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Persien : Bericht / on J. E. Polak
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Dr. J. E. Polak.

inhaber Verträge über den Preis und die mittlere Zeit der Verfrachtung. Für Havarien kann er natürlich bei dem fchlechten Stand der Strafsen keine Entfchädi­gung leiften, zumal es bekannt ift, dafs er zur Wahrung feines Rufes die noth­wendige Sorgfalt anwendet und die Pflicht nach Kräften erfüllt. Sehr beläftigend für den Handel ift die Quarantaine, die die türkifche Intendanz in Con­ftantinopel, oft nach Laune und unverbürgten Gerüchten, in den Einfallftationen befonders in Bajazid, decretirt. Sie iſt koftfpielig, zeitraubend und zwingt zum Schaden der Türkei die Frachten über den Kaukafus zu lenken. Wäre fie im Stande Seuchen abzuwehren oder hätte fie je das Mindefte geleiftet, fo liefse fich die Mafsregel noch billigen, allein nach gegenwärtigem Ver­fahren iſt fie eine pure Vexation, welcher ein kleinlicher Nationalgroll häufig zu Grunde liegt.

Confulate. Zum Schutze seines Handels hat Perfien mit den meiften Mächten Europas Handelsverträge abgefchloffen und hat aufserdem Confulate in Conftantinopel, Erzerum, Trapezunt, Alexandrien, Cairo, Dfchedda, Tiflis, Wien, Paris, Bombay.

Von europäiſchen Mächten hat Rufsland Confulate in Tabris, Refcht, Aftrabad und Teheran. England in Tabris, Refcht, Teheran und Bender- Bufchir, aufserdem Confularagenten in Isfahan, Schiraz, Kermanfchah, Hamadan, Mefchhed. Frankreich in Tabris und Refcht. Die Türkei in Tabris, Teheran und Kermanfchah. Um zugleich einen Begriff von der national- ökonomifchen Bedeutung der wichtigften Provinz, Azerbeidfchan und ihrer Hauptftadt Tabris, von der Ein­und Ausfuhr und deren Provenienz und Beftimmung zu geben, laffen wir das darauf bezügliche aus dem Berichte des Herrn Generalconfuls O. Zwiedinek v. Südenhorft folgen( fiehe Nachrichten über Induſtrie, Handel und Verkehr aus dem ftatiftifchen Departement im k. k. Handelsminifterium II. Band, 4. Heft. 1873), der fich durch Gründlichkeit und Sachkenntnifs befonders auszeichnet.

Uebergehend zur Schilderung des Handels von Tabris müffen zu­nächft die Umftände erwähnt werden, welche in den letzten Jahren auf die Verminderung desfelben wefentlichen Einflufs genommen haben. Die Haupt factoren des Waarenumfatzes auf dem genannten Hauptplatze find nämlich die Einfuhr europäiſcher, namentlich englifcher Manufacturen und die Ausfuhr der Seide von Gilan.

Solange die Seidencultur am cafpifchen Meere in voller Blüthe ftand, über­traf der Werth der Ausfuhr jenen der Einfuhr. Seit dem Auftreten der Seiden­raupen- Krankheit in jenen Gegenden( 1865) wurde die Bilanz empfindlich geftört. Durch Einfuhr gefunden Samens aus Japan wurde zwar der Krankheit Einhalt gethan, doch ift man weit entfernt, die frühere Ernte zu erzielen. Diefe, welche bereits auf 2000 Rouleaux jährlich herabgefunken war, belief fich 1871 auf ungefähr 6000 Rouleaux und erhob fich auch im letztverfloffenem Jahre( nach neueften Nachrichten auch im Jahre 1873. Ref.) trotz der anfänglich vielverfprechenden Ausfichten nicht zu gröfserer Höhe. Um das Gleichgewicht zwifchen Ein- und Ausfuhr herzuftellen, wäre ein Erträgnifs von 8000 bis 10.000 Rouleaux nöthig. Eine weitere Störung im Handel verurfacht der Mangel an baarem Geld, fowie eines feften, im ganzen Lande gleichen Curfes der fremden Münzen.( Siehe oben S. 20.)

Zu diefen Haupthinderniffen des Handels kam nun noch als vorüber­gehende Calamität die Hungersnoth mit Krankheit und Seuche im Gefolge. Unter dem Einflufs diefer verfchiedenen Uebel ift denn auch der Werth der Einfuhr in Tabris, der im Jahre 1870 noch circa 10,947.710 fl. betrug, im Jahre 1871 auf circa 7,895.590 fl. herabgefunken und der Werth der Ausfuhr von circa 4,226.230 auf 3,407,900 fl. gefallen.

In der folgenden Ueberficht ift der Werth der in den Jahren 1868-1870 nach und aus Tabris ein- und ausgeführten Waaren auf Grund amtlicher Daten zufammengeftellt: