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Die k. k. Hof- und Staatsdruckerei : 1804 - 1904 ; [zur Feier des einhundertjährigen Bestandes der k. k. Hof- und Staatsdruckerei] / [Text.: Arthur Wilh. Unger...]
Entstehung
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eine Stufe der Vervollkommnung zu bringen, die ihr den Ruf eines Etablissements ersten Ranges bis ins ferne Ausland sicherte* Er erreichte dies, wie später von berufener fachlicher Seite eingehend erörtert wird, durch fast völlige Erneuerung des Letternmaterials, durch intensive Ausnützung bisher wenig beschäftigter Abteilungen, so hauptsächlich der Schriftgie§erei und der Galvanoplastik, durch Schaffung eines typometrischen Systems und durch gründliche Umwälzung des gesamten Maschinenapparats* Mit welcher Konse­quenz diese Umgestaltung betrieben wurde, bekundet der Umstand, da§ schon nach Verlauf des ersten Jahrzehnts seiner Tätigkeit Auer über 165 der verschiedensten Druckpressen verfügte, die zahlreichen Hilfsmaschinen nicht zu rechnen* Die alte Dampfmaschine, welche den gesteigerten Anforderungen nicht mehr zu entsprechen vermochte, wurde im Jahre 1848 durch eine neue von acht, nach einigen weiteren Jahren durch eine solche von sechzehn Pferdekräften ersetzt* ^S'SL urch diese Reformen hatte Auer den ersten Punkt seines Programms, die grundlegende Umwandlung der Staatsdruckerei und Ausgestaltung derselben zur ersten und größten typographischen Anstalt der Monarchie, zur Wahrheit gemacht* Mit gleichem Eifer schritt er nun an die Durchführung des zweiten Teils seiner Aufgabe, der ihm bei seiner idealistischen Veranlagung wohl als der Hauptzweck seiner Tätigkeit erschienen sein mochte, nämlich die Anstalt in den Dienst von Kunst und Wissen­schaft zu stellen und aus ihr ein Kunstinstitut vornehmsten Stils zu schaffen* Seinen speziellen linguistischen Neigungen und Kenntnissen gemä§, suchte er vor allem auf dem Gebiet der Sprachwissenschaften das Arbeitsfeld der Staatsdruckerei zu erweitern, indem er Druck­arbeiten in fremden, bisher daselbst nicht gepflegten Sprachen zur Herstellung übernahm* Als im Jahre 1845 im polytechnischen Institut in Wien die dritte allgemeine österreichische Gewerbeausstellung eröffnet wurde, konnte die Anstalt bereits eine reiche Auswahl der neu erworbenen typographischen Hilfsmittel dem Urteil des Vaterlands unterbreiten; besonderes Interesse erweckte, da § neben dem großen Typenreichtum auch eine stattliche Sammlung von Erzeugnissen der Galvanoplastik und Stereotypie gezeigt wurde* Die ungeahnte Entfaltung der Tätigkeit der Staatsdruckerei auf dem Gebiet des fremdsprachigen Drucks zeitigte die Einrichtung, da§ für die neueintretendenZöglinge und für jüngere freigesprochene Mitglieder der Anstalt neben dem fachtechnischen ein besonderer, namentlich auf Kenntnis der Orthographie und der Regeln abzie­lender Sprachunterricht organisiert wurde; hiebei wurden in erster

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