weltbedarf; daher auch bei jenen eine oft bedenkliche Tendenz nach gröfster Vielfeitigkeit und Mannigfaltig­keit der einheimifchen Production obwaltet, während den internationalen Ausftel­lungen der Gedanke einer ins Grofse gehenden Arbeitstheilung der Völker innewohnt.

Für den Wettbewerb der Völker im internationalen Verkehre, wie er fich auf den Weltausftellungen entwickelte, ift aber die Frage nach dem Preife der Producte entfcheidend. Die Weltausstellungen find zugleich Weltmärkte und der Geldpreis einer Waare, welcher auf denfelben mit Erfolg begehrt werden kann, ift zugleich der Ausdruck der öffentlichen Meinung über die allgemeine Confum­tionsfähigkeit und Würdigkeit eines Gutes, welche hinwiederum fein Abfatzgebiet beftimmt. Im Preife haben wir einen allgemein verftändlichen Zahlenausdruck