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Russland : Bericht / von Wilhelm von Lindheim
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Wilhelm von Lindheim.

wird gewifs und mit Sicherheit einen wefentlichen Theil der landwirthfchaftlichen Calamitäten in Rufsland, die der Abhilfe harren, gerade diefem Umftande zufchreiben können.

Die Bauern felbft find zum grofsen Theil hievon überzeugt und finden in der vollſtändigen Abhängigkeit von der Gemeinde fehr oft ein gröfseres Uebel, als felbft in der früheren Leibeigenfchaft, wobei namentlich bemerkt werden mufs, dafs die Gemeinde ein Organ ift, welches ohne Controle und ohne Appell die Güter und die Laften auf die einzelnen Mitglieder vertheilt.

Diefs ift auch die Veranlaffung, dafs die weniger fcrupulöfen und vielleicht intelligenteren Mitglieder fich in den Befitz eines weittragenden Einfluffes in der Gemeinde fetzen, und die Fälle find durchaus nicht vereinzelt, wo ganz abnorme Mifsbräuche ftatthaben und nur wenige Individuen zum Nachtheil, und oft zum gänzlichen Ruin der Anderen aus diefer künftlich gefchaffenen Situation Vor­theil ziehen.

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kann als

Diefe Thatfache und fie ift leider nicht hinwegzuleugnen befter Einwurf gegen die Vertheidiger diefes unfeligen Principes dienen, und im Gegenfatz zu deren Behauptung dafs nämlich das gemeinfame Eigenthum der Grundftücke vor Pauperismus und Proletariat bewahrt könnte man fogar behaupten, dafs die landwirthschaftliche Induftrie hiedurch wefentlich gefchädigt und der nationale Wohlftand aufgehalten werde.

Es ift eine Regel ohne Ausnahme, dafs alle Fortfchritte fich nur dann ver­zweigen können, wenn die Arbeit des Einzel- Individuums von gröfserer Ausdauer und Intelligenz getragen wird, als die Arbeit der Maffe.

Diefe letztere ift ein fchwerfälliger Körper, die den Neuerungen nur allzu­wenig zuneigt, und wenn auch an ihrem Joche einzelne intelligente Mitglieder angekettet find, fo ift dennoch die Stagnation- hervorgerufen durch den weniger intelligenten Theil unvermeidlich, und es geht auf diefe Weife viel nützliche Arbeit verloren.

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Die Organifation der ruffifchen Gemeinde zeigt in evidenter, Weife die Wahrheit diefer Theorie und die fchlechten Wirkungen der defpotifchen Verwal tung, mit welcher alle Gemeindemitglieder einer meift fehr unintelligenten Wirth­fchaftsweife unterworfen find.

Die beklagenswerthe Thatfache, dafs alle Mitglieder zur felben Epoche gehalten find, die Feldarbeit anzufangen, wodurch fehr oft die koftbarfte Zeit ver­loren geht, und das Wechfeln der Terrains untereinander, welches das Intereffe an guter Bearbeitung unmöglich macht, vereiteln das Profperiren und müffen jedem reellen Fortfchritt hinderlich fein.

So kommt es, und mit Recht, dafs manche intelligente Beobachter die Gemeindegüter, die aus diefen Gründen wenig, oft gar nicht gedüngt werden, mit den Gütern der todten Hand, oft mit vom Feinde verwüfteten Ländereien ver­gleichen.

Wir wiederholen es daher, dafs der unparteiifche, ftrenge Kritiker unmöglich ein Freund diefes Syftems fein kann, wenn man auch gleichzeitig erwähnen mufs, dafs man manchen Schwierigkeiten begegnen wird, um diefes ein­mal mit der Abfchaffung der Leibeigenfchaft verbundene Princip durch ein befferes zu erfetzen.

Die gröfste Schwierigkeit befteht in der Bauart des ruffifchen Dorfes; denn da das Gemeindegut allen Einwohnern gehört, fo find die einzel­nen Häufer nicht, wie diefs im weftlichen Europa der Fall ift, verein­zelt und dem jedem Gemeindemitgliede gehörigen Grundftücke zunächft ange­baut worden.

Man hat leider die Dörfer möglichft enge zufammengebaut, und es wäre jetzt, wenn die einzelnen Grundftücke zur Vertheilung kämen, aufserordentlich fchwer, die Eintheilung fo zu treffen, dafs jedes einzelne Individuum feinem Grundftücke zunächft auch Stallung und Wohnung hätte.