12
Carl Sax.
Was den Ernte- Ertrag betrifft, fo rechnet man im Allgemeinen darauf, das 6 bis 7fache der Getreideausfaat zu erzielen, beim Mais aber das 80- bis( angeblich) 300fache; in Vorder- Kleinafien wird die Maisernte fonderbarer Weife nur auf das 20 bis 25fältige der Ausfaat angegeben, dabei die Bohnenernte auf 10- bis 15fach und Weizenernte auf 8 bis 1ofach. Jedenfalls ift es in den meiſten Gegenden der Türkei leicht, die Weizenernte auf das 10fache der Ausfaat zu bringen. Reis hat einen fehr fchwankenden, im Durchschnitte 20fachen Ertrag. Der Betrieb der Landwirthschaft ift überall fehr primitiv; gewöhnlich wird eine Art Dreifelder- Wirthfchaft betrieben, oder auch der Boden ununterbrochen ausgenützt, fo lange er trägt. Aufser dem Pfluge verwendet man faft keinerlei Ackerbau- Mafchinen, Dünger ift faft unbekannt, und dennoch ift der Ernte- Ertrag überall ein guter, könnte alfo bei rationeller Bewirthfchaftung noch viel beffer fein. Kleinafien allein follte nach einer von Tfchihatfcheff angeftellten Berechnung jährlich 8 Millionen Centner Getreide liefern können. Von den einzelnen Rohproducten ift das Erträgnifs der Baumwolle mit jährlich 8- bis 900.000 Centnern bekannt, was einen Werth von mehr als 4 Millionen Gulden, alfo faft halb fo viel als der Ackerbau, repräfentirt Der Werth der Wälder ift nicht bekannt, könnte aber unermesslich fein, wenn die Forftcultur und der Strafsenbau zur Erhaltung und Nutzbarmachung der Wälder das Ihrige beitragen würden. Die Viehzucht florirt in den meiſten Gegenden. Die Schaf- und Ziegenfteuer trägt über 400.000 Kiffé oder 20 Millionen Gulden.
Die Bergwerke bringen dem Staate kaum 18.000 Kiffé oder 900.000 Gulden ein, obwohl fie unermessliche Reichthümer zu Tage fördern könnten. Die afiatifchen Befitzungen liefern jährlich an Kupfer, Blei und Silber etwas über 2 Millionen Kilogramm. Wollen wir die einzelnen Naturproducte aufzählen, fo finden wir vom Mineralreich vorzüglich Salz, Eifen, Kupfer, Blei, Silber, dann Quekfilber, Zink, Gold, Arfenik, Alaun, Schwefel, Chrom, Marmor, Schmirgel, Jaspis, Meerfchaum und Steinkohlen, befonders auch Lignite; vom Pflanzenreiche alle Getreidearten( Hafer nur wenig), am meiften Weizen und Mais, befonders auch Reis, von Hülfenfrüchte, hauptfächlich Bohnen, dann viele andere Gemüſe, Flachs( weniger Hanf), Mohn, Krapp, Safran, Sefam, Sumach, Tabak von hefonderer Güte, die Baumwoll- Staude, den Weinftock, alle Obftgattungen und Südfrüchte, auch den Kaffeebaum, den Maulbeer- Baum die Oliven u. f. w., und von Waidbäumen, die Eiche, Buche, Fichte, Tanne, Pinie, den Buxbaum unter Anderen( fowie auch Olivenbäume, Obftbäume und Dattelpalmen), und als fonftige Waldproducte Valloneen, Galläpfeln, Knoppern, Harze; dann als Objecte der Viehzuht das Schaf und die Ziege mit der befonderen Abart der angorifchen, das Rind, den Büffel, das Schwein( in geringerer Menge), das Pferd, den Efel und das Kameel. Wir finden ferner die Seidenzucht, und wenn auch fehr primitiv, die Bienenzucht verbreitet.
Die Induftrie liefert hauptfächlich Kleidungsgegenstände für den Local bedarf, Teppiche, Thongefäfse, Waffen, Filigranarbeiten, Kupfergefäfse, Leder, Seidenftoffe, Parfumerien und dergl. Der Werth der Teppichfabrication wird auf 13 Millionen Francs, jener der Thonwaaren auf 3 Millionen Francs gefchätzt. Die Induftrie wird gröfstentheils häuslich, nur felten( z. B. in den Seidenfpinnereien) fabriksmäfsig betrieben, und liefert manch' vorzügliches Product, aber nur Weniges für den Export.
Wie bereits gefagt wurde, fteht die Production im Allgemeinen nicht im Verhältniffe zur Ausdehnung, Culturfähigkeit und günftigen Lage des Landes. Die Gründe diefer Erfcheinung find gar mannigfaltig, als die geringe Zahl der Einwohner, die Trägheit, Fortfchrittsfeindlichkeit und Bedürfnifslofigkeit eines grofsen Theiles der Bevölkerung, die Mangelhaftigkeit der Verkehrswege, in einigen Gegenden auch die geringe Sicherheit der Perfon und des Eigenthums, dann auch die Sorglofigkeit der Regierung, ihre Unkenntnifs des Landes, der Mangel an Aufmunterung von ihrer Seite, der mangelhafte Unterricht, die drückende