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Türkei : Bericht / verfasst im Auftrage des Comité für den Orient und Ostasien von Carl Sax
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Carl Sax.

Herzegovina befchränkt, Hanf und Lein wird am meiften in Weftbosnien cultivirt. Was den Waldbeftand betrifft, fo herrfcht im Norden die Eiche, in der breiten Mittelzone des Landes die Buche, theilweife mit Nadelholz abwechfelnd, in den höheren Centralgebirgen die Tanne und Fichte; in einigen nordöftlichen Diftricten kommt die Linde und überall zerftreut die Lärche vor. Waldarm ift nur die Herzegovina mit Ausnahme ihrer nordöftlichen Diftricte. Eine bedeu­tende Erwerbsquelle des Landes ift die Viehzucht, welche befonders in der Schafwolle einen werthvollen Exportartikel liefert. Die Schafe find auf 112 Million, die Ziegen auf 34 Millionen, die Rinder 400.000, die Schweine auf 2 bis 300.000, die Pferde auf faft 200.000 Stück zu veranfchlagen. Efel und Büffel kommen nur in geringer Anzahl vor. Auch die Bienenzucht wird betrieben, und es follen fich in der ganzen Provinz über 98.000 Bienenftöcke befinden. Die Seidenzucht ift noch nicht eingeführt. Grofs ift der Mineralreichthum des Landes, befonders an Eifen. In beiläufig 40 Minen mit 127 Schmelzhütten werden im Centrum des Landes und im Nordweften desfelben( nahe der croatifchen Grenze) jährlich 80 bis 100.000 Centner guten Eifens gewonnen. Blei, Kupfer, Queck­filber, Zinn, Silber, Gold, Schwefel, Steinkohlen und Meerfchaum find ebenfalls vorhanden, aber ausgebeutet wird nur etwas Blei bei Olowo, und etwas Meer­fchaum zwifchen Banjaluka und Derbend; ferner wird bei Tusla, an der Spretfcha, Kochfalz erzeugt( jährlich 6 bis 7000 Pfund). Von Mineralquellen find Eifen­fäuerlinge und heifse Schwefelquellen zu erwähnen( befonders in der Nähe von Serajevo). Die Induftrie ift in Bosnien von geringer Bedeutung. Am meiften ver­breitet ift die Schafwoll- Manufactur, die Holzinduftrie, die Fabrication roher Eifen-, Kupfer- und Thonwaaren, das Seiler- und Kürfchner- Handwerk und fpeciell in der Pofavina auch die Ziegelfabrication; im Allgemeinen iſt das Zimmermanns­Gewerbe mit der Herftellung der Wohnhäufer befchäftigt, wie diefs im gröfsten Theile der europäifchen Türkei der Fall ift. Bosnien ift wegen feines geringen Culturzuftandes kein befonders vortheilhaftes Abfatzgebiet für wefteuropäiſche Erzeugniffe, aber es ift wichtig durch feine, einer viel gröfseren Entwicklung fähige Naturproduction, befonders für fein Nachbarland Oefterreich- Ungarn.

Die Einwohnerzahl beträgt 1,100.000, faft durchgehends Bosniaken, ferbifchen Stammes, aber faft zur Hälfte mohamedanifcher Religion.

Die wichtigften Ortſchaften Bosniens find:

Im Centrum des Landes:

Bosna Seraj oder Serajevo, die Vilajets- Hauptftadt, mit 30 bis 40.000 Einwohnern, mit mehreren Confulaten; hinfichtlich der Induftrie bedeutend durch feine Gerbereien, durch Fabrication von Schuhen, Kleidern; Schnüren, Pelzen, Thonwaaren, Waffen und Filigranarbeiten in Silber und Gold etc.; Wefforka mit circa 3000 Einwohnern, welche fich viel mit Erzeugung von Decken und Teppichen befchäftigen; Krefchevo, Foinitza, Buffo watfcha und Warefch, kleine Städtchen mit Eifen- Bergwerken und Schmieden; Travnik, die vormalige Hauptftadt mit beiläufig 10.000 Einwohnern; Senitza( Zenica) an der Bosna mit circa 2000 Einwohnern, Teppich, Decken- und Ledermanufactur; Tefchanj mit 2 bis 3000 Einwohnern mit viel Getreide handel; Unter- und Ober.( Donja- und Gornja-) Tusla, das erfte mit 5000, das zweite mit 1000 Einwohnern, beide mit Salzfiedereien; Banjaluka, die zweitgröfste Stadt Bosniens mit beiläufig 15.000 Einwohnern und einem öfterreichiſch- ungarifchen Viceconfulate, Endpunkt der Eifenbahn von Novi; Stari- Maidan( Maden) Städtchen von kaum 2000 Einwohner mit Eifenminen und Schmieden; an der Oftgrenze das befeftigte Swornik mit circa 5000 und Belina mit 5 bis 6000 Einwohnern; an der Save die Scalen: Bertfchka mit 2 bis 3000 Einwohnern und einem k. und k. Viceconfulate; Schamatz, Brod( derzeit die frequentefte); Kobafch, Gradiska, und an der Unna: Dubitza, Koftainitza und Nowi. Letzteres der Ausgangspunkt der bosnifchen Eifenbahn, lauter kleine Städtchen mit ungefähr 1 bis 2000 Einwohnern; dann an der Weftgrenze: