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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Dr. Carl Thomas Richter.

Belgien, in gleicher Entwicklung wie Frankreich, faugt immer mehr feine Arbeitskraft in der Induftrie auf und deckt feinen Bedarf an Getreide aus der Fremde, aus Deutfchland, Dänemark und Rufsland, und zum Theile heute auch aus Amerika. In zehnjährigem Durchfchnitte betrug die Getreideeinfuhr jährlich mehr als 128.5 Millionen Kilogramm gegenüber einer Ausfuhr von kaum 5.5 Millio­nen. Diefe bedeutende Einfuhr dient zumeift, um die zahlreichen Mühlen Belgiens zu befchäftigen. Die Ausfuhr ift daher gewifs zumeift auch Mehl. In ähnlicher Weife wird Roggen, faft 40 Millionen Kilogramm für die Alkoholbrennereien importirt, dem gegenüber und ihren bedeutenden Ausfuhren der Export von 9 Millionen Kilogramm Roggen verfchwindend ift. Ausserdem baut Belgien für die Alkoholinduftrie zumeift Roggen im Lande. Die mittlere Ernte von ganz Belgien beträgt Weizen 5,164.796, Korn 6,386.158, Gerfte 1,332.961, Hafer 8,495.929 und Mengkorn 1,952.775 Hektoliter.

Die Niederlande find durch Lage und grofse Wiefencultur bei einem reichen Viehftande von jeher auf den Import von Cerealien angewiefen gewefen, der mit dem wachfenden Wohlftande gleichfalls dauernd im Steigen begriffen ift. Für feinen Bedarf betrug der Import 1870 an Getreide 4,382.353 Hektoliter und 576.320 Centner Roggen- und Weizenmehl in einem Gefammtwerthe von 96 Millionen Francs. Die mittlere Durchfchnittsernte in den Niederlanden beträgt ( 1870) Weizen 2,056.222, Róggen 3,892.311, Gerfte 1,850.430, Hafer 4,093.407 Hektoliter, dazu kommt noch Spelz und türkifcher Mais mit faft 1 Million Hekto­liter. Der Gefammtwerth aller Agriculturproducte beträgt demnach 172,175.690 Gulden. Er ift gegen frühere Jahre, zumeift gegen 1867 im Sinken begriffen.

Frankreich fucht durch die Nothwendigkeit Getreide aus der Fremde zu importiren, den urbaren Boden und den Ackerbau zu entwickeln. Aber durch das Wachfen der ftädtifchen Bevölkerung, durch die dauernde Steigerung des Anbaues der Handelsgewächfe, Rübe, Hanf, Flachs, Karden u. f. w. deckt die Ackerwirth­fchaft felbft in guten Ernten nicht den Bedarf und importirt Rufsland, Deutfch­land, Oefterreich und Amerika. Der Gefammtimport an Getreide, zumeift Weizen betrug 1870 5794 Millionen Centner im Werthe von 141'6 Millionen Francs, an Weizenmehl zumeift Belgien o 328 Centner im Werthe von 11 5 Millionen Francs. Der Gefammtexport betrug nur 10 2 Millionen Francs und dazu kommt noch ein Zwifchenhandel im Werthe von etwas mehr als 26 Millionen Francs.

Italien fteht heute noch für feinen Getreidebedarf unter den importirenden Ländern. Aber die fortfchreitende, politifche Confolidirung des Staates bringt auch wirthschaftlichen Segen. Es fteigt die Arbeitstüchtigkeit und das Arbeits­erträgnifs, daher zeigen die Mittelernten der letzten Jahre doch einen finkenden Import von Getreide, während der Export von Reis, Mais und Mahlproducten im Steigen begriffen ift. Die Mittelernte beträgt 69,497.202 Hektoliter, wovon 16,352.141 auf Mais entfallen. Der Gefammtimport betrug 1870 an Getreidefrüchte 4.992.000 Centner, dem eine Ausfuhr von 3,206.000 Centner gegenüber ftand. Die Ausfuhr von Mehl dagegen überragte den Import.

Griechenland ift theils durch eine ungenügende Ackerwirthschaft, die übrigens die Regierung mit aller Kraft zu verbeffern fucht, theils durch den ergiebigen Tabak- und den ganz anfehnlichen Baumwollbau( 2 Millionen Pfunde), durch die Pflege der Olive, der Korinthe und des Weines ein Getreideimportirendes Land, und man fchätzt die Jahreszufuhr auf mehr als 500.000 Centner mit einem Werthe von 13 bis 14 Millionen Francs, die Griechenland an Rufsland und die Donauländer zahlt. Diefes Verhältnifs dürfte, wenn die Bemühungen der Regierung gelingen, keineswegs lange mehr fo ungünftig bleiben.

Schweden wird durch das Schwefterland Norwegen zu einem Getreide importirenden Staate, weil Klima und Bodenbefchaffenheit Norwegens eine aus- giebige Feldwirthschaft nicht geftatten. Aber auch Schweden war in frühereu