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Carl Sax.
fpitze der afatifchen Türkei endlich, reicht bis zum perfifchen Meerbufen. Durch die beiden letztgenannten Meere fteht die Türkei mit dem indifchen Ocean, gleich wie durch das mittelländifche Meer mit dem atlantifchen Ocean in mittelbarer Verbindung. Die Küftenentwicklung der Türkei am mittelländifchen, fchwarzen und adriatifchen Meere beträgt ungefähr 8000 Kilometer, wovon 2682 auf die europäiſche Türkei entfallen.
Die überfeeifchen Nachbarftaaten, fo zu fagen die vis- à- vis des türkifchen Reiches find: jenfeits des fchwarzen Meeres Rufsland, welches theilweife auch zu Lande Grenznachbar ift, und jenfeits des adriatifchen, des jonifchen und auch des mittelländifchen Meeres Italien, fonft jenfeits des mittelländifchen Meeres Tunis und Egypten, welches auch am rothen Meere dem unmittelbaren Gebiete der hohen Pforte gegenüber liegt.
Auch das öfterreichifche Küftenland im Norden des adriatifchen Meeres ift als überfeeifches Nachbarland der Türkei zu betrachten, infofern deffen Verbindung mit derfelben über das Meer viel häufiger ift als zu Lande.
Von allen diefen Nachbarftaaten üben nur Oefterreich- Ungarn und in fehr befchränktem Mafse auch Italien und Perfien eine commercielle Herrfchaft über gewiffe Gebiete der Türkei aus. Die anderen Nachbarländer, welche keine Induftrieftaaten find, nämlich, Griechenland, die türkifchen Vafallenftaaten, und felbft das zu Waffer und zu Land benachbarte grofse Rufsland, beherrfchen nirgends den Markt im türkifchen Reiche( vielleicht mit Ausnahme einiger kleinen Grenzgebiete); fie liefern nur einzelne Handelsartikel, während die den Ausfchlag gebenden Handelsverbindungen, theils mit Oefterreich und Italien, gröfstentheils aber mit England und Frankreich, fowie mit der Schweiz, mit Belgien und Deutſchland unterhalten werden. Nach Oefterreich und Ungarn gravitiren die nordweftlichen Grenzländer und gröfstentheils auch das durch die Donau mit Mitteleuropa verbundene Gebiet im Norden des Balkans, und auch das füdlichere bis ins Herz von Rumelien hinein; nach Oefterreich und nach Italien das albanefifche Küftenland; im Uebrigen fteht faft das ganze türkifche Reich, vorherrfchend unter dem commerciellen Einfluffe der wefteuropäifchen Staaten. Bei den innerafiatifchen Befitzungen der Türkei jedoch, welche hauptfächlich dem perfifchen Handel zur Durchfuhr dienen, kann vom auswärtigen Handel nur in fehr befchränktem Mafse die Rede fein; fie können erft durch die Fortfetzung der anatolifchen Eifenbahn oder durch die künftige Euphratbahn demfelben in entſprechender Weife erfchloffen werden. Im Allgemeinen ift die commercielle Lage des Reiches eine fehr günftige, weil dasfelbe, wie oben erwähnt, fo viele Meere mit feiner bedeutenden Küftenentwicklung berührt, überdiefs von grofsen Strömen durchgezogen ift, und an der Schwelle zwifchen den fich gewiffermafsen ergänzenden Culturgebieten des Orients und des Occidents liegt. Namentlich Conftantinopel, die Hauptftadt mit dem wunderbaren natürlichen Hafen, vermittelt den Handel zwifchen zwei Welttheilen und kann durch feine Lage den Handel im fchwarzen Meere beherrfchen. Das ganze Gebiet zerfällt in fieben natürliche Hauptabtheilungen: Erftens europäiſche Türkei, zweitens die Infeln, drittens Kleinafien, viertens innerafiatifche Befitzungen( oder Euphratgebiet), fünftens Syrien, fechstens arabifche Befitzungen, fiebentens afrikanifche Befitzungen( oder Tripolis).
Die europäifche Türkei ift die im Often vom fchwarzen, im Südoften vom Marmora- und vom ägäifchen Meere und den dinarifchen Alpen und im Norden von der Save und unteren Donau begrenzte Balkan- Halbinfel bis zur griechifchen Grenze hinab. Sie ift gröfstentheils Gebirgsland mit kleineren Thalbecken, nur gegen Nordoften in Steppenland übergehend und gehört zur Hälfte der gemäfsigten, zur Hälfte der warmen Zone an, zwifchen welchen Zonen die Grenze ungefähr von Nordweften nach Südoften lauft. Die Infeln liegen zum kleinen Theile im
* Es wird hier gemäfsigt die Zone genannt, wo der Weinstock, warm jene, wo die Südfrüchte( Citronen, Orangen, Feigen), heifs jene, wo die Palmen gedeihen.