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Mitteilungen über die Verhandlungen des sächsischen Landtags. II. Kammer.
No. 156.
Dresden, den 24. Juni 1846.
( Seite 4489).
Fünfhundert und neunundfünfzigste öffentliche Sitzung der zweiten Kammer am 9. Juni 1846.
Abg. Georgi( aus Mylau) pp. Indem ich mir über die Handelsund Schiffahrtsverträge des 3ollvereins diese wenigen Worte erlaubte, bitte ich, mir zu gestatten, noch eines Unternehmens zu gedenken, was scheinbar wohl dem 3ollvereine etwas ferner liegt, für Deutschland aber, wie mir däucht, von eminenter Wichtigkeit werden kann. Es ist dies die Verbindung des mittelländischen Meeres mit dem roten Meere mittelst eines Canals durch die Landenge von Suez. Schon seit geraumer Zeit hat man sich mit diesem Unternehmen beschäftigt, nämlich in der Jdee. Allein einerseits haben die Ungewißheit über die techniſchen Schwierigkeiten bei der Ausführung und die Größe des erforderlichen Aufwandes, andererseits die Rivalität der größeren Mächte, welche dadurch entweder Vorteile erhalten, oder verlieren, einen weitern Fortschritt gehindert. In neuerer 3eit hat man über die technischen Schwierigkeiten eine andere Meinung bekommen und es sind hauptsächlich die Untersuchungen die von dem Oberingenieur des Dicekönigs von Egypten angestellt worden sind, welche dartun, daß in ersterer Beziehung diese Canalisierung kaum einer der größern Eisenbahnunternehmungen, welche jetzt ausgeführt werden, an die Seite zu setzen ist. In der andern Beziehung, nämlich auf die Rivalität der größern Handelsmächte, scheint es, daß die hier und da obwaltenden commer= ciellen Rücksichten doch über die Politik das Uebergewicht erlangen und die politischen Bedenken beseitigen; man scheint namentlich der Meinung zu sein, daß, wenn die Ausführung dieses Unternehmens nicht einer Regierung überlassen würde, sondern wenn Private die nötigen Schritte deshalb täten, das Unternehmen wohl auch trotz der politischen Bedenken ausführbar wäre. Es bilden sich deshalb bereits Privatgesellschaften und der Sitz der Gesellschaft für Deutschland wird Leipzig sein. Es ist nicht zu bezweifeln, daß, wenn dieses Unternehmen sich realisiren ließe, für Deutschland ein ganz eminenter Nutzen daraus hervorgehen würde. Deutschland würde dadurch dem südöstlichen Asien näher gerückt werden, die Handelsstraße von England und selbst wohl