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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Der Welthandel.

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Sind nun die Verkehrsbeziehungen für 1872 keineswegs glänzend zu nennen, fo find doch alle Anzeichen vorhanden, dafs Oefterreich feiner heutigen politifchen, wirthschaftlichen Freiheit folgend, fich doch wieder kräftiger geftalten werde. In den Ausweifen der Handelsbilanz des Halbjahres 1873 fehen wir die Einfuhr nach Oefterreich auf 43 8 Millionen Silbergulden von 53 3 Millionen Silbergulden 1872 gefunken. Die Ausfuhr auf 42 9 Millionen gegen 34 4 Mil­lionen Gulden geftiegen.

Einer Abnahme der Einfuhr um 17.82 Percent fteht fonach eine Steigerung des Exportes um 24'73 Percent entgegen. Die Steigerung des Exportes trifft vor­nehmlich die Claffe der Webe- und Wirkstoffe( Schafwolle, Flachs, Hanf etc.) wovon im Juli 1873 um 9.0 Millionen Gulden(+47 Millionen Gulden) aus­geführt wurden; dann die Garten- und Feldfrüchte( insbefondere Hafer, Gerfte, Oelfaat, Hopfen und Hülfenfrüchte), 4'9 Millionen Gulden gegen 19 Millionen Gulden,( fomit+30 Millionen Gulden) ferner Roh- und Raffinadzucker(+0.7 Millionen Gulden) und thierifche Producte( Felle und Häute+0.6 Millionen Gulden). Wefentlich höher ftellen fich auch die Verfendungen der Kurzwaaren, Inftrumente und Mafchinen, deren Werth( 5.9 Millionen Gulden gegen 4.7 Mil­lionen Gulden) eine Zunahme um 12 Millionen Gulden für diefen einzigen Monat aufweift. Ziemlich gleich blieben die Exporte an Webe- und Wirkwaaren( Juli 1872 um 5'4 Millionen Gulden, 1873 um 5 2 Millionen Gulden).

Der namhafte Ausfall in der Einfuhr entstand vornehmlich durch die Ver­minderung in den Bezügen an Garten- und Feldfrüchten( befonders Mais, Oelfaat und Obft) an Schlacht- und Zugvieh( namentlich Schweine und Kühe), Webe­und Wirkstoffen und derlei Waaren, dann an Leder, Leder- und Gummiwaaren. Mit Hinzurechnung der Waarenwerthe des Handels im erften Semefter erreichte die Einfuhr in den erften fieben Monaten 335 4 Millionen Gulden (+13 2 Millionen Gulden oder+40 Percent), die Ausfuhr dagegen 220'0 Millionen Gulden(+ 3'9 Millionen Gulden oder+18 Percent).

Wir brauchen daher wahrhaftig nicht mehr einen ftaatlichen Schutzzoll und auch nicht einen künftlichen. wie ihn das Agio der fechziger Jahre gefchaffen und mit der künftlich grofsgezogenen Ausfuhr doch Sittlichkeit und Ordnung des wirthfchaftlichen Lebens zerstörte.

Von der gröfsten Bedeutung nun ist und wird immer für Oefterreich die Entwicklung der dalmatinifchen Häfen und vor Allem die Hebung Triefts und des Triefter Hafens fein und wir haben fchon früher auf die Bewegung in demfelben bei den einzelnen wichtigen Handelsartikeln hingewiefen. Die handels- und preis­ftatiftifchen Unterfuchungen, welche die Triefter Handelskammer für die Welt­ausftellung publicirt hat, laffen leider nicht glauben, dafs die Regierung und wir fagen es ungefcheut, denn fie trägt einen grofsen Theil der Schuld, die Stadtver­waltung Trieft's felbft, ihre Aufgabe verftehen:, der fo bedeutende Abfall in den Zufuhren des Jahres 1872 der für 1873 wohl noch grösser fein wird, ift auf den Umftand zurückzuführen, dafs wir mit allen unferen früheren Abfatzgebieten nur durch eine einzige Eifenbahn- Linie in Verbindung ftehen. Die Verfchleppung der Predilbahn rächt fich durch den Verluft des Transitohandels von Oftindien nach Tirol, Süd- Deutfchland und die Schweiz, wie fich in ähnlicher Weife auch der Getreidetransit vermindert hat. Dafs Trieft durch folche Vernachläffigung auch mit Bezug auf die ftaatlich politifchen und wirthschaftlichen Intereffen auf nicht zu rechtfertigende Weife dem Ruine zugeführt wird, ift eine unumftöfsliche

Thatfache".

Die Bedeutung Triefts hat die Durchftechung der Landenge von Suez jedem kräftig vor Augen ftellen können, obgleich feine Lage zu Egypten und Kleinafien es von jeher dem Welthandel wichtig gemacht haben. Nun aber find neben Oftindien, das der Handelspolitik längst bekannte, die grofsen Roh­ftoff- Producenten China und Japan uns zum unmittelbaren Verkehre näher gerückt worden.