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jüngeren Lehrerwelt die Berufsliebe, die Begeisterung für Volks-erziehung und Vvlkswohlfahrt, den sittlichen Ernst, die wissenschaft-liche und schulmännische Tüchtigkeit, den Sinn für Standesehreund edle Collegialität. Auf diese Weise gewinnen wir Männer,welche in jeder Hinsicht für die leitenden Stellungen im Volks-schuldienste tüchtig sind. Diejenigen, welche das Pädagogium mitEhren absolvirt haben, kann man getrost als Candidaten fürDirector-, Juspector- und Seminarlehrerstellen betrachten, wennihnen auch theilweise vorerst noch etwas mehr praktische Erfahrungim Schuldienste zu wünschen ist. Es giebt zur Zeit keine andereVeranstaltung, um Männer für den höheren Volksschuldienst in derWeise vorzubereiten, wie es das Pädagogium thun kann und fac-tisch thut. Dieses Institut leistet das Höchste, was bis jetzt aufdein Felde der Lehrerbildung erzielt wird. Weder in Deutschlandnoch sonstwo giebt es eine Anstalt, welche mit unserem Pädago-gium in die Schranken treten könnte. Dasselbe liefert zugleich denBeweis, daß es ein von aller konfessionellen und politischenGüngelung unabhängiges pädagogisches Institut geben kann, inwelchem das Princip gilt: Die Wissenschaft und ihreLehre ist frei, und doch die Fundamente der Sitte, der Staats-ordnung und der Religion geachtet werden. Die Stadt Wien hatübrigens, von allen Anderen abgesehen, vom Pädagogium dengroßen Vortheil, daß es eine sehr starke Anziehungskraft auf jungeund strebsame Lehrer ausübt; sehr viele derselben bewerben sichaus dem Grunde um einen Posten im Schuldienste der Hauptstadt,weil sie hier eine erwünschte Gelegenheit zur Fortbildung finden.Und so ist in Wien der allgemeine Lehrermangel kaum fühlbar.
Hiermit glaube ich einen treuen Bericht über das Pädagogiumgegeben zu haben. Wer gegen denselben etwas einzuwenden hat,möge auftreten, aber nicht als versteckter Buschklepper, sondern alsehrlicher Mann.
Das Pädagogium steht jetzt fester denn je; und auch wennes morgen unterginge, würde die Geschichte der Pädagogik seineWirkungen zu verzeichnen haben.