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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Der Welthandel.

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Die Handelsbewegung aber des Wollhandels in den erften Staaten Europas und den vereinigten Staaten von Nordamerika geftaltet fich für das Jahr 1870 fo,

dafs an

auf England

Einfuhr

Ausfuhr

. 238,820.852 Zollpfund 94.911.916 Zollpfund

oda25,711.412 polo 66,543.920

99

Frankreich

"

. 167,422.200

99

" iser

"

Belgien

147,092.128

99

"

"

Deutſchland. 90,000.000

Oefterreich. 21,680.900

obal 25,000.000

29

16,392.700

99

Niederlande

" 7

Rufsland..

"

Nordamerika

29

16,991.972

2,648.700

62,202.714

13,906.260

99

"

28,558.577 12,067.689

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entfielen.

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Was nun die Confumtion der wichtigften europäifchen Staaten anbelangt, fo fteht England mit fortfchreitender Entwicklung und Frankreich an der Spitze der Wollmanufactur. England hat im Jahre 1870 und 71 die Menge von 330 Millionen Pfund, Frankreich 300 Millionen Pfund Wolle aller Art verarbeitet.

Das gibt eine Gefammtheit einer Handelsbewegung von mehr als 1000 Mil­Hionen Pfund oder beiläufig 700 Millionen Gulden.

Seide. Die Gefchichte der Seide, der Seidenzucht und des Seidenhandels hat in den letzten fünf Jahren eine faft romanhafte Geftaltung angenommen, die wir nur in Kürze fkizziren wollen, da die Hauptmomente daraus bekannt sind.

Die europäiſchen Haupt Productionsgebiete der Seide find: Norditalien, insbefondere die Lombardei, Süd- Frankreich, Spanien, der Süden von Oester­reich, Ungarn, Griechenland, die Türkei und Rufsland. Von Bedeutung für den Welthandel ift aber nur das italienifche und füdfranzöfifche Product gewesen. Die europäische Seidenproduction betrug in den fünfziger Jahren finkend gegen die Menge der sechziger Jahre, von mehr als 7 Millionen Kilos kaum mehr 3 Mil­lionen. Die Raupenkrankheit hatte diefe Verwüftung hervorgebracht und ganz Europa nach jenen Ländern zu blicken gezwungen, in denen Lage, Clima und Gunft der Verhältniffe eine reiche Seidenproduction ermöglichen. Das waren die Länder Afiens, die in fünf grofse Seidenproductions- Gruppen zerfallen. An der Spitze fteht China und Japan, dann folgt die afiatifche Türkei und endlich Perfien und Bengalen mit ihren weniger werthvollen Producten. China exportirte nach England und Frankreich im Anfang des Jahres 1860 und 1861: 80.336 Ballen à 106% Pfund und fank allmälig im Jahre 1867 auf 39.645 Ballen. Im Jahre 1870 hatte der Zwifchenhandel Englands mit chinefifcher Seide 43.879 Ballen, 1871: 50.943 Ballen empfangen. Die chinefifche Seide ift nur in den beften Sorten fchön weifs, die chinefifchen mangelhaften Spinnweifen boten der europäifchen Induftrie grofse Schwierigkeiten, ebenfo wie die Belaftungen des Handels den Bezug überhaupt beläftigen, fo dafs man immer nur durch die Verhältniffe des Bedarfes gedrängt, die Seide Chinas zu beziehen fich entfchlofs und das erneute Aufblühen der Seidencultur in Europa mit Freuden begrüfste. Die Ausfuhr der japanefifchen Seide betrug in den sechziger Jahren durchschnittlich 20 bis 25.000 Ballen. In der Neige der sechziger Jahre fank der Export 1867 und 1868 auf etwas mehr als 12.000 Ballen und betrug 1770 und 1871 nur mehr 9598 Ballen. Die grofse Nach­frage Europas verleitete die japanefifchen Seidenzüchter, dem Gefpinnft und der Wahl des Stoffes nicht mehr die nöthige Aufmerkfamkeit zuzuwenden und dadurch eine bedeutende Qualitätverminderung zu erzeugen. Zugleich fchädigte die Kraft der Jährlings- Cocons der grofse Export von Raupeneiern und follte diefer Ausfall gleichfalls durch die Verfpinnung fchlechterer Seide gedeckt werden. Das Alles drängte den europäifchen Markt an Japan und China, umfomehr als die europäiſche Seidenproduction glücklich wieder fich entwickelte. Man schätzt die europäische Rohseiden- Production für das Jahre 1868 auf 7 bis 8 Millionen Pfund, für 1869 und 1870 auf 12 Millionen Pfund, für das Jahr 1872 auf 10 Millionen Pfund Seide, im

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