Einzelstück 
Broschüre über "Das Lehrer Pädagogium der Stadt Wien"
Entstehung
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konnten sich daher auch niemals mit den geforderten Zeugnissenausweisen. Aus diesem Grunde und weil überdies bei den staat-lichen Lehrerprüfungen ohnehin auch die Religion berücksichtigtwird, ist in der neuen Fassung des Statuts der citirte Passusweggeblieben. Das Pädagogium hat mit der Religion nichts zuthun, was auch ein Glück ist; denn es ist hiermit eine große Ge-fahr für den Frieden und das Gedeihen der Anstalt ferngehalten.Und so werden im Pädagogium die Wissenschaften rein objectiv,ohne konfessionelle Färbung, sondern lediglich nach Maßgabe ihrereigenen Grundlagen und Gesetze behandelt. Ob das irgend einerkirchlichen Partei gefüllt oder mißfällt, kümmert uns nicht. Füruns gelten blos die Normen der Wissenschaft; unser Ziel ist Er-kenntniß und Verbreitung der Wahrheit. Glauben kann übrigensJeder, was er will.

13. Die Unterrichtszeit des Pädagogiums ist eine sehr be-schränkte, indem die meisten Besucher desselben selbst als Lehreran den Wiener Volksschulen angestellt sind. Daher können sienur einen Wochentag, den Donnerstag, ganz dem Pädagogiumwidmen, weil an diesem Tage, einen: alten Brauche gemäß, sämmt-liche Wiener Volksschulen frei haben. An allen übrigen Wochen-tagen findet in: Pädagogium der Unterricht von 58 Uhr Abendsstatt. Nur die Lehrproben in der Uebungsschule werden Vor-mittags 11 Uhr abgehalten. Zum Hospitiren in der Uebungs-schule haben viele Zöglinge nur wenig Zeit. Auch in räum-licher Hinsicht war das Pädagogium während der drei erstenJahre seines Bestehens sehr beschränkt, indem es nur nothdürftigin einigen Zimmern einer städtischen Volksschule (am Stuben-thore) untergebracht werden konnte. Diesem Uebelstande wurdedurch Errichtung eines eigenen Gebäudes (am Kolowratring, Fichte-gasse 3) für das Pädagogium und für die mit ihn: verbundeneDoppelbürgerschule abgeholfen. Es wurde in: Herbst 1871 bezogen.

14. Da in Folge der neuen österreichischen Schulgesetzgebungbesondere Prüfungscommissionen für Volks- und Bürgerschnllehrereingesetzt worden sind, so ist das Pädagogium nicht in der Lage,