Dokument 
Beiträge zur Geschichte der Preise : (Additionelle Ausstellung Nr. 5) ; Bericht / von Carl Theodor von Inama-Sternegg
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

16

- Dr. Carl Theodor von on Inama- Sternegg.

leuchtet daraus die frohe Hoffnung, dafs diefer erfte flüchtige Schürfverfuch zu einem geregelten Abbau der reichen Lagerftätten Veranlaffung geben und von noch gröfserem Erfolge begleitet fein werde. So war die Prager Collectivausftel lung gleichfam eine Probeausftellung reicher, wiffenfchaftlicher, neu entdeckter Schätze, welche den Befchauern nicht blofs imponirten, fondern vor Allen, auch den Weniggebildeten doch in ihrer Bedeutung wenigftens ahnungsvoll erfafst wurden; und der Saal im Pavillon des Welthandels, welcher diefe Schätze barg, wirkte auf die Befucher wie eine ernfte und erhebende Mahnung, über der erdrückenden Maffe des Schönen und Beftechenden, welches der Induftriepalaft bot, nicht zu vergeffen, dafs die Vertiefung des menfchlichen Wiffens und die ernfte, angeftrengte Geiftesarbeit die Quelle alles Völkerwohlftandes fei.

Inhaltlich fehr nahe einer Partie der Prager Collectivausftellung verwandt, wenn auch äufserlich von ihr gefchieden, war ein Elaborat der fürftlich Schwarzenberg' fchen Güterdirection über die Gefchichte der Preife auf der Herrfchaft Wittingau und der Domäne Jinonitz in Böhmen, ausgeftellt im eigenen Pavillon des Fürften Johann Adolf zu Schwarzenberg. Man erfieht aus dem Schebek'fchen Kataloge, dafs eine Betheiligung des Fürften, in deffen zahl­reichen und wohlgeordneten Archiven und Regiftraturen eine Fülle urfprünglich in Ausficht ftand und fpäter wenigftens eine eigene Collectivausftellung von preis­gefchichtlichem Materiale fich erwarten liefs, an der Collectivausftellung von den Schwarzenberg'fchen Gütern beabfichtigt war, während thatfächlich diefe Partie der Schwarzenbergifchen Ausftellung entfchieden zu den dürftigften des im übrigen fehr reichhaltigen Pavillons gehörte und in keinem Verhältniffe zu dem Reichthum der fürftlichen Archive ftand, von welchem gleichzeitig durch eine eigene Archiv­ausftellung im Schwarzenberg'fchen Palais Zeugnifs gegeben war.

In den Beiträgen" von der Herrfchaft Wittingau waren Preife einzelner Artikel als: Getreide, Bier, Fleiſch, Fifche und Holz, fowie Taglöhne von 1450 bis 1872 reducirt auf die beftehenden Mafse, Gewichte und auf öfterreichiſche Währung in fragmentarifcher Weife( die Originalpreife in eigenen Rubriken) mit­getheilt. Das XVI. Jahrhundert war hier in summa mit acht, das XVII. Jahr­hundert mit neun, das XVIII Jahrhundert mit fünf Jahren vertreten, vom XIX. Jahrhundert waren II Angaben von zehn zu zehn Jahren mit einzelnen Zwifchenjahren( 1817, 1824, 1872) gegeben. In einem Anhange verbreitete fich die Arbeit über Mafse und Gewichte, Münzfufs, Bankozettel, Einlöfungsfcheine und Wiener- Währung, wozu das Material theils den Archivalien entnommen, theils aus Zedler's Univerfallexikon, Brockhaus' Converfationslexikon, Naučny slovník und den kaiferlichen Patenten zufammengetragen war. Das Patent des Kaifers Franz vom 20. Februar 1811, welches Einlöfungsfcheine einführt und diefe fowie die Bankozettel zu ein Fünftel ihres Werthes als Wiener Währung erklärt, ift in extenso mitgetheilt..Auch fand fich die Scala über den Cours der Bankozettel von 1799 bis 1811( von Monat zu Monat) aufgenommen, nach welcher die Zahlungen in Folge diefes Patentes zu leiften waren, fowie der höchfte und niederfte Stand des Courfes der Wiener Währung( Einlöfungsfcheine) nach Erfcheinen des Finanz­patentes vom 20. Februar 1811 bis September 1819 nach Alois Ditfcheiner.

Die

Von der Domäne Jinonitz waren Preife einiger Artikel nebft Taglöhnen vom Jahre 1678 bis 1870 nach theils zehn-, theils zwanzigjährigen Perioden mit einzelnen Zwifchenjahren gegeben, theils Markt-, theils Reluitionspreife. Preife diefer nahe der Stadt Prag gelegenen Domäne follten gleichfam Stadtpreife gegenüber den Landpreifen von Wittingau repräfentiren und in der zum Schluffe gegebenen Tabelle mit Durchfchnittszahlen für beide Domänen verfuchte man wohl, freilich in fehr dilettantifcher Auffaffung, gleichfam landesübliche Preife für

Böhmen darzuftellen.

Vortheilhaft durch Vollständigkeit fowohl wie durch eine verftändige Anordnung und Ausbeutung zeichneten fich die preisgefchichtlichen Mittheilungen des Bureaus für die land und fortwirthfchaftliche Statistik