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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Dr. Carl Thomas Richter.

auf Amerika 1871: 4.256.000

1872:

3,700.000

Oftindien

29

"

Brafilien

1,821.000 680.000

" 1

1,500.000

1,006.000

"

"

"

Egypten

"

Weftindien

"

99

in summa.

445.000 240.000 7.442,000

"

513.000

"

237.000

6,956.000 Ballen.

Von der Production des Jahres 1872 erhielt Europa mehr als 5 Millionen Ballen und England von diefem Importe mehr als zwei Drittel.

Bedenkt man, dafs die Baumwoll- Krifis während des amerikaniſchen Krieges dahin führte, dafs allerlei früher für unbrauchbar gehaltene Sorten den­noch in die Fabrication einbezogen wurden, und die Technik der Spinnerei defshalb bedeutend vervollkommnet werden mufste, dafs feit jener Zeit erft Süd­amerika der Baumwoll- Cultur gröfsere Sorgfalt zuwendete, einzelne Länder Afiens und Egypten auf den Markt fich drängten und felbft Europa die Baumwolle zu cultiviren begann, dafs durch den Ausbau einiger wichtigen Eifenbahn- Linien und die Eröffnung des Suezcanals ein reiches und hoffnungsvolles Baumwoll- Gebiet, dem England immer gröfsere Sorgfalt zugewendet, nahe an Süd- und Mitteleuropa gerückt wurde, und dafs die Baumwolle die Canalfracht ganz gut verträgt und daher keineswegs theuer auf den Markt zu gelangen brauchte, fo mufs es in der That überrafchen, heute doch wieder Amerika an der Spitze der Baumwoll­Staaten und als den erften Verkäufer auf dem Markte zu fehen.

Allein es ift erklärlich, da in Amerika ein kräftiger Boden mit einer tüch­tigen und ausdauernden Arbeitskraft, welche Indien und andere transatlantifche Länder nicht haben, fich mit einander verbinden, dafs weiter zahlreiche Anpflan­zungsverfuche der Baumwolle doch eigentlich nur Nothverfuche und blofs als Aus­hilfsmomente zu betrachten waren, die zurücktreten müffen, fobald eben der Kriegslärm in Amerika zum Schweigen gebracht und Staat und Volk wieder gefammelt waren. Weiter mufs man bedenken, dafs der Bedarf nach Baumwolle im dauernden Steigen begriffen, und vor Allem Amerika felbft einen grofsen Theil feines Productes allmälig zu verarbeiten beginnt. Auch ift die amerikanifche Baumwolle die befte, und die meiften Spinnereien der Welt find auf amerika­nifches Gewächs eingerichtet. Die Fortfchritte der Spinnerei haben fich nicht fo fchnell entwickelt, und vor allen verbreitet, dafs fie eben vor Wiederbelebung der amerikaniſchen Production allgemein geworden wären. Auch darf man nicht ver­geffen, dafs das Hauptcommunications- Land von Baumwolle, England in Amerika, eine hundertjährige Gefchäftsverbindung und Gefchäftsübung befitzt, und dafs es naturgemäss war, dafs England feinen alten Rohftoff- Producenten fich wieder zuwendete.

Damit war es für Amerika gleich giltig, was die übrigen Staaten in Baum­wolle durch den Canal von Suez über Trieft nach Oefterreich, über Venedig nach Deutfchland und Odeffa nach Rufsland und ob egyptifche Baumwolle über Trieft und Venedig nach Mitteleuropa gehe. Und fo behauptete die amerikaniſche Baumwolle in ihrer fchönen Weifse und Seidigkeit, vielfachen Länge und Stärke, wieder ihren guten Platz und verdrängte zum Theil die Baumwoll- Sorten aus Siam und den englifchen Befitzungen, die kurz, rauh, ungleich kräftig, wenig feidig und nur für Belegftücke brauchbar find; rivalifirt mit der Königin der Baumwoll­Sorten, der perlmutterartig glänzenden, langftapeligen Baumwolle aus Hawahi und den anderen Sortens Auftraliens auf dem englifchen Markte, wo fie überhaupt allein verwendet werden.

Die europäiſche Baumwolle, die italienifche aus egyptifchem Samen, die griechifche und türkifche haben überhaupt erft noch zu zeigen, ob fie in der Mitte der Producenten, welche die Natur allein dazu berufen hat, Stand halten können, oder ob ihre Producte nur der Sorge und den Intereffen der botanifchen Gärten überlaffen bleiben follen. Der von Natur fo reich gefegnete Boden Indien;