Globaler Süden
- GlossareintragGlobaler Süden bezeichnet die Gegenkategorie zum Globalen Norden und bezeichnet ein vereinfachendes Konzept zur Einteilung von Staaten, das sich an sozioökonomischen und politischen Kriterien orientiert. Dazu werden in der Regel Länder Afrikas, Lateinamerikas, weite Teile Asiens sowie Ozeaniens (ohne Australien und Neuseeland) gezählt. Die Kategorie ist nicht geografisch, sondern geht auf historische Erfahrungen kolonialer Herrschaft und Abhängigkeit zurück und wurde aus der Kritik an älteren, stärker wertenden Begriffen wie „
Dritte Welt“ oder „Entwicklungsländer“ formuliert. Das Nord-Süd-Schema ist umstritten, da es große innere Unterschiede innerhalb der jeweiligen Regionen überdeckt und die Vorstellung homogener „Blöcke“ nahelegt. Mit fortschreitender Globalisierung, wachsender wirtschaftlicher Vielfalt und verschobenen Machtzentren verliert die dichotome Unterscheidung zunehmend an Erklärungskraft. In der Forschung wird betont, dass es sich nicht um statische Kategorien, sondern um veränderliche Konzepte handelt, die primär Ungleichheits- und Abhängigkeitsverhältnisse sichtbar machen sollen. - Weiterführende InformationenNour Dados/Raewyn Connell, The Global South, in: Contexts 11 (2012), 12–13.Marcin Wojciech Solarz, Introduction. The Brandt Line: a political or developmental boundary, in: derselbe: The Global North-South Atlas. Mapping Global Change, Abingdon 2019, 1–29, 6.B.R. Tomlison, What was the Third World?, in: Journal of Contemporary History 38 (2003), 307–321,308 ff., 314.