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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Der Welthandel.

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Das Tambaroora- Goldfeld ift, wie es bis jetzt erfcheint, der goldhaltigfte Quarzdiftrict in ganz Auftralien und jedes Fufsbreit Landes bereits reclamirt worden. Eine grofse Anzahl Compagnien, die faft an hundert reicht, hat fich dort neuerdings wieder gebildet, um die Riffe zu bearbeiten, und wenn auch wohl Monate vergehen werden, bevor diefelben productiv find, fo lautet doch das Urtheil competenter Perfonen, welche den Diftrict forgfältig unterfucht, in jeder Beziehung überaus günftig.

Von noch grösserer Bedeutung find die auftralifchen Goldfelder Victoria. Seit dem Jahre 1851 aufgefchloffen, bilden fie das berühmtefte Goldfeld der Erde, nachdem Californien an Ergiebigkeit an Gold bedeutend nachgelaffen.

Es liegt uns gegenwärtig der officielle Bericht über den Totalertrag der Victoria- Goldfelder im Jahre 1871 vor. Derfelbe bafirt auf dem Goldexport, und wenn eine folche Calculation auch nicht abfolut richtig ift, infofern als z. B. das in der Colonie verarbeitete Gold ausgefchloffen ift, fo ift fie doch approximativ die richtigfte, welche fich überhaupt machen läfst. Seitdem der Ausgangszoll auf Gold in Victoria aufgehoben, liegt kein Grund mehr zur Verheimlichung oder Falfification vor. Wir entnehmen nun aus diefem Berichte, dafs im letztverfloffenen Jahre 1871 überhaupt 1,355.477 Unzen Gold aus der Colonie exportirt wurden. Da aber die verfchiedenen Banken am 31. December 1870 im Befitze von 212.458 Unzen waren, dagegen am 31. December 1871 nur 162.360 Unzen beherbergten, fo würde fich damit der actuelle Ertrag des Jahres auf 1,303.379 Unzen reduciren. Rechnen wir den Werth der Unze Gold zu 4 Pfund Sterling( in Melbourne differirt er zwifchen 3 Pfund Sterling 18 Shilling und 3 Pfund Sterling 19 Shilling), fo würde diefs einen Werth von 5, 213.516 Pfund Sterling oder, das Pfund Sterling zu 6 Reichs­thaler 22 Silbergrofchen gerechnet, von 35,104.341 Thalern ergeben. Die Zahl der im Jahre 1871 auf den Goldfeldern der Colonie Victoria befchäftigten Digger belief fich durchschnittlich auf 58.101. Auf das erfte Quartal entfielen 58.220, auf das zweite 57.439, auf das dritte 58.506, auf das vierte 58.241. Repartiren wir nun den obigen Ertrag, fo würden auf den Mann per Woche durchfchnittlich I Pfund Sterling 14 Shilling 6 Denar, oder II Reichsthaler 18 Silbergrofchen entfallen­ein für auftralifche Verhältniffe befcheidener Gewinn. Zur Vergleichung mögen die Statiſtiken aus den letzten Vorjahren angeführt werden.

Jahr 1868

1869

1870

Zahl der Digger

63.121

68.037

60.367

macht per Mann wöchentlich

I Pfd. Sterl. 16 Sh.

Jahresbetrag an Gold 1,474.187 Unzen 1,367.903 1,281.841

I

II

99

99

I

12

77

79

"

Die Summirung des gefammten Werthes der edlen Metalle auf der ganzen Erde ergibt beiläufig 8200 Millionen Thaler in Gold 10.500 Millionen Thaler in Silber, alfo 43'9 Percent zu 56° 1 Percent. Da nun nach Mc. Culloch ungefähr die Hälfte des geprägten Metalles zu Schmuckgegenftänden verwendet wird, auf die Abnützung, welche Soetbeer freilich als keineswegs tief einfchneidend berechnet hat, doch ein kleiner Theil des Verluftes entfällt, fo circulirt eigentlich dem grofsen Güterleben gegenüber in den civilifirten Staaten verhältnifsmässig eine geringe Summe edler Metalle. Weiter mufs man dabei bedenken, dafs die grofsen Münzftätten immer einen bedeutenden Theil der edlen Metalle zurück­halten, keineswegs die gefammten Maffen ihres Einganges ausprägen und zur Deckung ihrer Noten und Credite zurückhalten, um zu erkennen, dafs auch damit dem Verkehr grofse Mengen edler Metalle entzogen werden. In Europa und Amerika mögen demnach im Ganzen 3654 Millionen Thaler circuliren, alfo bei­läufig der fünfte Theil des ganzen, durch lange Jahre gefchaffenen Beftandes der edlen Metalle. Von der auf Europa entfallenden Geldmenge mag davon auf Frankreich, 1/7 auf England entfallen, welche Staaten von jeher durch die Ver­meidung des Papiergeldes mehr edle Metalle gebraucht haben als die anderen Staaten Europas.