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werthe Lücke hat unlängst der Tod im Lehrkörper des Pädagogiumshervorgerufen. Am 14. April d. I. starb nämlich, im 39. Lebens-jahre, Herr Raimund Heilsberg, vormals Assistent der höherenMathematik am k. k. Polytechnikum und seit Eröffnung des Pä-dagogiums Lehrer der Mathematik an dieser Anstalt, ein edlerMensch und treuer Freund, ein vorzüglicher und höchst gewissen-hafter Lehrer. Unter schweren Anstrengungen und unverdientenWiderwärtigkeiten hat er sich durch seine Tüchtigkeit, sein reinesStreben und seine Ausdauer hervorragende Verdienste um dasPädagogium erworben.
9. Der zwischen dem Wiener Gemeinderathe und dem gegen-wärtigen Director des Pädagogiums geschlossene Vertrag bestimmt,daß die Stellung des Directors eine definitive ist und eurer Kün-digung von Seiten des Gemeinderathes nicht unterliegt, daß hin-gegen der Director, wenn er sein Amt niederlegen will, sechs Monatevorher kündigen muß.
19. Der Lehrkörper und die Zöglinge des Pädagogiumsunternehmen in der Regel jedes Jahr eine kleine (zweitägige) Reisezu Zwecken der Landeskunde, Naturkunde, Gewerbskunde u. s. w.
11. Das Schuljahr beginnt Ansang Oktober und dauertbis Ende Juli.
12. Im Sinne der neuen österreichischen Schulgesetze ist diefranzösische Sprache als fakultatives Lehrfach in den Lehrplandes Pädagogiums aufgenommen worden. Für Latein, Gesang undTurnen ist keine Zeit übrig geblieben. Zur Pflege des Gesangesund des Turnens finden die Wiener Lehrer glücklicher Weise außer-dem Pädagogium hinreichende Gelegenheit. — Ursprünglich ent-hielt das Statut des Pädagogiums noch folgende Bestimmung:„In Bezug auf die Religion ist jeder Zögling verpflichtet, sichalljährlich mit einem Zeugnisse über den Genuß eines seinemGlaubensbekenntnisse und den: Zwecke der Anstalt entsprechendenUnterrichtes auszuweisen." Diese Bestimmung hat nie eine prak-tische Wirkung gehabt. Die Zöglinge bemühten sich vergeblich,den präsumirten Privatunterricht irr der Religion zu erhalten und