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Beiträge zur Geschichte der Preise : (Additionelle Ausstellung Nr. 5) ; Bericht / von Carl Theodor von Inama-Sternegg
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Beiträge zur Gefchichte der Preife.

35 Manufactur- oder den fchweren, das heifst weniger werthvollen Waaren zu den leichteren, denen die zu nehmenden Transportvortheile nicht fo bedeutend nützen, unterfuchen, fo hätte man die Tabellenftreifen nur nach den natürlichen Waaren­gruppen oder nach ihrer Transportabilität, welche fich in dem Durchschnittspreiſe per Centner ausdrückt, zu gruppiren. Diefes an fich gewifs treffliche Mittel einer eingehenden Tabellenanalyfe( L afpeyres hat es felbft in Schebeck's Katalog genauer gefchildert) leidet vor der Hand nur an einer fehr bedeutenden Unhandlich­keit und Subtilität, wodurch eine gröfsere Verbreitung der beweglichen Tabelle in diefer Geftalt wenigftens ein grofses Hindernifs finden wird.

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Zum Schluffe fei in diefer Gruppe noch eines originellen Verfuches einer graphifchen Tafel der Preisbewegung von Feldfrüchten, Brot und Fleifch in Prag von 1800 bis 1870 von dem fchon erwähnten Bureau für die land- und forftwirthschaftliche Statiſtik des Königreiches Böhmen( Ver­faffer Profeffor Dr. Kořift ka) gedacht. Die Ordinaten diefes Diagrammes, welche die Preife in Gulden darftellen, find Logarithmen diefer Gulden, weil man nur auf diefe Art ein richtiges Bild vom Verhältniffe der Veränderungen ver­fchiedener Grundpreife erhalten kann." Mit diefer kurzen Rechtfertigung hat fich diefer neue Verfuch auf dem Gebiete der graphifchen Statiſtik eingeführt, deffen Bedeutung und Berechtigung eine nähere Betrachtung verdient. Bei der gewöhn­lichen Art der Diagramme find die Ordinaten( nach welchen die horizontale Theilung gefchieht) in einer arithmetifchen Scala derart aufgetragen, dafs der Raumabftand von I zu 2 gleich grofs ift, wie der von 2 zu 3 u. f. f. Eine Curve, welche alfo in zwei auf einander folgenden Abfciffenabſchnitten( etwa Jahre bedeutend) von I bis 2 und 2 bis 3 fteigt, zerfällt in zwei gleich grofse( gleich fteile) Abſchnitte, was vom Bilde in das Wort übertragen, lautet, dafs der Preis im zweiten Jahre( 2 bis 3) eine gleiche Steigung zeigt, als im erften( 1 bis 2). Diefs widerfpricht aber nicht blofs der Thatfache, dafs die zweite Steigung( 2 bis 3) nur halb fo viel bedeutet als die erfte( 50 Percent gegen 100 Percent), fondern auch den erften Anforderungen der Algebra, welche uns das Preisverhältnifs diefer zwei Jahre in geometrifcher, nicht in arithmetifcher Proportion anfetzen heifst. Das, was demnach mit dem Bilde bezweckt werden will, eine möglichft anfchauliche, aber doch richtige Wiedergabe einer Tabelle, wird nicht nur nicht erreicht, fondern in's Gegentheil verkehrt, es wird eine geradezu falfche Vorftel­lung dadurch befördert; denn die Steilheit der Linie ift das Bild der Steigerung des Preifes; bei der arithmetifchen Scala aber bringt ein Gulden Steigerung den­felben Steigerungswinkel hervor, ob er die unbedeutende Schwankung von 100 zu IOI oder die enorme von I zu 2 darzuftellen hat. Bei der Anordnung der Scala nach einer geometrifchen Progreffion dagegen, fo dafs der Raumunterfchied von I bis 2 gleich ift dem von 2 bis 4, 4 bis 8 etc., erhält man in der Steilheit der Curve das richtige Bild der percentualen Steigerung, indem die Steigerungsper­cente von I zu 2, 2 zu 3 etc. in gleicher Weife abnehmen, wie die Raumunterfchiede diefer Zahlen. Erft hiedurch wird alfo erreicht, was die urfprüngliche Abficht eines Diagrammes ift, eine geometriſche Darstellung und Veranfchaulichung von Zahlen­verhältniffen. Das, was Schebek für die mittlere Ofcillation der Weizenpreife in Prag von Jahr zu Jahr in Percenten ermittelt hat, ohne es in den graphifchen Tafen darftellen zu können, und was Lafpeyres mit feinen relativen Zahlen der Hamburger Waarenpreife wirklich, aber mit Verzicht auf die Deutlichkeit und Ablesbarkeit der Preife dargestellt hat, läfst fich mittelft der graphifchen Logarithmen auf ebenfo verftändliche, aber viel correctere Weife im Bilde geben.

Aber nicht blofs in Betreff der Curvenzeichnung bietet diefe Methode einen grofsen Vorzug, fondern auch in Bezug auf das Ablefen von einer folchen Tafel. Bei der gewöhnlichen Form der Auftragung wird nur gezeigt, um wie viel der Preis differirt; mittelft der Logarithmen dagegen findet man aufser diefem arith­metifchen Verhältniffe, das unverändert ftehen bleibt, auch noch, um wie vielmal

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