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also gegen die Bischöfe entschied, so vollzog er nur einen Actder Weisheit und Gerechtigkeit. Dieser Ansicht war auch sderReichskanzler Graf Beust, welcher mir im Jahre 1868 sagte,er habe die Genugthuung, zur Realisirung des Pädagogiums ent-schieden mitgewirkt zu haben. Und so wurde also die standhafteBehauptung eines redlichen und wolüberlegten Vorhabens trotzaller Schwierigkeiten endlich mit Erfolg gekrönt.
Nun galt es, das Pädagogium factisch in's Leben zu rufen.Den Plan, Wiener Lehrer an auswärtige Bildungsanstalten zuentsenden, gab der Gemeinderath jetzt auf. Dagegen faßte er alsseine nächste Aufgabe die Gewinnung der für das Pädagogiumnöthigen Lehrkräfte in's Auge. Schon früher hatte er einen Con-curs ausgeschrieben, um geeignete Schulmänner zur Bewerbungum die Directorstelle und um die Stelle eines Hauptlehrers zuveranlassen. Der Letztere sollte die specielle Leitung der Uebungs-schule und außerdem einen Theil des Unterrichts im Pädagogiumselbst übernehmen. Außerdem wollte man, nach Bedürfniß, Pro-fessoren der höheren Schulen Wiens für einzelne Lehrfächer en-gagiren. In Folge des erwähnten Concursausschreibens hattensich für die beiden Stellen eines Directors und eines Hauptlehrersbis zum 5. November 1867 im Ganzen 59 Schulmänner be-worben, darunter drei Österreicher. Der Gemeinderath trug aberBedenken, auf Grund dieser Bewerbungen oder auf Grund vonEmpfehlungen eine Wahl vorzunehmen. Man hob hervor, daßdie meisten der Bewerber offenbar nicht brauchbar seien, und daßandererseits einige Männer, in die man besonderes Vertrauen setzte,sich gar nicht beworben hätten. Auch seien Papiere, Schriften,Empfehlungen u. s. w. keine genügenden Mittel, um über Schul-männer ein richtiges Urtheil zu gewinnen; man müsse dieselbenam Orte ihrer Wirksamkeit kennen lernen. Aus diesen Gründenbeschloß der Gemeinderath am 17. December 1867, aus seiner