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Das Kaiserreich Brasilien auf der Wiener Weltausstellung von 1873
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Unter den Bäumen Brasiliens, die den grössten Nu­tzen gewähren, verdient besonders erwähnt zu werden die Carnaúba( Copernicia cerifera), eine Palme, welche wild und in grosser Menge in den Provinzen Ceará, Rio Grande do Norte und in einigen der diesen nahe lie­genden wächst.

Es gibt vielleicht nirgends einen Baum, der so gros­sen und so verschiedenen Nutzen gewährt.

Er widersteht jeder starken und andauernden Trock­niss, und bleibt stets grün. Seine Wurzeln haben die Wirkung der Salsaparrilha. Aus dem Stamme gewinnt man zähe und leichte Fasern, die den schönsten Glanz an­nehmen, Stützbalken, Sparren und andere Materialien für den Bau von Häusern, sowie ausgezeichnete Pfähle zu Umzäunungen.

grosse

Aus dem Palmenmark, welches, wenn es jung ist, sehr wohlschmeckend und nahrhaft ist, macht man Wein, Essig und eine zuckerhaltige Substanz, sowie eine Menge Gummi, ähnlich dem Sago, dessen Eigenschaften und Geschmack dasselbe besitzt. Oft hat es, zu Zeiten übergrosser Trockniss, den Bewohnern der oben er­wähnten beiden Provinzen als einziges Nahrungsmittel gedient.

Aus dem Holze des Stammes werden Musik- Instrumente und Wasserröhren verfertigt. Die zarte und faserige Sub­stanz des Griebses des Stengels und der Blätter ersetzt vollständig den Kork.

Das Fleisch der Frucht hat einen sehr angenehmen Geschmack, und der ziemlich ölige und ölgebende Kern wird, wenn er gebrannt und gemahlen ist, von vielen Leuten im Inneren der Provinzen wie Kaffee verbraucht.

Aus dem Stamme wird eine dem feinen Maismehl ähnliche Art Mehl gewonnen, und eine ziemlich weisse Flüssigkeit, die derjenigen gleich kommt, welche aus der